Kriegsende verkündet: Warum die Energiekrise trotzdem bleibt
Schiffe in der Straße von Hormus.
Das Angebot der Europäer, sich an einer "rein defensiven" Mission zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen, schlug. Donald Trump beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains energisch aus. Diese Hilfe werde man nicht brauchen, sagte er neben Gastgeber Emmanuel Macron, die Meerenge sei bereits teilweise geöffnet, und am Freitag, wenn die USA und der Iran ein Abkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen wollen, "wird sie vollständig geöffnet sein", versprach der US-Präsident.
Der Preis für Brent-Rohöl fiel am Sonntag auf den niedrigsten Stand seit Beginn des Krieges (80 US-Dollar pro Barrel), noch bevor sich Trumps Ankündigung nur ansatzweise bestätigt hatte.
Zwar hatten am Dienstag mehrere Schiffe die strategisch wichtige Meerenge passiert, darunter einzelne iranische Öltanker und mindestens drei Containerschiffe. Allerdings waren das nicht mehr als in den letzten 108 Tagen seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran.
Der Schiffstrackingseite Portwatch zufolge haben zwischen 28. Februar und 1. Juni rund 670 Schiffe die Meerenge durchquert – zwischen sechs und sieben pro Tag, während es vor Kriegsbeginn bis zu über 100 gewesen sind. Beide, der Iran und die USA, haben am Dienstag angekündigt, eine freie Durchfahrt nicht weiter blockieren zu wollen. Das heißt jedoch keineswegs, dass auch die Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die Ölknappheit und die infolge global explodierenden Energiepreise, mit Freitag vorbei sein wird.
Zerstörtes Vertrauen
Über 400 Fracht- und Tankschiffe sitzen im Persischen Golf fest. Sie alle warten darauf, die Meerenge passieren zu können. Doch die Reeder werden die Durchfahrt erst dann aufnehmen, wenn sie sich sicher sind, dass das Abkommen zwischen den USA und dem Iran hält, zitiert die Financial Times Jotaro Tamura, den Chef von Mitsui OSK Lines (MOL), einer der größten Reedereien der Welt mit Sitz in Tokio. Derzeit sei eine sichere Durchfahrt alles andere als garantiert. Zu oft habe Trump Waffenstillstände verkündet – die danach von beiden Seiten gebrochen wurden. Andere Reedereien zeigen sich ähnlich zurückhaltend. Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd nannte das Abkommen "ermutigend"; man hoffe laut FT darauf, dass die festsitzenden Schiffe "am Wochenende" ablegen könnten.
Wieder andere sprachen davon, zumindest ein paar Wochen abwarten zu wollen. Das liegt auch an den nach wie vor extrem hohen Preisen, die dem Iran gewogene Reedereien in den vergangenen Wochen für eine riskante Durchfahrt verlangen konnten. Laut Experten brauche es mindestens zwei bis vier Wochen störungsfreie Durchfahrt, bis das Vertrauen wieder hergestellt sei und die Preise wieder wesentlich zu sinken beginnen.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi will die Gespräche mit den Vereinigten Staaten über das Atomprogramm und die Aufhebung der Sanktionen noch in dieser Woche beginnen.
Angst vor Minen
Und dann ist da auch noch die Sorge vor Seeminen, die der Iran in der Meerenge verlegt haben könnte. Dagegen spricht, dass die in den vergangenen Wochen die Straße passierenden Schiffe auf keine Mine gestoßen sind. Jedoch verfügt Teheran sowohl über Minenleger als auch über mindestens 5.000 Minen verschiedener Art, schätzten US-Geheimdienste vor Kriegsbeginn: von kleinen Varianten, die knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen, bis hin zu Sprengfallen, die am Meeresboden verankert sind und Sensoren zur Zielerfassung nutzen. Vor allem moderne Minen sind weitaus schwieriger zu finden und zu räumen.
Die USA nutzen dafür Drohnen in der Luft und unter Wasser, unbemannte Minensuchboote, Tauchroboter, aber auch Taucher; die von Frankreich, Großbritannien und Deutschland angebotene Hilfe bei der Räumung hat Trump abgelehnt.
Schlussendlich werden andere wesentliche Fragen erst in den 60 Tagen nach der Unterzeichnung verhandelt – etwa ob der Iran, der seine Forderung am Sonntag über den Sprecher seines Außenministeriums verkünden ließ, gemeinsam mit dem Oman die regulatorische Hoheit über das Nadelöhr bekommt, und künftig statt Mautgebühren Abgaben für "maritime Dienstleistungen" erheben darf. Ganz gleich, wie man die Gebühren nenne, sie seien "ein gefährlicher Präzedenzfall für Seewege, die sehr schwer zu befahren sind", wird der Rechtsexperte Marc Weller vom Londoner Thinktank Chatham House zitiert.
Ganz so schnell, wie der US-Präsident versprochen hat, wird das Öl "auf beiden Seiten für die Region und die Welt" also doch noch nicht fließen.
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