Drohnenangriffe auf Zypern, Kriegsschiffe: Erreicht der Iran-Krieg Europa?
Nach der Sichtung eines verdächtigen Flugobjekts aus dem Libanon kam es im Luftverkehr über Zypern zu Beeinträchtigungen. Laut Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis blieb der Luftraum jedoch durchgehend geöffnet. Zuvor hatten zypriotische Medien, darunter auch die Cyprus Broadcasting Corporation (RIK), berichtet, der Luftraum sei vorübergehend gesperrt worden.
Die Piloten von zwei Flugzeugen seien gebeten worden, für kurze Zeit in einer Warteschleife zu bleiben, teilte der Regierungssprecher weiter mit. Einer der Piloten habe sich entschieden, nach Athen zurückzukehren, während der zweite Flug kurz darauf planmäßig gelandet sei. Ein Passagier der nach Athen zurückgekehrten Maschine berichtete griechischen Medien, der Pilot habe „militärische Gründe“ für die Umkehr genannt.
Mehrere Fluggesellschaften hatten bereits zuvor Flüge nach und von Larnaka (Zypern) ausgesetzt, darunter auch die Austrian Airlines (AUA) bis einschließlich 6. März.
USA verschärfen Reisehinweis
Laut dem zypriotischen Rundfunk RIK begab sich das Personal der US-Botschaft in Nikosia vorübergehend in den Keller der Vertretung. Zwei seit Montag auf der Insel stationierte griechische F-16-Kampfjets nahmen an der Such- und Abfangaktion teil, wie RIK berichtete.
Die US-Regierung fordert ihre Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zudem auf, geplante Reisen nach Zypern zu überdenken. Zudem wird nicht dringend benötigten US-Regierungsmitarbeitern und deren Angehörigen die Ausreise gestattet. Zur Begründung verwies das Außenministerium auf bestehende Sicherheitsrisiken.
Der US-Reisehinweis entspricht der Stufe drei von vier. Die höchste Stufe wäre eine Reisewarnung. Laut Website des Außenministeriums in Wien gilt für Zypern aktuell Sicherheitsstufe 2. Eine Erhöhung der Sicherheitsstufe sei derzeit nicht geplant, heißt es auf KURIER-Nachfrage.
Drohnenangriff auf Militärstützpunkt
Hintergrund der erhöhten Alarmbereitschaft ist ein Drohnenangriff auf den britischen Stützpunkt Akrotiri nahe Limassol in der Nacht zum Montag. "Um Mitternacht (00:03 Uhr) schlug ein unbemanntes Luftfahrzeug vom Typ Shahed im britischen Militärstützpunktgebiet Akrotiri ein und verursachte geringfügige Sachschäden", so Präsident Nikos Christodoulides in einer TV-Ansprache. Er habe den Nationalen Sicherheitsrat einberufen, um die Lage zu bewerten. "Die Region erlebt derzeit eine beispiellose Krise", warnt er die Bürger.
Später wurden zwei weitere Drohnen abgefangen. Die Drohnen kamen vermutlich aus dem nur rund 200 Kilometer entfernten Libanon. Ein zypriotischer Regierungssprecher erklärte am Dienstagnachmittag, dass rechtzeitig "entsprechend" auf die zwei unbemannten Luftfahrzeuge (UAV) reagiert worden sei.
Internationale Verstärkung in der Region
Mehrere NATO- und EU-Staaten verstärken nun ihre militärische Präsenz in der Region. Großbritannien kündigte den Einsatz von Hubschraubern zur Drohnenabwehr sowie die Entsendung eines Kriegsschiffs an.
Griechenland hat bereits vier F-16 nach Zypern entsandt; zwei griechische Fregatten trafen am Mittwoch vor Zypern ein. Dabei handelt es sich um die Fregatte „Kimon“ sowie um eine weitere Fregatte, die mit dem Anti-Drohnen-System „Centaur“ ausgestattet ist. Am Mittwoch soll Verteidigungsminister Vasilis Palamas zudem mit seinem deutschen Amtskollegen über Unterstützung für die Verteidigung Zyperns gegen mögliche Bedrohungen sprechen.
Laut Regierungskreisen wurde der zypriotische Präsident Christodoulidis jüngst von seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron über konkrete Maßnahmen zur militärischen Unterstützung informiert. Demnach plant Paris die Entsendung moderner Flugabwehr- und Raketenabwehrsysteme und zusätzlicher Anti-Drohnen-Technologie. Ziel sei es, die Luftverteidigung und die maritime Abschreckungsfähigkeit der Republik Zypern nachhaltig zu stärken.
Mehrschichtige Luftverteidigung
Sicherheitsexperten sprechen von einem möglichen Ausbau hin zu einer mehrschichtigen Luftverteidigung. Moderne Flugabwehrsysteme können unterschiedliche Bedrohungen - von Marschflugkörpern bis hin zu ballistischen Raketen - erfassen und abwehren. Ergänzend dazu gewinnen Anti-Drohnen-Systeme zunehmend an Bedeutung, weil unbemannte Luftfahrzeuge in aktuellen Konflikten eine zentrale Rolle spielen.
Solche Systeme umfassen in der Regel Radarerfassung, elektronische Störmaßnahmen (Jamming) sowie gegebenenfalls kinetische Abfanglösungen. Für Zypern, dessen geografische Lage es in unmittelbare Nähe zu mehreren Krisenherden im Nahen Osten rückt, stellt eine verstärkte Luftraumüberwachung einen strategischen Vorteil dar.
Die Insel liegt an wichtigen See- und Handelsrouten und verfügt über eine bedeutende ausschließliche Wirtschaftszone mit Energieinteressen.
Maritime Präsenz und Abschreckung
Die Entsendung französischer Fregatten erhöht zugleich die maritime Präsenz in der Region. Moderne Fregatten sind mit Luftabwehr-, U-Boot-Abwehr- und Überwachungsfähigkeiten ausgestattet und dienen sowohl der Abschreckung als auch dem Schutz kritischer Infrastruktur, etwa von Offshore-Energieanlagen oder Seewegen.
Die militärische Kooperation zwischen Paris und Nikosia ist nicht neu. Frankreich unterhält bereits seit Jahren eine enge sicherheitspolitische Partnerschaft mit Zypern, einschließlich der Nutzung zypriotischer Hafen- und Luftwaffeninfrastruktur durch französische Streitkräfte im Rahmen von Übungen oder regionalen Einsätzen.
Europäische Dimension
Die Entwicklungen haben auch eine europäische Dimension. Zypern ist Mitglied der Europäischen Union und liegt an deren südöstlicher Außengrenze. Eine Stabilisierung der Sicherheitslage im östlichen Mittelmeer liegt daher im strategischen Interesse der EU. Neben Frankreich signalisierten Berichten zufolge auch andere europäische Partner Gesprächsbereitschaft hinsichtlich einer möglichen Unterstützung.
Die verstärkte militärische Zusammenarbeit wird in diplomatischen Kreisen als Zeichen gewertet, dass europäische Staaten angesichts zunehmender regionaler Unsicherheiten enger zusammenrücken. Offizielle Stellungnahmen zu Umfang und Dauer der Maßnahmen werden in den kommenden Tagen erwartet.
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