Die USA greifen den Iran mit seinen eigenen Waffen an

Die US-Armee hat Irans Shahed-Drohne nachgebaut. Nun setzt sie die Waffe ein, um den Iran zu bombardieren.
Explosion in einem Containerhafen im iranischen Bandar Abbas

von Timo Buchhaus

Die iranische Shahed-Drohne hat die Kriegsführung verändert. Im Krieg gegen die Ukraine hat Russland sie zu einer seiner wichtigsten Waffen gemacht. Die USA haben die Drohne nun nachgebaut.

Die iranische Einweg-Drohne besteht aus einfachen Materialien: Holz, Papier und Kunstharz. Hinten ist ein Propeller und vorne ein bis zu 50 Kilogramm schwerer Sprengkopf. Im Vergleich zu Millionen Dollar teuren Raketen und Marschflugkörpern ist sie spottbillig: Zwischen 30.000 und 50.000 Dollar kostet eine Shahed. Die Einsatztaktik ist simpel: Überwältigung der Luftabwehr durch Massenangriffe.

Neue Taktik der US-Armee

Nun haben auch die USA ihre eigene Version der Kamikaze-Drohne gebaut – die LUCAS-Drohne. Sie ist ein Nachbau der iranischen Shahed. Ihren ersten großen Einsatz flog sie ausgerechnet im US-israelischen Krieg gegen den Iran.

Eine Grafik der iranischen Kamikazedrohne Shahed 136 mit Größenvergleich und technischen Daten.

Die USA dürften wohl an abgestürzte Shaheds – die seit einigen Jahren von Russland und dem Iran eingesetzt werden – gekommen sein und sie erfolgreich rekonstruiert haben. Die LUCAS-Drohne basiert auf den gewonnenen Kenntnissen.

Die neue Drohne ist der iranischen Originalversion sehr ähnlich. Dennoch gibt es ein paar technische Unterschiede. Sie ist leichter, hat eine kürzere Reichweite von etwa 800 Kilometern und mit 18 Kilogramm auch einen kleineren Sprengkopf. Dafür ist sie mit neuester KI und autonomer Navigation ausgestattet. Sie soll auch dazu in der Lage sein, in koordinierten Drohnenschwärmen anzugreifen.

Der Industriekrieg

Die strategische Bedeutung von billigen Kamikaze-Drohnen ist enorm. Spätestens Russlands Krieg gegen die Ukraine hat das Zeitalter der Drohnen eingeleitet. In dem ist es möglich - ohne dabei teures Equipment zu riskieren - die Luftabwehr ganzer Staaten zu überwältigen und den Krieg weit ins Hinterland des Kontrahenten zu verlagern.

Langstreckendrohnen können tief ins Hinterland eindringen

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Russland nutzt das, um ukrainische Städte zu terrorisieren. In gewaltigen Luftangriffen an denen zum Teil Hunderte Drohnen beteiligt sind, wird die ukrainische Luftabwehr schlichtweg überfordert.

Auch der Iran nutzt die Kosteneffizienz der Drohnen voll aus, um Vergeltungsschläge auf Israel und die arabischen Verbündeten der USA durchzuführen. Auch wenn ein Großteil der iranischen Drohnen abgefangen wird: Der industrialisierte Krieg folgt einer Logik der Zahlen. So sind die Kosten für das Abfangen der Drohnen oft um ein Vielfaches höher als die Drohnen selbst. Eine Rechnung des Simson Centers in Washington ergibt Folgendes: Für 1 Dollar, den der Iran für den Bau von Shaheds ausgibt, müssen die Vereinigten Arabischen Emirate 28 Dollar ausgeben, um die Drohne abzuwehren.

Die Shahed ist einfach zu bauen und könnte dem Iran ermöglichen, den Krieg fortzusetzen, selbst wenn die Vorräte an ballistischen Raketen lange aufgebraucht sind. 

Plan der US-Streitkräfte

Die USA nutzen die Drohne, um eine gewaltige Luftoperation gegen den Iran zu führen. Das US-Central-Command im Nahen Osten plant bereits Infrastruktur für künftige, große Drohnengeschwader in der Region.

Nach Angaben des US-Militärs sind ausschließlich militärische Ziele im Visier der Luftoperation. Trotzdem häufen sich die zivilen Opfer. In nur wenigen Tagen Krieg haben bereits mehr als 1.000 Zivilisten im Iran ihr Leben verloren. 

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