Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Ausland
01/28/2020

Börsen-Panik: Wirkt sich das Coronavirus auf die Weltwirtschaft aus?

Experten sehen nur einzelne Branchen durch die Viren-Angst beeinflusst. In Österreich macht sich der Reise-Rückgang aus China bemerkbar.

von Thomas Pressberger, Christine Klafl, Johannes Arends

Auch wenn die Börsianer nervös sind, wird die Weltwirtschaft vom Coronavirus, das nun auch in Bayern aufgetreten ist, wohl nicht angesteckt werden, einzelne Länder und Regionen werden aber unter den Auswirkungen leiden. Vietnam und Thailand etwa müssen befürchten, dass weniger Touristen aus China kommen. Chinesen stellen in diesen Ländern mehr als ein Viertel der Urlaubsgäste.

In Österreich machte sich der Reise-Rückgang aus dem Reich der Mitte am Montagvormittag erstmals bemerkbar: Mehrere Reisegruppen hätten bei den Austrian Airlines angerufen und bereits gebuchte Flüge storniert. "Wir fangen an, das zu spüren", sagte AUA-Sprecher Peter Thier gegenüber dem KURIER.

„Weniger Touristen aus China – das könnte Hongkong den nächsten Schlag versetzen. Die Sonderverwaltungszone steckt aufgrund anhaltender Proteste ohnehin schon in der Rezession“, sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria. Auf die Ausgabenfreudigkeit chinesischer Urlauber ist auch Australien angewiesen. Bleiben sie aus, wäre das der nächste Dämpfer, weil durch die Buschbrände die Touristenzahlen schon um vierzig Prozent eingebrochen sind.

Viel hängt davon ab, wie rasch der Virus bekämpft werden kann. Die US-Ratingagentur S&P sagt jedenfalls, dass Chinas Wirtschaftswachstum im ersten Quartal um einen Prozentpunkt gedämpft werden könnte. Auf Jahressicht hieße das: Statt der angepeilten 5,8 Prozent wären es nur 4,6 Prozent Wachstum, viel zu wenig für ein Schwellenland, das mehr Wohlstand erreichen will. „Der Effekt auf die Konjunktur wird aber meist überschätzt“, dämpft Rosen-Philipp allzu große Ängste.

Stillgelegte Produktion

Auch Peter Brezinschek, Chefökonom der Raiffeisen Bank International, kann die Hysterie nicht ganz verstehen. Für die Wirtschaft schlecht wäre es allerdings, wenn China noch weitere Städte und Provinzen abriegeln müsste. Dann könnten unzählige Produktionen stillgelegt sein, weil die nötigen Komponenten nicht geliefert werden können.

Zur Erinnerung: Durch den Ausbruch der Lungenkrankheit SARS im Jahr 2003 ist die Wirtschaft in Ost- und Südostasien um 0,6 Prozentpunkte weniger gewachsen als erwartet. Zu damaligen Preisen waren das 18 Milliarden US-Dollar. Damals hatte es rund 800 Todesfälle gegeben.

IHS-Wirtschaftsexperte Helmut Hofer gibt ebenfalls Entwarnung. „Derzeit schaut es nicht danach aus, dass sich das Virus zu einer Pandemie entwickelt.“ Und wenn das so bleibe, dann seien die Effekte marginal. Einzelne Branchen könnten kurzfristig beeinträchtigt werden, wie Fluglinien und Reiseveranstalter.

Solange die Weltwirtschaft aber nicht spürbar negativ beeinflusst sei, werde es keine Auswirkungen auf den Ölpreis geben. Da der Ausbruch der Krankheit auf die Neujahrsfeiertage in China falle, sei die Wirtschaft bisher noch weniger betroffen. „Kurzfristige ökonomische Effekte sehe ich in Summe nicht.“

 

Touristiker rechnen jedoch sehr wohl mit einem „Knick“ bei Reisenden aus China, vor allem da die chinesische Regierung heimische Reiseagenturen anhält, keine Pauschalreisen mehr zu verkaufen. Am Flughafen Wien spürte man am Montag noch „keine Rückgänge der Passagierzahlen aus China“, wie Sprecher Peter Kleemann zum KURIER sagte. Inzwischen seien aber, wie oben bereits angeführt, die ersten Stornierungen von chinesischen Reisegruppen bei den Austrian Airlines eingegangen. Wieviele noch folgen, könne man "aktuell nicht prognostizieren".

 

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