Die Geldquellen des Iran: Wie das Regime seinen Krieg finanziert

Der Mullah-Staat ist massiv sanktioniert, Geld fließt dennoch – dank Öl, Kryptos und mancher Golfstaaten. Doch das könnte nun bald vorbei sein.
Mehrere Soldaten in unterschiedlichen Uniformen und Ausrüstungen stehen in Reihen auf einer Straße unter blauem Himmel.

Kein Land der Welt sei so stark sanktioniert wie der Iran, heißt es immer. Schon seit der Revolution 1979 haben die USA das Land mit Strafmaßnahmen belegt, später zogen die UNO und Europa nach, und seit zehn Jahren ist die Islamische Republik komplett vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Dennoch schafft es das Regime noch immer, den Staat am Laufen zu halten – und es investiert jährlich Milliarden Dollar in Aufrüstung. Wie geht das?

Eine Antwort lautete bisher: über treue Verbündete. Der Iran ist ein Rohstoffgigant, sitzt auf neun Prozent der globalen Ölreserven, bei Gas sind es sogar 17 Prozent. Da die Mullahs ihre an sich teuren Güter aber dank der Sanktionen nicht über herkömmliche Wege verkaufen können, machen sie das verschleiert.

Reger Tauschhandel

China, das dem Iran zuletzt rund 90 Prozent seiner Energieexporte abnahm, bezahlt das zu Dumpingpreisen verkaufte Öl oft indirekt – etwa in Form von Investitionen. Viele große Bauprojekte im Iran wurden von chinesischen Unternehmen umgesetzt. Auch Indien und die Türkei sollen in der Vergangenheit auf ähnliche Weise Geschäfte gemacht haben – ein klassischer Tauschhandel.

Derzeit jedoch profitiert Teheran von diesem System kaum. Durch die Sperre der Straße von Hormus hat sich der Iran kurzfristig selbst die wichtigste Einnahmequelle abgeschnitten. Unsicher ist damit auch die Zukunft jener Netzwerke, die den Transport des Öls organisiert haben. Seit Jahren wird es von falsch deklarierten und oft unversicherten Tankern um die Welt verschifft.

Damit verdienen inzwischen ganze Firmendynastien in Teheran gutes Geld. Ihr Know-how haben sie sogar exportiert. Seit der Invasion in der Ukraine nutzt auch Russland ähnliche Methoden, um seine Rohstoffe zu verkaufen – teils mit Tankern aus dem Iran. Putins Gegenleistung erfolgt jedoch nicht in Form von Gütern, sondern in Form von Informationen; Russland versorgt den Iran mit Geheimdienstdaten.

Druck aus den Emiraten

Während China und Russland dem Iran zumindest diplomatisch zur Seite stehen, droht Teheran nun ein anderer wichtiger Partner verloren zu gehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben dem Regime offen gedroht, sollte das Bombardement gegen sie nicht eingestellt werden. Das wäre für das Regime ein harter Schlag, denn die VAE gelten seit Jahren als Finanzdrehscheibe für den Iran. Über die Emirate dürfte es dem Iran gelungen sein, den Ausschluss vom internationalen Zahlungssystem SWIFT zumindest teilweise zu umgehen.

Das haben die VAE zwar immer dementiert. Nun drohen die Emirate dem Iran aber, dessen Zugang zur Weltwirtschaft abzudrehen, schreibt das Wall Street Journal. Sie planen, Vermögen iranischer Schattenfirmen einzufrieren, die über die Emirate internationalen Handel betreiben. Auch lokale Wechselstuben, die über das sogenannte Hawala-System Geld in den Iran transferieren, sollen geschlossen werden. Das informelle Transfersystem funktioniert über persönlichen Kontakt per Code und kommt ohne physische Geldbewegung aus. Für den Iran ist es eine zentrale Säule des Finanzsystems.

FILE PHOTO: The second Aframax-sized oil tanker sold to Venezuela is seen in Bushehr coast

Ein Schiff der Schattenflotte

Ziel sind die Revolutionsgarden

Ins Visier geraten damit vor allem die 200.000 Mann starken Revolutionsgarden. Die Elitetruppe kontrolliert im Iran einen Gutteil der Wirtschaft und soll erhebliche Vermögen in den Emiraten geparkt haben, auch viele Auslandsgeschäfte wurden über dort abgewickelt. Zuletzt sollen die Mullahs den Garden sogar einen großen Teil des Öl- und Verteidigungsgeschäfts übertragen haben. Sollten die Emirate hier tatsächlich eingreifen, träfe das Teheran empfindlich.

Auch für die Emirate selbst wäre der Schritt eine massive Kursänderung. Um sich als Finanzplatz zu etablieren, hießen die VAE in den letzten Jahren Kapital jeder Art willkommen – auch solches mit unklarer Herkunft. Nach der russischen Invasion der Ukraine waren die VAE deshalb auch ein sicherer Hafen für Putins Banker.

Seit 2022 macht der Westen bereits massiv Druck auf die Emirate, sich von diesem Kurs zu verabschieden; NGOs unterstellten der Golf-Föderation gar Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Auch Irans Verbündete Hamas und Hisbollah sollen ihre iranischen Zuschüsse über die VAE erhalten haben.

Große Krypto-Industrie

Noch schwieriger abzuwürgen als die Geldflüsse aus den Golfstaaten sind jene, die sich der Iran über Kryptomining verschafft. Die Islamische Republik gilt als einer der großen Player im Kryptogeschäft, der Anteil des Irans an der globalen Produktion beträgt nach Schätzungen bis zu fünf Prozent. Das liegt daran, dass Teheran Bitcoins als Ausweg aus dem Sanktionsregime nutzt: Das Regime hat Mining 2019 als Industrie legalisiert, seither können Firmen per Lizenz Bitcoins schürfen – sie müssen sie dann allerdings an die Zentralbank weiter verkaufen. Über diese Bitcoin-Reserven finanziert der Staat teils seine Importe.

Da der Strompreis im Iran dank massiver staatlicher Subventionen sehr niedrig ist, ist das Land einer der günstigsten Orte der Welt für Mining. Das massive Schürfen hat aber auch Konsequenzen für die Bevölkerung, hat bereits zu Stromkrisen und Blackouts geführt – das Schürfen verbraucht enorme Energiemengen.

Genau hier könnten nun die Strategen Israels und der USA ansetzen. Berichten zufolge sollen bei den Luftangriffen nun gezielt die iranischen Bitcoin-Mining-Farmen ins Visier genommen werden.

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