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Politik Ausland
07/07/2020

Wie Trolle auf Island einen Kraftwerksbau beeinflussen

Der Glaube an Gnome, Elfen und andere Fabelwesen spielt bei Infrastruktur-Projekten und auch im Privaten eine große Rolle.

von Jens Mattern

„Friede sei über diesem Haus.“ Mit diesen Worten segnete der Pastor Kristinn Fridfinnsson jüngst einen alten weißen Bauernhof im Süden Islands. Befriedet werden sollen die Gnome, Elfen, Feen und vor allem die zänkischen Trolle. Der Geistliche mit dem weißen Bart und der ausladenden Halskrause wurde von dem Energie-Unternehmen Landsvirkjun angeheuert, er gilt als Spezialist – für diese fabelhaften Wesen. Hintergrund: Der staatliche Konzern will hier ein Wasserkraftwerk bauen, der Hof soll abgerissen werden, doch ob die Trolle und Konsorten damit einverstanden sind, bleibt offen – gilt doch die Gegend von Holtum als besonders heimgesucht.

In Island mit seinem reichen Schatz an Sagen und Legenden glauben nach einer Erhebung 60 Prozent der Bevölkerung an geheimnisvolle Wesen, die Plätze wie Felsen oder Hügel beanspruchen. Darauf nehmen auch die staatlichen Behörden Rücksicht wie etwa beim Straßenbau: So werden Straßen um die mystischen Plätze herumgebaut, Felsbrocken werden an andere Ort transportiert, oder es wird gewartet, bis die Naturgeister umgezogen sind.

Unheimlicher Ort

Im Fall von Holtum erzählt der weißhaarige Bauer Daniel Magnusson gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen RUV, wie er einst seinen Hund in einem eisigen Nebel verschwinden sah und wie die Kühe verrückt gespielt hätten. Gleichzeitig habe er eine große Kälte gespürt. Lange hielt es den Bauern danach nicht mehr am Hof – er verließ den unheimlichen Ort.

„Der Hügel ist vertrollt“

Olof Ros Karadottir, die Projektmanagerin des Energie-Unternehmens, zweifelt nicht an seinen Erzählungen. Sie ließ die Situation rund um das Haus klären und verkündete dann: „Der Hügel ist vertrollt, wir bauen um ihn herum.“

Berater der Regierung

Auch der 67-jährige Fridfinnsson ist kein Mitglied einer seltsamen Freikirche, sondern Pastor der lutherischen Staatskirche, der auch schon beratend in der Regierung tätig war. In dem Stall und anderen Räumen beschwor er Gott, „alles, was Schaden und Böses bewirken kann, herauszutreiben“. Abschließend erklärte er, dass er keine „Unruhe“ feststellen konnte, dies sei jedoch bei anderen Orten nicht immer der Fall gewesen.

Eine andere Autorität in solchen Fragen ist Erla Stefansdottir, Islands „Elfen-Beauftragte“, eine ältere Dame, die nach eigenem Bekunden Elfen sehen kann, von denen es 13 verschiedene Formen auf der Insel im Nordatlantik gebe. Der Titel ist nicht offiziell, allerdings wird auch sie bei Bauprojekten zu Konsultationen herangezogen. Sie kämpft für die friedliche Koexistenz zwischen Naturgeistern und Menschen.

Der Glaube an Elfen zeigt sich auch an den kleinen Häuschen in den Gärten der Isländer, die den Wesen angeboten werden, falls sie durch den Hausbau von ihrem Platz vertrieben sein sollten.

 

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