Vom Ende her gedacht?

Trumps Krieg gegen den Iran birgt ein enormes Risiko: Die Lage könnte außer Kontrolle geraten – dann wären die USA erst recht gezwungen, zu eskalieren.
Ingrid Steiner-Gashi
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Der letzte Waffengang, der nach Plan des Angreifers endete, war Israels Sechs-Tage-Krieg. Dieser liegt fast 60 Jahre zurück. Die Welt, die Technologie der eingesetzten Waffen und auch der Nahe Osten waren damals andere. Große Kriege, die heutzutage beginnen, enden nicht mehr nach sechs Tagen – man denke nur an Russlands Überfall auf die Ukraine oder den schrecklichen Bürgerkrieg im Sudan. Meist liegt dem die immer gleiche Fehlkalkulation zugrunde: Der Gegner wird unterschätzt oder das Ziel des Einsatzes nicht konsequent vom Ende her gedacht.

Wissen die USA, weiß Präsident Donald Trump wirklich mit unumstößlicher Klarheit, was die Angriffe auf den Iran letztendlich erreichen sollen? Vielleicht lässt sich der Mullah-Staat am Bau einer Atombombe hindern. Aber lässt sich das mit Luftschlägen alleine erreichen – und seien sie noch so gewaltig und zahlreich?

Aufbau der Nuklearwaffen

Solange auch nur Reste des Regimes im islamischen Gottesstaat überleben, wird es sich an den Aufbau von Nuklearwaffen klammern. Weil Trump nicht sicher sein kann, dass er den Iran in eine atomwaffenfreie Zukunft bomben kann, gibt er die Verantwortung kurzerhand an das iranische Volk ab. Jetzt sei die Chance, die Diktatur zu stürzen, sagt er. Damit macht es sich Trump leicht – und er baut sich auch gleich einen Fluchtweg, sollten die iranischen Gegenschläge viele Opfer auf amerikanischer Seite fordern. Sollte der Iran nach einem Ende der Angriffe in eine noch schlimmere Diktatur oder ins Chaos schlittern, dann ließe sich das bequem dem iranischen Volk anlasten, dass ja die Chance vertan hätte, sich gegen das Mordregime zu werfen.

Trump, also ausgerechnet jener Mann, der versprochen hatte, keine unnötigen US-Interventionen zu führen, unterschätzt nun das Risiko, dass ein verwundetes Diktatorenregime die gesamte Region in Brand setzen könnte. Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar, sie alle werden angegriffen. Die USA müssen nun auch ihre Verbündeten zurückhalten, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Beginnt etwa auch Saudi-Arabien, in berechtigter Selbstverteidigung gegen Teheran zurückzuschlagen? Ist er da, der große Flächenbrand im Nahen Osten? Die entscheidende Frage ist: Hat Trump all das vom Ende her gedacht?

Eskalation droht

Sollte die Lage außer Kontrolle geraten, sollten noch mehr US-Soldaten sterben, wird Trump noch härter vorgehen müssen, als er es je vor hatte. Kurz gesagt: Eskalation. Genau das wollen viele Amerikaner nicht mehr. Auch deshalb haben sie Trump gewählt. Nur rund 27 Prozent befürworten laut Umfragen den Iran-Einsatz. Aus den Kriegen in Afghanistan und dem Irak haben viele US-Bürger ihre Lehren gezogen – anders als ihre politische Führung.

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