Tag 8: Kämpfe im Libanon und Raketen über den Golfstaaten

Die Zerstörung im Libanon ist enorm. Eine Entschuldigung des iranischen Präsidenten bei den Golfstaaten zeigt den inneren Machtkampf im Iran auf.
Mindestens 41 Menschen wurden bei Israels Angriff auf Nabi Chit im Libanon getötet.

Der nächtliche Angriff mit vier Militärhubschraubern und Spezialeinheiten in der ostlibanesischen Stadt Nabi Chit im Bekaa-Tal – wo sich einst die Hisbollah-Miliz gegründet hatte –, war für Israel ein persönlicher Vergeltungsschlag: Israel wollte Details über den israelischen Luftwaffennavigator Ron Arad finden, der 1986 über dem Südlibanon abgeschossen und gefangen genommen wurde. Auf dem Friedhof ist es zu heftigen Kämpfen gekommen mit mindestens 41 Toten auf Seite der Hisbollah und Bevölkerung.

Ron Arads Schicksal bewegt die israelische Öffentlichkeit bis heute. Zumal sich die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) damit rühmen, keinen Soldaten zurückzulassen – weder lebend noch tot. Gleichzeitig war der Angriff jener mit den meisten Toten im Libanon seit Kriegsbeginn vergangenes Wochenende. Insgesamt sind seit Montag bei israelischen Angriffen im Libanon mehr als 290 Menschen ums Leben gekommen.

Die Hisbollah reagierte mit Angriffen auf den Norden Israels. Im Südlibanon gab es Angriffe auf die dort stationierte UN-Mission UNIFIL – wo nach wie vor österreichische Soldaten stationiert sind. Drei ghanaische Soldaten wurden schwer verletzt. Deutschland hat den Angriff verurteilt, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron telefonierte mit dem libanesischen Präsidenten. Der Libanon beschuldigte Israel, eine offizielle Bestätigung gibt es nicht.

US-Präsident Donald Trump verschärfte seine Drohungen: Der Iran werde "sehr hart getroffen", ja "in die Hölle geprügelt" werden, schrieb Trump auf Truth Social. Die US-Streitkräfte wollen innerhalb von drei Tagen 42 Schiffe der iranischen Marine zerstört haben, laut Israel wurden 16 Flugzeuge der  Quds-Einheit der Revolutionsgarden, die für Auslandseinsätze zuständig ist, zerstört.

Der Iran wiederum wirft den USA vor, eine Entsalzungsanlage angegriffen zu haben.

Präsident Masoud Pezeshkian, Teil der dreiköpfigen Übergangsführung, hat sich für die Luftangriffe auf die Golfstaaten entschuldigt – und versprochen, dass, sofern von deren Territorium keine Attacken erfolgten, die Angriffe aufhören würden. Kritik kam von extrem konservativen Abgeordneten und Politikern. Hardliner warfen ihm vor, Schwäche zu zeigen, den nationalen Stolz zu verletzen und dem Land zu schaden.

Ein Sprecher der iranischen Streitkräfte revidierte: Angriffe auf US-Einrichtungen würden fortgesetzt. Die Macht im Iran ist umkämpft: Die Golfstaaten meldeten kurz danach erneut, Raketen und Drohnen abgewehrt zu haben.

Trauer in Teheran um ein bei den Angriffen getötetes Kind.

Trauer in Teheran um ein bei den Angriffen getötetes Kind.

Patriots werden knapp

Dürften die Angriffe weitergehen, würde die Abwehr der Raketen auf Dauer zum Problem werden. Die Golfstaaten bemühen sich um Vermittlungen. Sie sehen die wirtschaftliche Entwicklung, ihren Ruf als "Offshore-Finanzplatz" gefährdet, wollen so schnell wie möglich zum Vor-Kriegs-Status zurück – die Fluggesellschaft Emirates hat am Samstag vergeblich versucht, den Betrieb von und nach Dubai wieder aufzunehmen. Die meisten Monarchien verwenden Raketenabwehrsysteme aus den USA, genauso wie die Ukraine. "Die VAE, Saudi-Arabien, Bahrain – sie alle verwenden Patriot-Flugabwehrsysteme, sind besonders abhängig davon und von Nachschub. Das müssen wir im Auge behalten", so der ehemalige General Joseph L. Votel gegenüber Journalisten.

In den ersten Tagen des Krieges sollen allein die Golfstaaten rund 800 Patriots verschossen haben, Israel und die USA mindestens genauso viele. Den Umfang ihrer Vorräte halten die Staaten geheim, so der General, doch vor allem die USA betonen, man habe genügend „um das zu tun, was zu tun ist“.

Der Präsident der VAE, Mohamed bin Zayed al-Nahyan, der öffentlichkeitswirksam durch die leere Dubai Mall spazierte, um die Sicherheit im Land zu propagieren, bescheinigte in seinem ersten Statement seit Kriegsbeginn: "Die VAE haben ein dickes Fell und sind zäh – wir sind keine leichte Beute."

Rauch über dem Dubai International Airport am 7. März 2026.

Rauch über dem Dubai International Airport am 7. März 2026.

Wird Europa zur Kriegspartei?

Nach dem Drohnenangriff auf Zypern am Montag ist die Sorge in Europa groß: Eine Drohne iranischer Bauart, wohl von der Hisbollah-Miliz aus dem Libanon abgefeuert, hatte den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri getroffen.  Rom verlegte daraufhin ein Marineschiff in die Richtung der Mittelmeerinsel, Athen hat F-16-Kampfjets und Luftabwehrsysteme entsandt, Paris einen Flugzeugträger, London Hubschrauber zur Drohnenabwehr. Auch die Türkei erwägt den Einsatz von F-16-Kampfflugzeugen in Zypern, Ankara reklamiert den Norden der Mittelmeerinsel für sich.

Nach dem Raketenangriff auf den türkischen NATO-Luftwaffenstützpunkt İncirlik treffen, wo rund 1.500 US-Soldaten stationiert sind, hat die NATO die Flugabwehr an der Südflanke deutlich verstärkt. Trotzdem beruhigte NATO-Generalsekretär Mark Rutte: Niemand glaube, dass sich die NATO am Krieg beteiligt werde. Der Bündnisfall wurde nicht einberufen, die Türkei bemüht sich um Vermittlung im Krieg. Außerdem: Einem Bündniseinsatz müssten alle Mitgliedstaaten zustimmen.

Zwar haben Deutschland, Frankreich und Großbritannien dem Iran mit militärischen Reaktionen gedroht, sollten Stützpunkte oder Soldaten angegriffen werden (Deutschland hat rund 500 im Irak und Jordanien stationiert). Die europäische Polizeibehörde Europol warnt aber vielmehr vor Terrorismus und "gewalttätigem Extremismus" auf europäischem Boden sowie Cyberangriffen und Desinformationskampagnen.

Sicherheitsexperten Peter Neumann vom Londoner King’s College zufolge habe es seit 2018 elf Anschlagsversuche des Irans in Europa gegeben – gegen Dissidenten, jüdische Einrichtungen und israelische Botschaften. Darauf müsse sich Europa – und Österreich – vorbereiten.

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