Influencer-Propaganda nach Iran-Angriffen: Dubai bangt um seine Marke

Die iranischen Angriffe sind für die Golfstaaten mehr als eine Sicherheitskrise – sie sind auch ein PR-Desaster. Dubai-Influencer rühren weiter die Werbetrommel.
Scenes near Burj Khalifa, after an Iranian attack, following United States and Israel strikes on Iran, in Dubai

„Du lebst in Dubai. Hast du keine Angst?“ steht über dem Kopf der Influencerin in einem Video. Sie sitzt in einem Sportwagen, hinter ihr die Skyline der Wüstenmetropole. Dann ein Schnitt. In Zeitlupe erscheinen Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktum und sein Sohn, Kronprinz Hamdan. „Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt“, steht über ihnen in weißen Lettern, untermalt von pathetischer Musik. 

Clips wie diese findet man seit dem Wochenende auf der Social-Media-Plattform zuhauf. Währenddessen greift der Iran die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten als Vergeltung für israelische und US-amerikanische Angriffe an. 

Die bisherige Bilanz: Der Dubai International Airport, einer der wichtigsten Flughäfen der Welt, wurde ebenso getroffen wie das Wahrzeichen Burj Al Arab, das durch Trümmer abgefangener Drohnen beschädigt wurde. Im Hafen von Abu Dhabi gingen Drohnen nahe einem Kreuzfahrtschiff nieder, ein Liegeplatz in Jebel Ali geriet in Brand.

PR-Desaster für die Golfstaaten

Für die Golfmonarchie ist das mehr als eine Sicherheitskrise – es ist auch ein PR-Desaster. Über Jahre haben die Vereinigten Arabischen Emirate und umliegende Golfstaaten schließlich den Ruf kultiviert, sicherer Zufluchtsort in einer unsicheren Nachbarschaft zu sein. Die Konflikte ringsum schienen an der Glitzerwelt Dubais - Handels-, Finanz- und Tourismuszentrum des Nahen Ostens - vorbeizuziehen. Bis Samstag.

Um Investoren, Touristen und Auswanderer nicht zu verschrecken, ist man dort nun entsprechend um Schadensbegrenzung bemüht.

Das passiert einerseits bei der Verteidigung selbst: Nach offiziellen Angaben wurden von 174 ballistischen Raketen, acht Marschflugkörpern und 689 Drohnen, die bis Montagabend auf die VAE abgefeuert worden sein sollen, nahezu alle abgefangen; lediglich 44 Drohnen hätten ihr Ziel erreicht. Raketen seien keine eingeschlagen.

Das lässt man sich kosten: Laut dem US-amerikanischen Stimson Center soll die Flugabwehr mit Patriot-Raketen in den Emiraten allein in den ersten zwei Angriffstagen bis zu 2,2 Mrd. US-Dollar gekostet haben. Demgegenüber werden die iranischen Angriffe auf rund 360 Millionen Euro geschätzt.

Internet-Zensur

Parallel dazu kontrollieren die VAE-Behörden die Informationslage strikt. Berichte über schwindende Munitionsbestände werden zurückgewiesen, Details zu Angriffen bleiben vage. Man spricht von „Gerüchten“ und „Informationen unbekannter Quellen“. Präsident Mohammed bin Sajid spaziert stattdessen medienwirksam durch das größte Einkaufszentrum von Dubai. Schaulustige und Influencer teilen Fotos mit ihm. 

Und auch sonst läuft die Online-Propagandamaschinerie auf Hochtouren. Beiträge verunsicherter Influencer und Promis vom Wochenende sind vielfach längst verschwunden. Stattdessen spricht man von Fake News, preist die Führung und das Raketenabwehrsystem des Landes. Nein, es gebe keinen Grund, sich unsicher zu fühlen, lautet das Mantra. Alles in bester Ordnung.

Der Hintergrund: Kritik an der Regierung ist in den Emiraten und in anderen Golfstaaten strafbar. Wer „Ruf, Ansehen oder Würde“ des Landes beschädigt, riskiert Haft und hohe Geldstrafen – daran erinnerte die VAE-Führung erst kürzlich. Fotos oder Videos von Angriffsorten, Berichte über Unsicherheit oder Panik sind entsprechend unerwünscht. Zumal viele Internetpersönlichkeiten selbst vom positiven Image der Stadt leben.

Per Privatjet aus dem Land

Auch mit demonstrativer Gastfreundschaft versucht man in den Emiraten, wo Zehntausende Reisende festsitzen, Vertrauen zu sichern. Hotels verlängerten Aufenthalte kostenfrei, der Flugverkehr läuft nach Unterbrechungen schrittweise wieder an.

Wer es sich leisten konnte, hatte das Land bereits zuvor verlassen: per Privatjet oder mit privaten Sicherheitsdiensten auf dem Landweg Richtung Riad oder Oman.

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