Nach Tod von Khamenei: "Mit Eliminierung einer Person ist es nicht getan"
Am Samstag starteten die USA gemeinsam mit Israel einen Militärschlag gegen den Iran. Dabei wurden unter anderem Irans Oberster Führer Khamenei und der Generalstabschef getötet. Am Montagabend war dazu die Iran-Expertin und Autorin Solmaz Khorsand zu Gast in der ZiB2 bei Martin Thür. Die Forderung von US‑Präsident Donald Trump nach einem Regimewechsel im Iran hält Khorsand derzeit für unrealistisch. Die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen ließen keine breite Protestbewegung erwarten, sagte sie.
Umsturz im Iran von innen? "Sehr schwierig"
"Ich halte es derzeit für sehr schwierig", sagte Khorsand mit Blick auf einen möglichen Umsturz von innen. Die Bevölkerung habe "bis vor einigen Monaten einen Massaker erlebt", mit Zehntausenden Toten und Tausenden Inhaftierten. Viele säßen in Untergrundgefängnissen, "wo wir jetzt auch nicht wissen, was mit denen in diesem Krieg passiert". Unter diesen Umständen könne sie sich nicht vorstellen, "dass unter den derzeitigen Bedingungen sich eine Protestbewegung auf den Straßen finden wird".
Den Tod von Khamenei bezeichnete Khorsand als realpolitisch extrem bedeutsam. Zwar gebe es Erleichterung in Teilen der Bevölkerung, doch die Macht sei im Iran nicht auf eine Person beschränkt. "Mit der Eliminierung einer Person ist es nicht getan im Iran", so Khorsand. Anders als in anderen autoritären Systemen gebe es "ganz verschiedene Machtblöcke".
Pahlavi "einer der Führungsfiguren"
Der derzeitige Übergangsmechanismus habe nur eingeschränkte Befugnisse. "Ich würde behaupten, dass die reale Macht derzeit eher bei den Revolutionsgarden liegt", sagte Khorsand. Diese hätten sich seit dem Iran‑Irak‑Krieg schrittweise einen "Staat im Staat" aufgebaut.
Die Opposition bleibe trotz Annäherungen zersplittert. Hoffnungsträger Reza Pahlavi sei "einer der Führungsfiguren", sagte Khorsand, äußerte aber deutliche Vorbehalte. Sie sehe bei seinen Anhängern "sehr autoritäre, wenn nicht sogar faschistische Züge" und halte ihn nicht für eine integrative Figur.
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