"Ihr Verrückten": Wie der Krieg im Iran Trumps MAGA-Lager spaltet
An der Pennsylvania Avenue standen am Samstagmittag zwei Lager nur wenige hundert Meter auseinander. Vor dem Weißen Haus hielten Demonstranten Schilder hoch: „Keine Bomben auf den Iran“ und „Kein neuer Krieg der USA im Nahen Osten“. Ein Stück weiter jubeln Dutzende Exil-Iraner, schwenken US-Fahnen und alte iranische Trikoloren, hupende Autos ziehen Kreise. Man kann in Washington gerade zu Fuß feststellen, wie polarisiert das Land auf den Iran-Angriff Donald Trumps reagiert. Bis in die Regierungspartei des Präsidenten hinein.
In Donald Trumps „Make America Great Again”-Lager führt das zur Zerreißprobe. Tucker Carlson, ein Fixstern der Bewegung, nennt den Angriff „absolut widerwärtig und bösartig“ und warnt: „Das wird die Karten neu mischen.”
„Was zum Teufel macht ihr Verrückten da?“
Marjorie Taylor Greene, inzwischen abtrünnig gewordene Ex-Trump-Anhängerin im Kongress, legt nach: „Was zum Teufel macht ihr Verrückten da?“, schrieb sie nach Berichten von über 100 getöteten Mädchen im Iran, die nach Behördenangaben Opfer israelisch-amerikanischer Luftschläge wurden. Sie wirft Trump schlicht Wortbruch vor. „America First und null Kriege“, so habe sein Wahlversprechen gelautet. Was gerade passiere, so die Frau aus Georgia, ist nicht das, „was wir uns unter MAGA vorgestellt haben“.
In sozialen Medien kriegt ein Posting laufend Zustimmung, das so geht: „Die Befreiung des iranischen Volkes ist nicht der Grund, warum ich für Trump gestimmt habe.“
Die Demokraten laufen Sturm
Und die Politik? Die Demokraten laufen Sturm - bis auf Senator John Fetterman - und basteln für den kommenden Donnerstag an der „War Powers Resolution”: Der Kongress muss letztlich zustimmen, wenn Amerika in den Krieg zieht; sonst müsste Trump dem Papier nach den Einsatz nach 60 Tagen abblasen. In der Substanz ein eher symbolischer Akt, den Trump per Veto neutralisieren kann - aber immerhin.
Die Republikaner sind unterdessen - obwohl nach frischen Umfragen weniger als 30 Prozent der Amerikaner den Angriff gutheißen - überwiegend auf Kurs: „Versammelt euch um den Commander“, heißt die Devise. Nur ein paar Libertäre und Verfassungs-Puristen, Thomas Massie etwa, warnen: „Der Präsident führt Krieg ohne Mandat.”
Im Land lautet die wichtigste Frage: Gibt es ein klares Endziel – und einen Plan, um es zu erreichen? Viele Umfragen zeigen, dass das Gros der Amerikaner mit einem Konflikt „über Monate oder gar Jahre” rechnet. Von ihrem Präsidenten fühlen sie sich über Sinn und Zweck der Intervention nicht ausreichend informiert. Nur rund drei von zehn Wahlberechtigten haben „großes” Vertrauen in Trumps Urteil beim Einsatz militärischer Gewalt.
Zwischenwahlen im Kongress
Wie geht das aus - neun Monate vor den Zwischenwahlen im Kongress, in dem die knappen Mehrheiten von Trumps Republikanern wackeln? „Die größte Herausforderung für die Militäraktion”, analysiert das konservative Wall Street Journal, „liegt möglicherweise eher im eigenen Land als im Iran.” Kritiker seien „bereits in voller Stärke unterwegs”. Trump werde politischem Druck „von Tucker Carlson und möglicherweise Carlsons Verbündeten im Umfeld des Vizepräsidenten (JD Vance, Anm.) sowie von den Demokraten und den meisten Medien ausgesetzt sein.” Dies gelte insbesondere dann, „wenn es zu Opfern auf US-Seite kommt, was irgendwann wahrscheinlich der Fall sein wird”.
Kurz danach wurden die ersten drei toten US-Soldaten gemeldet, fünf weitere wurden schwer verletzt. Trump schwor „Rache". Am Montag folgten weitere Hiobsbotschaften: mehrere US-Kampfflugzeuge stürzten ab. Analysten aus im republikanischen Lager sind sich einig: „Je mehr Opfer, je länger die Dauer dieses Krieges - umso schwerer wird es für Donald Trump, seine Partei auf Kurs zu halten.”
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