"Kein endloser Krieg": USA nennen drei Kriegsziele
Zusammenfassung
- USA und Iran kündigen Ausweitung gegenseitiger Angriffe an, US-Botschaften evakuiert, Drohnenangriffe auf US-Einrichtungen im Nahen Osten.
- US-Kriegsziele: Zerstörung der iranischen Raketenbedrohung, Marine und Verhinderung von Atomwaffen; zahlreiche Angriffe auf iranische Ziele, hohe Opferzahlen.
- Regionale Eskalation mit Angriffen auf Golfstaaten, versehentliche Abschüsse von US-Kampfjets, internationale Sorge vor Flächenbrand und wirtschaftlichen Folgen.
Drei Tage nach Beginn der massiven israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran hat US-Präsident Donald Trump eine weitere Verstärkung der Attacken angekündigt. "Die große Welle kommt bald", sagte er dem Sender CNN.
Unterdessen haben die USA ihre Staatsbürger zur sofortigen Ausreise aus mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten aufgerufen. Die US-Botschaft in Jordaniens Hauptstadt Amman wurde geräumt. Die US-Botschaft in Saudi-Arabien wurde mit Drohnen angegriffen.
Er gehe von etwa vier bis fünf Wochen Krieg aus, sagte Trump. Notfalls könne es aber auch länger dauern. Trump bekräftigte, die Operation werde mit "unerbittlicher Entschlossenheit" fortgesetzt. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen auch US-Territorium zu treffen.
USA nennen drei Kriegsziele
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat Befürchtungen entgegen, es könne ein langer Krieg wie im Irak werden. "Dies ist kein endloser Krieg", sagte Hegseth. Die USA gehen ihm zufolge mit einem klaren Fokus in den Krieg: "Die Raketenbedrohung zerstören, die Marine zerstören, keine Atomwaffen." Ob für die Zerstörung der Atomanlagen auch Bodentruppen eingesetzt werden sollen, blieb unklar. Ausdrücklich ausschließen wollte Trump das nicht.
Das US-Militär traf seit Beginn seines Einsatzes am Samstag mehr als 1.250 Ziele im Iran. Außerdem seien elf iranische Schiffe zerstört worden, teilte das Zentralkommando der Armee in einer separaten Erklärung mit. Wie CENTCOM auf X weiter informierte, hat die iranische Führung keine Schiffe mehr im Golf von Oman. Vor zwei Tagen seien es noch elf Schiffe gewesen, hieß es in dem Post weiter.
Rubio: Israel hat US-Angriffe ausgelöst
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den Angriff auf den Iran mit dem angeblichen Bau neuer Bunker zum Schutz der iranischen Raketen- und Atomprogramme gerechtfertigt. "Der Grund, warum wir jetzt handeln mussten", sei, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen und seiner Raketenarsenale im vergangenen Jahr mit dem Bau "neuer Anlagen, unterirdischer Bunker" begonnen habe, sagte Netanjahu dem US-Sender Fox News. Das Raketen- und "Atombombenprogramm" wäre "innerhalb von Monaten" unangreifbar gewesen.
US-Außenminister Marco Rubio hat den Beginn der US-Angriffe gegen den Iran auf Angriffspläne Israels zurückgeführt. "Wir wussten, dass es ein israelisches Handeln geben würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf US-Streitkräfte nach sich ziehen würde, und wir wussten, dass wir, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgingen, bevor sie diese Angriffe starteten, höhere Verluste erleiden würden", sagte Rubio am Montag (Ortszeit) vor Journalisten im US-Kapitol.
Teheran hatte Rubio zufolge seinen Streitkräften den Befehl erteilt, im Falle eines Angriffs gegen den Iran automatisch US-Truppen anzugreifen. "Wenn wir dagestanden und auf diesen Angriff gewartet hätten, bevor wir sie trafen, hätten wir wesentlich höhere Verluste erlitten", sagte der US-Chefdiplomat. US-Präsident Donald Trump habe daher die "sehr kluge Entscheidung getroffen", gemeinsam mit Israel anzugreifen, fügte Rubio hinzu.
Rubio legte damit eine andere Begründung für die Angriffe der USA gegen den Iran vor als Trump. Dieser hatte zuvor gesagt, mit der Entscheidung zum Angriff gegen den Iran habe er die beste Möglichkeit genutzt. "Dies war unsere letzte und beste Chance zuzuschlagen, was wir gerade tun, und die unerträglichen Bedrohungen durch dieses kranke und finstere Regime zu beseitigen", sagte Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus in Washington.
US-Botschaft in Riad getroffen
Auch Teheran kündigte eine Ausweitung seiner Angriffe an. Nach eigenen Angaben feuerten die Revolutionsgarden seit Kriegsbeginn Hunderte ballistische Raketen und mehr als 700 Drohnen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion ab.
Die US-Botschaft in Riad wurde von zwei Drohnen getroffen. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium meldete ein begrenztes Feuer und Sachschäden. Nach Angaben von Insidern gab es keine Verletzten, da das Gebäude in den frühen Morgenstunden leer war. Die USA haben ihre Staatsbürger zur sofortigen Ausreise aus mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten auf gerufen. Die Warnung gilt für Bahrain, Ägypten, Iran, Irak, Israel, das Westjordanland und Gaza, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jemen.
"Das iranische Regime hat jahrzehntelang die internationale Schifffahrt im Golf von Oman schikaniert und angegriffen. Diese Zeiten sind vorbei." US-Streitkräfte würden die Freiheit der Seeschifffahrt weiterhin verteidigen.
Kritik an Partnern
Hegseth kritisierte zudem frühere Partner der USA scharf. "Fähige Partner, wie wir von Anfang an gesagt haben, fähige Partner sind gute Partner", sagte mit Blick auf Israel. Im Gegensatz dazu stehen ihm zufolge die "traditionellen Verbündeten", die sich empört geben und "beim Einsatz von Gewalt nur zögern und zaudern".
Außenminister Marco Rubio zufolge sind die Vereinigten Staaten derzeit nicht für einen Einsatz von Bodentruppen im Iran aufgestellt. Trump verfüge jedoch über entsprechende Optionen, sagte Rubio vor Reportern. Die US-Regierung gehe davon aus, dass die gesetzten Ziele auch ohne den Einsatz von Bodentruppen erreicht werden könnten. Außerdem will Rubio am Dienstag Maßnahmen zur Dämpfung der steigenden Energiepreise vorstellen. Unterdessen wächst die Sorge vor einem Flächenbrand im Nahen Osten und erheblichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Zahlreiche Todesopfer und neue Angriffswelle
In dem am Samstag begonnenen Krieg sind bereits zahlreiche Menschen getötet worden. Im Iran gab es nach Angaben des Roten Halbmonds mindestens 555 Tote. In Israel wurden zehn Menschen durch iranische Raketenangriffe getötet, Dutzende weitere verletzt. Das US-Militär teilte Montagabend mit, die Zahl der getöteten Soldaten sei von vier auf sechs gestiegen. Wie CENTCOM weiter mitteilte, dauern die Kämpfe in der Region an. Die Identität der Gefallenen werde nach der Benachrichtigung der Angehörigen noch 24 Stunden lang zurückgehalten.
Israel und die USA griffen Hunderte Ziele im Iran an. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Khamenei wurde am Samstag getötet. Am Montag seien vor allem Hauptquartiere, Basen und regionale Kommandozentren der inneren Sicherheitsorgane des "iranischen Terrorregimes" angegriffen worden, teilte die israelische Armee mit.
Golfstaaten unter Beschuss - Kampfjets abgeschossen
Die kuwaitische Luftverteidigung schoss versehentlich mehrere US-Kampfjets ab, wie CENTCOM mitteilte. Die Besatzungen hätten überlebt. Katar schoss nach eigenen Angaben zwei iranische Kampfflugzeuge ab, Kuwait meldete den Tod eines seiner Soldaten. Frankreich sagte den Golfstaaten Unterstützung zu. Man sei bereit, sich an ihrer Verteidigung zu beteiligen, sagte Außenminister Jean-Noël Barrot in Paris.
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