Mojtaba Khamenei: Wer ist der mögliche Nachfolger im Iran?

Der Iran ist kurz davor ein neues Oberhaupt zu bestimmen. Mojtaba Khamenei, Sohn des ehemaligen getöteten Oberhaupts, gilt als Favorit.
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Von Franziska Trautmann

Während die Angriffe im Nahen Osten weiter wüten und Bombeneinschläge die Region erschüttern, steht der Iran kurz davor ein neues geistliches Oberhaupt zu wählen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat Ahmad Khatami, Mitglied der iranischen Expertenversammlung, die mit der Wahl eines neuen geistlichen Führers beauftragt ist, das bestätigt. „Der Oberste Führer wird bei nächster Gelegenheit bestimmt werden. Wir stehen kurz vor einem Abschluss, jedoch befindet sich das Land in einer Kriegssituation“, wurde Khatami im iranischen Staatsfernsehen zitiert. 

Der ehemalige geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, ist am Samstag durch israelisch-amerikanischen Bomben getötet worden. Offiziell hat er nicht erklärt, wer sein Nachfolger werden soll. Sein zweiter Sohn, Mojtaba Khamenei, zählt jedoch zu einer Handvoll Geistlicher, die als wahrscheinliche Nachfolger gehandelt werden. 

Keine offizielle Verkündung

Laut der New York Times traf sich das Wahlgremium, bestehend aus 88 Geistlichen, bereits am Dienstag zur Beratschlagung, aus ihrer Mitte soll ein neues Oberhaupt gewählt werden. Dienstagabend verkündete der iranische Nachrichtensender Iran International mit Sitz in London, auf Instagram Khameneis Sohn als Nachfolger - bestätigt wurde das aber nicht. Das Wahlgremium erwog, Mittwochmorgen den Nachfolger offiziell zu verkünden. Einige Personen hätten aber bedenken über eine Bekanntgabe geäußert. Denn der Posten des Ayatollah - Oberhaupt des Irans - ist in der aktuellen Lage mit einem hohen Risiko verbunden. 

Der neue Revolutionsführer würde genauso schnell als Zielscheibe der israelisch-amerikanischen Angriffe wie sein Vorgänger werden. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz schrieb in einem Post auf X, jeder Anführer, der im Iran ernannt werde, werde "ein eindeutiges Ziel für eine Eliminierung sein". Es spiele dabei keine Rolle, "wie er heißt oder wo er sich versteckt".

Wer ist Motjaba Khamenei ?

In die Fußstapfen von Ali Khamenei könnte jetzt sein Sohn Mojtaba Khamenei treten - er gilt als aussichtsreichster Kandidat. Er soll seit Jahren seinen Einfluss im Land ausgebaut haben, öffentlich trat er jedoch selten auf. Viele Insider im Iran spekulieren, dass er im Schatten seines Vaters großen Einfluss ausgeübt hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro des Revolutionsführers gesteuert haben.

Falls er gewählt wird, dürfte der 56-Jährige den Führungskurs seines Vaters zunächst fortsetzen. Er gilt als bekannter Akteur staatlicher Unterdrückung. So soll er während der Grünen Bewegung 2009, die nach Vorwürfen der Wahlfälschung bei der Präsidentschaftswahl entstand, eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der Proteste gespielt haben. Laut Kreisen aus der iranischen Hauptstadt Teheran könnte er aber auch mit Unterstützung der mächtigen Revolutionsgarden einen Kurswechsel vornehmen, um das Land aus den Dauerkrisen zu führen.

Ein weiterer Kandidat für das Amt des Obersten Führers soll Hassan Khomeini, der Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Khomeini, sein. Der 53-jährige Geistliche gilt als moderat und positioniert sich regelmäßig zugunsten des Reformlagers. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024, aus dem der gemäßigte Massoud Peseschkian als Sieger hervorging, unterstützte er offen dessen Lager. 

Sein politisches Gewicht bezieht Khomeini vor allem aus seinem Familiennamen, der im Iran weiterhin symbolische Autorität besitzt. Als Kandidat gilt er dennoch als Außenseiter. In den konservativen Machtzentren dürften seine Positionen vielen als zu moderat gelten.

Unterdessen beginnt heute Abend die staatliche Trauerfeier für den getöteten Ali Khamanei. Die Feierlichkeiten sollen drei Tage dauern und in Teheran stattfinden. Ab etwa 22:00 Uhr Ortszeit (ca. 19:30 MEZ) kann die iranische Bevölkerung die aufgebahrte Leiche im Imam-Khomeini-Gebetshalle (Mosalla) besuchen und Abschied nehmen.

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