Iran-Lagebericht, Tag 4: Israel rückt im Libanon vor, US-Botschaften beschossen
Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
© APA/AFP/JALAA MAREY
Seit Samstag tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.
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Iran // Schwere Angriffe auf Teheran, Atomanlage beschädigt
- Israel und die USA setzten ihre Luftangriffe gegen den Iran fort. Laut israelischen Angaben seien der Präsidentenpalast in Teheran und das Gebäude des iranischen Nationalen Sicherheitsrats bombardiert worden, auch das Gebäude des iranischen Staatsrundfunks IRIB sei "angegriffen und zerstört" worden.
- Auch eine Atomanlage wurde beschädigt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beruhigte jedoch: "Es werden keine radiologischen Folgen erwartet." Die Anlage in der Stadt Natanz war bereits während des Zwölftagekriegs im Juni 2025 von Israel und den USA bombardiert worden.
- Neue Todeszahlen: Dem iranischen Roten Halbmond zufolge, einer Unterorganisation des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), sind seit Samstag bei mehr als 1.000 US-israelischen Luftangriffen 787 Menschen getötet worden.
- Abgeschnitten: Die iranische Zivilbevölkerung hat derzeit weiterhin keinen Zugang zum Internet - vermutlich, weil das Regime ihn gekappt hat.
Libanon // Israel erobert Gebiete im Süden, Beirut unter Beschuss
- Regierung gegen Hisbollah: Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam hat die militärischen Aktivitäten der Terrormiliz Hisbollah, die am Montag aufseiten des Iran in den Krieg eingestiegen war, am Abend für illegal erklärt.
- Warum das wichtig ist: Die Hisbollah kontrolliert weite Teile des Landes, sitzt mit einer eigenen Partei im libanesischen Parlament und war damit bisher offiziell geduldet.
- Beirut unter Beschuss: In der Nacht auf Dienstag bombardierte Israel erneut die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut. Diese gelten als Hochburgen der Hisbollah und werden teilweise von der Terrormiliz kontrolliert.
- Luftalarm in Israel: Am Dienstagmorgen erklärte die Hisbollah, "einen Schwarm von Angriffsdrohnen" abgefeuert zu haben. Im Norden Israels heulten frühmorgens die Luftalarmsirenen. Über Tote oder Verletzte war zunächst nichts bekannt.
- Israels Armee rückt vor: Israelische Truppen eroberten neue Gebiete im Süden des Libanon. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass seit Samstag 30.000 Libanesen aus ihren Dörfern fliehen mussten. Die UNO-Friedenstruppe UNIFIL bezeichnete Israels Vorrücken im Libanon als Bruch mit bisherigen Abkommen.
- Was will Israel damit erreichen? Verteidigungsminister Israel Katz kündigte an, dass Israel "weitere strategische Stellungen" erobern werde. Das sei "keine Bodenoffensive", so Katz, sondern eine "Verteidigungsmaßnahme" zum Schutz israelischer Städte.
Vereinigte Arabische Emirate (VAE) // Brand in Industriezone, erste Urlauber ausgeflogen
- Neue Angriffswelle iranischer Drohnen und Raketen: Laut dem VAE-Verteidigungsministerium seien etliche Flugkörper abgefangen worden. Am Dienstagvormittag stürzten Trümmerteile auf die Fujairah-Ölindustriezone im Osten des Landes und lösten ein Feuer aus. Laut Regierungsangaben wurde niemand verletzt.
- Zwei Amazon-Cloud-Computing-Rechenzentren in der Nähe von Dubai wurden von Drohnen getroffen. Ein Brand habe die Leistungsfähigkeit der Rechenzentren "signifikant eingeschränkt". Nutzer der Amazon-Clouddienste im Nahen Osten sollten Backups ihrer Daten anlegen.
- Ein erster Sonderflug der staatlichen Airline Emirates brachte einige Urlauber nach Frankfurt. Weitere Flüge Sonderflüge sollen in den nächsten Tagen starten, die Regierung der VAE übernimmt die Kosten.
- Warum das wichtig ist: In den VAE, vor allem in der Metropole Dubai, sitzen weiter Zehntausende Touristen fest. Reisende mit bestehenden Buchungen werden bei weiteren Flügen bevorzugt behandelt, heißt es.
Saudi-Arabien // US-Botschaft nach Drohnenangriff geschlossen
- Die US-Botschaft in der saudischen Hauptstadt Riad wurde von zwei iranischen Drohnen getroffen. Verletzt wurde niemand, allerdings Teile des Gebäudes zerstört, zwischenzeitlich brach ein Brand aus. Kurz darauf teilte das saudische Verteidigungsministerium mit, das acht weitere Drohnen im Großraum Riad abgefangen wurden.
- Die USA schlossen am Morgen nach dem Angriff ihre Botschaft und ordneten die Evakuierung nicht benötigter Mitarbeiter an. US-Bürger forderte die Regierung auf, in den Großstädten Riad, Jeddah und Dharan in geschlossenen Räumen zu verbleiben.
- Saudi-Aramco im Visier: Am Nachmittag meldete die saudische Regierung Drohnenangriffe auf die Stadt Dhahran. Dort hat der staatliche Ölkonzern Saudi-Aramco seinen Sitz, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.
Katar // Luftraum bleibt gesperrt
- Qatar Airways, die größte Fluglinie des Landes und eine der größten weltweit, gab an, dass ihre Flüge weiterhin ausgesetzt bleiben. Der Luftraum über Katar bleibt vorerst weiter gesperrt.
- Auch Energieexporte aus Katar sind weiterhin nicht möglich. Am Montag war eine wichtige Flüssiggas-Anlage (LNG) von einer Drohne getroffen worden, sie blieb auch am Dienstag geschlossen.
Oman // Wieder Drohnenangriff auf Hafenstadt Duqm
- Drohnenangriff: In der südöstlichen Hafenstadt Duqm schlug eine iranische Drohne in einem Treibstoffspeicher ein. Verletzt wurde dabei niemand. Anschließend sah sich das iranische Militär zu einer Erklärung genötigt, dass es "keinerlei militärische Aggression gegen den freundlichen Nachbarn Oman" ausgeübt habe.
- Warum das wichtig ist: Es ist bereits der zweite Drohnenangriff auf den Oman, dessen Regierung bei den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA eigentlich als Vermittler fungierte.
Bahrain // US-Luftwaffenbasis angeblich zerstört
- Das Hauptquartier des US-Luftwaffenstützpunkts auf der Insel soll laut iranischen Angaben bei einem "groß angelegten Drohnen- und Raketenangriff" zerstört worden sein. Die US-Regierung bestätigte das bisher nicht.
Kuwait // US-Botschaft offenbar auch hier angegriffen
- Auch die US-Botschaft in Kuwait wurde offenbar von einer iranischen Drohne getroffen. Das berichten die New York Times. Am Dienstag gab die US-Regierung ohne Angabe von Gründen bekannt, dass die Botschaft vorerst geschlossen bleibe. Nicht dringend benötigtes Personal werde evakuiert.
Zypern // Zwei abgefangene Drohnen
- Explosionen vor der Küste: In der Hafenstadt Paphos, im Westen der Insel, war eine Explosion zu hören, vermutlich eine abgefangene iranische Drohne. Kurz darauf wurde eine weitere Shahed-Drohne vor der britischen Militärbasis in Akrotiri abgefangen. Die Regierung steht mit Großbritannien und den USA im engen Austausch.
- Warum das wichtig ist: Zypern ist EU-Mitglied. Ein Angriff auf das Territorium des Mittelmeerstaates würde also theoretisch die Beistandsklausel des EU-Vertrags aktivieren, sprich: Andere EU-Staaten müssten zur Hilfe eilen.
- Keine EU-Gipfel in Kriegsnähe: Wegen der anhaltenden Bedrohung verschob die EU bereits das zweite Ministertreffen, das in dieser Woche in Zypern stattfinden hätte sollen. Der Inselstaat hält derzeit den Vorsitz des EU-Rats, dessen Präsidentschaft ständig unter den Mitgliedsstaaten rotiert.
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