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Politik Ausland
03/21/2021

Warum Marokko die EU beim Impfen meilenweit abhängt

Vor einigen Monaten mahnte die EU "Impfstoff-Solidarität" ein, jetzt will man vorerst keine Vakzine spenden. Marokko dürfte das egal sein.

von Armin Arbeiter

Marokko 6,6, Europäische Union 3,8. Das ist der jeweilige Prozentanteil der Bevölkerung, die vollständig gegen Corona geimpft ist.

"In dieser Corona-Krise gilt es, sich gut zu koordinieren, aber vor allen Dingen auch miteinander Solidarität zu zeigen, füreinander zu sorgen", hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Juni vergangenen Jahres gesagt. Die Solidarität und Koordination, die sie einforderte, bezog sich auf die Entwicklung und Beschaffung eines Impfstoffes.


 

Es müsse aber auch an die Nachbarn gedacht werden. Als Beispiele nannte von der Leyen Afrika und den Westbalkan. „Es muss jetzt schon überlegt werden, wie die Produktionskapazitäten für einen Impfstoff erhöht werden können, um möglichst viel zu produzieren und wie der Impfstoff in jeden Winkel dieser Welt kommt. Das ist eine Aufgabe, wo sich die Europäische Union in der Verantwortung sieht", sagte sie damals.

Das Beispiel Marokko zeigt, dass diese Aufgabe mittlerweile von anderen übernommen wird: 40 der notwendigen 66 Millionen Impfdosen bestellte das Land aus China, bei 26 Millionen setzte man auf Astra Zeneca. Aufgrund der „geringen Liefergeschwindigkeit“ ließ die Gesundheitsbehörde mittlerweile Sputnik V und Johnson&Johnson zu, um das Impftempo nicht zu gefährden.

Zurecht, wie sich am Sonntag herausstellte: "Jetzt gibt es erstmal einen ziemlichen Druck in den Mitgliedstaaten, selbst Impfstoff zu bekommen", sagte die EU-Kommissionschefin. Impfstoffe würden vorerst an keine anderen Staaten geliefert. Bisher habe die EU allerdings 2,2 Milliarden Euro an die internationale Covax-Initiative gespendet.

Während Covax, eine Initiative der WHO mittlerweile 30 Millionen Impfdosen an 52 Länder geliefert hat, sichern sich andere Staaten seit Monaten Einfluss und Macht mittels Impfstoffen. Vor allem Russland und China rittern um Afrika, errichten Impfstoff-Fabriken und Logistikzentren, haben Abkommen über Hunderte Millionen Impfdosen unterzeichnet und werden sich durch die „Impfstoff-Diplomatie“ einen noch besseren Stand am Kontinent aufbauen.

Doch auch in Europa haben beide Staaten bereits Fuß gefasst. Während chinesische Impfstoffe vor allem am Balkan eingesetzt werden, produziert Italien ab Juni sogar Sputnik V. Seit Samstag setzen italienische Krankenhäuser das Vakzin zu Testzwecken ein.

 

Selbst Indien hat sich in den vergangenen Wochen zu einer Großspendernation für Impfstoffe entwickelt, hat bereits sieben Millionen Impfstoffe an andere Staaten geliefert. Grundsätzlich ist in Südostasien zwischen China und Indien ein regelrechter Kampf darum entstanden, wer welchem Land mehr spendet.

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