Gefahr aus der Luft: So will der Staat gefährliche Drohnen vom Himmel holen
Symbolbild
Drohnen, die europäische Flughäfen lahmlegen oder über Kernkraftwerken in Belgien beängstigende Kreise ziehen. Auch der Absturz einer fehlgeleiteten russischen Drohne mitten in einem Park in Zagreb ist ein Szenario, dass der österreichischen Politik und den Sicherheitsbehörden zunehmend Sorge bereitet.
Im Rahmen der „gesamtstaatlichen Drohnenabwehr“ feilen das Innen-, Verteidigungs- und Verkehrsministerium zusammen mit der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst und zahlreichen Partnern aus der Wirtschaft seit geraumer Zeit an Konzepten und Lösungen, der Gefahr am Himmel über Österreich mit den dafür nötigen Mitteln entgegenzutreten.
"Wir starten nicht bei null"
Am Donnerstag fand dazu ein Expertengipfel im Beisein von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Innenminister Gerhard Karner (beide ÖVP) und Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) in Wien statt. Die politisch Verantwortlichen erhielten einen Zwischenbericht über den Fortschritt des Projekts „gesamtstaatliche Drohnenabwehr“.
„Wir starten nicht bei null. Die Polizei hat seit zehn Jahren Systeme für die Drohnenabwehr und auch die Armee ist entsprechend vorbereitet“, erklärt der Koordinator des Drohnenabwehr-Projekts und Leiter der Direktion Spezialeinheiten im BMI, Bernhard Treibenreif.
Polizei und der Staatsschutz können aktuell auf drei mobile Drohnen-Abwehreinheiten der Cobra zurückgreifen, die in Wien, Innsbruck und Graz im Bundesland verteilt sind. „Zuletzt hatten wir 80 Anforderungen im Jahr, beispielsweise zum Schutz bei Großveranstaltungen“, sagt Treibenreif.
14 unbekannte Drohnen beim Skiweltcup
Beim Skiweltcup-Spektakel in Kitzbühel im Jänner wurden 14 unbekannte Drohnen von den DSE-Einheiten „gejammt“ (Funkverbindung gestört) und acht Objekte von den Einsatzkräften vom Himmel geholt.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Innenminister Gerhard Karner (beide ÖVP) und Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ)
In diesem Fall wurde keine der Drohnen für kriminelle Zwecke eingesetzt, aber das kann auch anders sein, so Treibenreif. Besonders der Schutz kritischer Infrastruktur wie Flughäfen oder Energieversorgungszentren ist auf Grund der weltweiten Bedrohungs- und Sicherheitslage in den Fokus der Sicherheitsbehörde gerückt.
Aktuell sind zwei neue Drohnen-Abwehrsysteme (Kostenpunkt rund 5 Mio. Euro) von neuestem Standard in Beschaffung. Der Ankauf wird von der EU gefördert.
Von Hobbypiloten bis zu Terror-Absichten
„Wir haben europaweit eine veränderte Bedrohungslage. Die Bandbreite reicht vom unbedarften Hobby-Drohnenpiloten über Drohnen, die für terroristische Zwecke eingesetzt werden, bis hin zur militärischen Bedrohung“, sagt Militärstratege Oberst Markus Reisner.
Ortet das österreichische Luftraumüberwachungssystem Goldhaube ein unbekanntes Luftobjekt, dass nach Österreich eindringt, würden auch im Fall von Drohnen die Eurofighter starten oder andere Abfangszenarien gestartet werden. Auch das Heer bekommt demnächst im Rahmen der Beschaffungsinitiative neueste Drohnen-Abwehrtechnik.
Zwischenbilanz zur Drohnenabwehr in Österreich.
„Unsere Experten haben schon vor langer Zeit vorausgesehen, dass das Thema eines ist, mit dem wir uns intensiv beschäftigen müssen. Nicht nur die Sicherheitsressorts, es ist vielmehr ein gesamtstaatliches Thema“, spricht Tanner die unzähligen Betreiber von Standorten kritischer Infrastruktur an, die betroffen sein können. Deshalb erfolge im Rahmen des Projekts auch eine enge Vernetzung mit der Wirtschaft.
Gefahr von enormen finanziellen Schaden
Neben der Gefahrenkomponente können Drohnenangriffe vor allem auch die Wirtschaft stören und damit enormen finanziellen Schaden verursachen, meint Staatssekretär Jörg Leichtfried im Rahmen des Gipfelgesprächs. „Besonders im Bereich der Technik und der Rechtslage gilt es deshalb einiges zu tun.“
Weil handelsübliche Drohnen immer leichter und gleichzeitig leistungsstärker werden, plant die Regierung die Gewichtsgrenzen und Größenlimits für die Registrierungspflicht hinabzusetzen. Dies würde jeden privaten Drohnenpiloten betreffen. „Registrierte Drohnen sind Geräte, die technisch nicht in der Lage sind, in Flugverbotszonen einzudringen. Das wäre schon ein großer Fortschritt“, erklärt Leichtfried.
Die nächste große Herausforderung in Sachen Drohnenabwehr wird der Eurovision Song Contest (ESC) in Wien, wie alle Beteiligten betonen. Auf Grund der Größe und Bedeutung des Events, wird in Sachen Drohnenabwehr alles aufgeboten, „was unsere Behörden zu bieten haben“, hieß es dazu am Donnerstag.
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