Die dramatische Ausweitung der Kampfzone in Nahost – ein Lagebericht

An Tag drei des Waffenganges gegen den Iran traten Schiiten-Milizen im Libanon und im Irak in den Krieg ein. Auch Zypern kam unter Feuer.
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Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten nimmt immer dramatischere Ausmaße an, in der Nacht zum Montag kam es zu einer brandgefährlichen Ausweitung der Kampfzone: Die mit dem Iran verbündete Schiitenmiliz Hisbollah feuerte aus Solidarität mit Teheran aus dem Südlibanon heraus Raketen Richtung Israel. Die dortigen Streitkräfte fingen laut eigenen Angaben ein Geschoß ab, andere landeten auf offenem Gelände.

Und der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Kampfjets stiegen auf und griffen mutmaßliche Stellungen der Hisbollah im ganzen Zedernstaat an. Auch aus deren Hochburg im Süden der Hauptstadt Beirut wurden schwere Explosionen gemeldet. „Jeder Feind, der unsere Sicherheit bedroht, wird einen hohen Preis bezahlen. Wir müssen uns aber auf viele Tage langwieriger Kämpfe einstellen“, betonte der israelische Generalstabschef Eyal Zamir.

Zuvor gab es wieder Luftalarm in Israel, weil sich Geschoße aus dem Iran genähert hatten. Allein am Sonntag  starben bei solchen Attacken neun Israelis. 

Bei den israelischen Bombardements wurden bis Montagmittag mindestens 31 Menschen getötet, 149 weitere verletzt, verlauteten libanesische Behörden. Zugleich kritisierte Premier Nawaf Salam die Militäroperationen der Miliz gegen Israel. Diese würden die Sicherheit des Landes gefährden. Aus diesem Grund verbat die Regierung der Hisbollah jegliche militärische Aktivität.

Tatsächlich sollte die Miliz nach dem Krieg gegen Israel, der im November 2024 mit einer Waffenruhe endete, ihr Militärgerät abgeben. Dies geschah offenbar nicht, weshalb nur der gesamte Libanon zum Kampfgebiet wurde. 

Und das zu einem Zeitpunkt, an dem es nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran samt dessen Gegenschlägen ohnehin an vielen Orten der (weiteren) Region brennt. Hier ein Überblick:

KURIER-Infografik
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  • Iran 

    Hier setzten Israel und die USA ihre Angriffe mit sogar verstärkter Intensität fort. Laut US-Angaben   wurden bereits mehr als 2.000 Ziele im Mullah-Staat attackiert. Neben dem geistlichen und politischen Führer Ayatollah Ali Khamenei wurden zahlreiche Personen des Führungskaders getötet. Angeblich wurde auch die Anlage Natans angegriffen – sie dient zur Uran-Anreicherung. Auch Spitäler sollen getroffen worden sein. Insgesamt, so hieß es in Teheran, seien seit Beginn der Attacken mehr als 550 Menschen getötet worden, 100.000 Rettungskräfte seien landesweit im Einsatz.  Zugleich überzieht das Regime seine Nachbarn mit einem Drohnen- und Raketenhagel.

  • Vereinigte Arabische Emirate und Katar 

    Besonders im Fokus der iranischen Gegenschläge stehen die engen Verbündeten der USA in der Region, wo es auch amerikanische Militärbasen gibt. Bis Montagfrüh seien allein in den Emiraten insgesamt fast 300 ballistische Raketen und weit mehr als 700 Drohnen abgewehrt worden, teilten die Behörden mit. Doch immer wieder dringen Geschoße durch und bringen Tod und Zerstörung. Die Flughafen-Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Katar sind geschlossen, Tausende Passagiere sitzen fest.

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  • Kuwait 

    In dem Golfstaat wurden drei US-Kampfflugzeuge irrtümlich von der kuwaitischen Luftabwehr  abgeschossen. Videos zeigen Jets, die kreiselnd und in Flammen abstürzen. Die Besatzungen (insgesamt sechs Mann) konnten sich retten.  Rauchsäulen stiegen auch an der US-Botschaft auf – die Ursache dafür war  zunächst nicht bekannt. Die diplomatische Vertretung teilte jedenfalls mit, die Landsleute sollten zu Haus bleiben und nicht zur Botschaft  kommen – „es gibt eine anhaltende Bedrohung durch Raketen und Drohnen.“

A person parachutes in Al Jahra, in this still image obtained from social media video

Ein US-Kampfpilot rettet sich per Fallschirmsprung

  • Bahrain

    Hier stürzten Trümmer einer abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten einen Brand aus. Dabei starb ein Arbeiter.

  • Saudi-Arabien 

    Im Land des früheren iranischen Erzrivalen wurde eine Förderanlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco mit zwei Drohnen attackiert. Die Fluggeräte konnten angeblich abgewehrt werden, doch herabfallende Teile führten zu einem Brand, der aber offenbar wenig Schaden anrichtete.

  • Oman

    Vor der Küste des Golfstaates ist ein Öltanker von einem mutmaßlich iranischen Drohnenboot angegriffen worden. Ein aus Indien stammendes Besatzungsmitglied starb dabei.

  • Jordanien 

    Schon am Wochenende flogen iranische Geschoße in Richtung des Israel-Nachbarn.

  • Irak 

    Im Zweistromland schlugen schiitische Milizen, die mit dem Iran verbündet sind, stellvertretend für diesen zu – und zwar gleich zwei Mal: In Erbil im Norden gab es Detonationen nahe des Flughafens, auf dem US-Truppen stationiert sind. Und in Bagdad – ebenso in der Nähe des Airports – wurde ein US-Stützpunkt mit einer Drohne angegriffen. Umgekehrt bombardierten die USA Schiiten-Milizen bei Bagdad.

The entrance of RAF Akrotiri, a British sovereign base in Cyprus, which was hit by an unmanned drone overnight, causing limited damage

Der britische Militärstützpunkt auf Zypern

  • Zypern 

    Auf der Mittelmeerinsel ist klar ersichtlich, wie nahe der Krieg bereits an Europa herangerückt ist. Nach übereinstimmenden Berichten wurde die dortige britische Militärbasis offenbar von einer iranischen Drohne getroffen. Hintergrund: Das Königreich unterstützt die USA bei defensiven Operationen in deren Waffengang gegen den Iran. Verletzte gab es keine, der Sachschaden hielt sich in Grenzen. Aber immerhin liegt die militärische Einrichtung in einem EU-Staat, die Stadt Limassol nur 16 km davon entfernt. Aus Sicherheitsgründen blieben die Schulen in der Gegend am Montag geschlossen. Später gab es erneut Luftalarm.
    Ein für Montag und Dienstag geplantes Treffen der EU-Europaminister wurde wegen der Bedrohungslage zunächst abgesagt. Für Österreich wäre Ressortchefin Claudia Bauer (ÖVP) angereist. 

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