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Politik Ausland
01/05/2022

Warum Biden nie Auto fährt und Putin nur mit Vorkoster verreist

Biden darf nicht Auto fahren und Kim Jong-un achtet penibel auf die Körpergröße seiner Bodyguards. Welchen Sicherheitsvorschriften Politiker unterworfen sind.

von Caroline Ferstl

Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland ist im vergangenen Jahr eine "gefährliche Mischung aus regierungsfeindlichen Akteuren entstanden", formulieren es Sicherheitsexperten: "Rechtsextremisten, Reichsbürger, Verschwörungsideologen, gewaltbereite Impfgegner" hätten mehr Personenschutz für Politiker – und neuerdings auch für Wissenschafter – notwendig gemacht. Dazu kam der Wahlkampf im Vorjahr: Über 500 Personen waren zum Schutz von Politikern im Einsatz – dem BKA zufolge deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.

Einer der am besten beschützten Politiker im Vorjahr war übrigens Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn. Er wurde aufgrund der anhaltenden Bedrohung und homophoben Anfeindungen in die höchste Kategorie der Gefährdung eingestuft. Spahn war nur noch in gepanzerten Fahrzeugen und mit Personenschutz unterwegs. Einen derartigen Schutz für einen Gesundheitsminister hat es bislang nur in Zeiten des RAF-Terrorismus gegeben.

In den USA geht der Personenschutz von Politikern so weit, dass US-Präsidenten während ihrer Amtszeit nicht mehr selbst Auto fahren dürfen – zumindest nicht auf öffentlichen Straßen. Diese Regelung ist zwar nirgends gesetzlich verankert, jedoch ist es seit Jahrzehnten gängige Praxis.

US-Präsident Joe Biden wird nur mehr im "Cadillac One", der gepanzerten Staatslimousine, chauffiert. Ex-Präsident Obama soll deswegen gerne ein paar Runden im Garten des Weißen Hauses gedreht haben, Reagan und Bush hatten große Ranches, wo sie selber gefahren sind – natürlich mit einem Secret Service Mitarbeiter am Beifahrersitz.

Trumps teurer Schutz

Als teuerstes US-Präsidentenpaar aller Zeiten gelten übrigens Melania und Donald Trump: Insgesamt sollen 600 Millionen Dollar (rund 530,5 Millionen Euro) während Trumps Amtszeit an Sicherheitskosten ausgegeben worden sein, weil etliche Familienmitglieder, die nicht im Weißen Haus lebten, ebenfalls rund um die Uhr bewacht werden mussten. Auch Trumps private Wochenendtrips in seinen Golfclub in Florida sowie seine Leidenschaft, in der Öffentlichkeit medienwirksam zu dinieren, erhöhten die Kosten beträchtlich.

Eines der dichtesten Sicherheitsnetze der Welt hat das abgeschottete Nordkorea. Die Bodyguards von Machthaber Kim Jong-un werden aus der Volksarmee des Landes rekrutiert, viele sind mit Kims Familie verwandt oder stammen aus der nordkoreanischen Elite. Sie dürfen keinesfalls größer als der Machthaber selbst, also 1,75 Meter, sein. Ob das sicherheitspolitische oder narzisstische Gründe hat, ist nicht bekannt.

Vorkoster, wie man sie vom königlichen Hof oder aus der Antike kennt, gibt es heute nur mehr selten, am häufigsten in autokratisch geführten Ländern. Etwa in Russland: Präsident Wladimir Putin soll aus Angst vor Vergiftung seinen Vorkoster auch auf Reisen mitnehmen – genauso wie eigene Reinigungskräfte und tonnenweise russisches Essen.

Mit seiner Paranoia ist Putin aber nicht allein: Beim G-20-Gipfel in Toronto 2010 sollen 900.000 Euro für das Vorkosten von Speisen ausgegeben worden sein. Wer außer Putin auf das Vorkosten bestand , ist allerdings nicht bekannt.

Neben Politikern und Wissenschaftlern stehen auch immer häufiger Führungskräfte diverser Tech-Firmen unter Personenschutz. 2020 gaben die Chefs der bekanntesten Silicon-Valley-Firmen etwa 46 Millionen Dollar dafür aus. Etwa die Hälfte davon ließ sich allein Mark Zuckerberg seine Sicherheit kosten.

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