Warum der Iran-Krieg zum großen Problem für die Ukraine wird

Der Verbrauch amerikanischer Luftabwehrraketen im Iran ist massiv - Kiew bekommt das zu spüren, weil die Lieferungen ausfallen.
Start einer Patriot-Luftabwehrrakete

Von Timo Buchhaus

“Wir haben einen praktisch unendlichen Vorrat an Waffen”, postete Donald Trump am Montag auf seiner Online-Plattform Truth Social. Gemeint sind damit die US-Vorräte an Munition, ballistischen Raketen und Luftabwehrraketen. Die Zahlen sagen aber etwas anderes: Demnach dürfte im Krieg der USA und Israels gegen den Iran gerade ein erheblicher Teil des amerikanischen Arsenals verschossen werden. Sollte der Krieg lange dauern, könnte das für die Ukraine, aber auch Europa und andere Staaten, die von US-Waffenlieferungen abhängig sind, zu einem Problem werden. 

Entgegen Trumps Darstellung ist selbst das Waffenarsenal der USA begrenzt. Das ist vor allem bei den weitreichenden Waffen sichtbar. Der Tomahawk-Marschflugkörper hat eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern, kann Land- und Seeziele angreifen und ist ein wichtiger Bestandteil des US-Arsenals. Er wird auch von europäischen Staaten genutzt, derzeit aber nur in den USA produziert. 

Tomahawk-Marschflugkörper wird von See aus gestartet

Tomahawk-Marschflugkörper wird von See aus gestartet

Vor dem Krieg gegen den Iran besaßen die USA etwa 4000 Tomahawks. Allein in den ersten drei Tagen des Angriffs verschossen die USA 400 Stück - also rund 10 Prozent des Arsenals. Derzeit können etwa 70 Tomahawks pro Jahr gebaut werden. Leer geschossene Vorratslager lassen sich nur langsam wieder auffüllen. 

Noch schwerer dürfte aber der immense Verbrauch von Luftabwehrraketen wiegen. Bei den iranischen Angriffen auf die Militärbasen und Verbündeten der USA wurden bereits hunderte davon verwendet. Der Iran schoss bisher mehr als 500 ballistische Raketen auf die Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Qatar. Sie alle nutzen das amerikanische Patriot-Luftabwehrsystem, das Abfangraketen dazu nutzt, feindliche Flugobjekte in der Luft zur Explosion zu bringen. Um eine einzige ballistische Rakete abzufangen, werden in der Regel mindestens zwei Patriot-Luftabwehrraketen gebraucht. Der Verbrauch ist also hoch. 

Für die Abwehr von ballistischen Raketen sind Luftabwehrsysteme wie Patriot notwendig

Vor dem Krieg gegen den Iran besaßen die USA etwa 2000 Patriot-Raketen. Damit müssen sie nicht nur die eigenen Militärbasen schützen, sondern auch ihren Verbündeten aushelfen. Allein die amerikanische Armee dürfte in wenigen Tagen Krieg aber bereits hunderte von Patriots abgefeuert haben. Zuletzt wurde berichtet, dass die Vorräte der Verbündeten in der Region bereits stark angeschlagen sind. Die USA werden daher bald Nachschub liefern müssen. 

Ukraine ist direkt betroffen

Für die Ukraine ist das ein Problem, denn auch sie benutzt das amerikanische System. Russland führt täglich Luftschläge gegen zivile Infrastruktur durch. Es setzt dabei einen Waffenmix aus Langstreckendrohnen - wie der iranischen Shahed - und ballistischen Raketen ein. Diesen Winter erreichten die Angriffe eine neue Stufe der Intensität. Allein im November 2025 setzte Russland 270 ballistische Raketen ein. Die Ukraine dagegen ringt um jede Lieferung neuer Patriots. Der Nachschub bleibt aber spärlich. 

Ukrainian President Volodymyr Zelenskiy visit to a military training area

Seitdem die USA die Militärhilfen an die Ukraine aufgekündigt haben, ist die Unterstützung bei der Neubeschaffung von Waffen und Nachschub gänzlich in der Verantwortung europäischer Staaten. Durch das PURL-Programm der NATO werden der Ukraine in regelmäßigen Abständen 500-Millionen-Euro-Pakete an militärischen Gütern zur Verfügung gestellt. Diese stammen zwar noch immer zum großen Teil aus den USA, nur müssen Europa und die Ukraine nun dafür zahlen. Der Munitionsnachschub für die Luftabwehrbatterien ist dabei die höchste Priorität. Stehen sie leer, sind Millionenstädte dem russischen Bombardement schutzlos ausgeliefert. 

Russland bombardiert täglich ukrainische Städte

Sollte der Krieg im Iran lange dauern, könnte das durch den erhöhten Bedarf zu Engpässen führen. Wenn die USA ihre Waffen nicht verkaufen, weil sie selbst Krieg führen, schwächt dass die Versorgungslage aller Nutzerstaaten. Auch europäische Staaten - etwa Deutschland, Spanien und Polen - nutzen das System und sind von den USA abhängig. Die eigenen Produktionskapazitäten für heimische Systeme sind zu niedrig, um den Bedarf zu decken. Die Konkurrenz um Luftabwehrraketen wird durch den Krieg gegen den Iran nur noch höher. Zuletzt planten die USA ihre Produktionsrate auf 2.000 Stück Patriot-Luftabwehrraketen pro Jahr zu erhöhen. 

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