Der Grieche, der aus dem Iran-Krieg Profit schlägt
George Prokopiou ist einer, von dem man sagen würde, er hat es geschafft. Zur Veranschaulichung seines glorreichen Aufstiegs zum fünftreichsten Griechen (er besitzt laut Forbes ein Vermögen von 4,7 Milliarden US-Dollar) erzählen Medien und der 79-Jährige selbst gerne, dass der sechsjährige Prokopiou am Strand des Athener Vororts Glyfada aus alten Brettern ein Floß baute und aufs Meer paddelte. Heute gehören ihm führende Reedereien wie Dynacom Tankers, Sea Traders und Dynagas.
Sein erstes Schiff kaufte Prokopiou mit 25 Jahren: den 55.000 Tonnen schweren Tanker "Pennsylvania". Seine Flotte wird auf 90 bis 116 Frachter geschätzt, darunter Tanker für Rohöl – auch russisches, das er trotz Sanktionen verschifft – und Flüssiggas, für dessen Lieferungen nach Deutschland ihm vom ehemaligen Grünen-Wirtschaftskanzler Robert Habeck persönlich gedankt wurde. Dem Griechen gehören Hotelkomplexe und Villen, etwa im italienischen Küstenort Portofino, oder die 100 Meter lange Yacht "Dream", die oft vor der Küste von Athen vor Anker liegt. Im Vorjahr wurde Prokopiou vom Schifffahrtsmagazin Lloyd’s List auf Platz 14 der 100 einflussreichsten Personen in der Schifffahrt gerankt. Töchter und Schwiegersöhne hat er fest in sein Imperium integriert.
Prokopiou ist so geschäftstüchtig, dass ihm auch der Krieg der USA und Israels gegen den Iran wenig anhaben kann: Er ist einer der wenigen, der – abgesehen von Irans Verbündeten wie Russland, China oder Indien – derzeit seine Schiffe durch die Straße von Hormus lenkt, die einzige europäische Reederei sowieso, während sich andere Frachter vor Angriffen fürchten.
Iran droht – und will Geld
Griechische Reedereien kontrollieren rund ein Viertel der globalen Öl- und Gastankertonnage. Die Straße von Hormus ist nicht vollständig geschlossen – der Iran lässt immer wieder Schiffe passieren, die Rohstoffe für strategisch wichtige Partner transportieren. Berichten zufolge haben die Revolutionsgarden des Iran mittlerweile eine Art Mautsystem eingeführt. Schiffe müssen Unterlagen über Kennungsnummer, Eigentumsverhältnisse und Ladungsverzeichnis offenlegen. Wie viele Schiffe durchgelassen werden, ist unklar, genauso ob eine Gebühr und wenn ja, wie hoch diese ist, bezahlt werden muss. US-Medien berichten, die iranische Führung habe gegenüber den USA angekündigt, im Falle eines Friedens eine Bezahlung von zwei Millionen Dollar pro Schiff für eine sichere Passage zu verlangen.
Ob es einen Deal zwischen Prokopiou und dem Regime gibt, ist nicht bekannt. Prokopious Reederei wird von chinesischen Firmen genutzt – wahrscheinlich, dass ihm der Iran deswegen eine Ausnahme gewährt. Das Handelsblatt schrieb von Einschätzungen griechischer Schifffahrtskreise, dass der Passage der Meerenge Verhandlungen vorangegangen seien, in die China eingeschaltet war. Mindestens fünf Schiffe von Prokopiou sollen seit Kriegsbeginn durchgelassen worden sein.
Prokopiou verschifft nicht nur Richtung China, sondern bezieht den Großteil seiner Frachter aus chinesischen Werften, darunter komplexe und auch für die europäische Energieversorgung wichtige Spezialschiffe wie LNG-Tanker.
Ein Boot nähert sich dem unter der Flagge von St. Kitts und Nevis fahrenden Containerschiff "Marsa Victory" in den Gewässern der Straße von Hormus im Norden des Omans.
Ein gut bezahltes Risiko
Zusätzlich sollen die Transponder der Frachter von Prokopiou ausgesetzt worden sein. Iranische Radar- und Satellitensysteme erkennen sie aber weiterhin. So soll jedoch die Nachverfolgung der Schiffe durch internationale Behörden verunmöglicht werden.
Der Grieche gilt als berechnender Geschäftsmann, der Risiken strikt dem Geschäft unterordnet. Und das Geschäft läuft gerade hervorragend: Weil andere Reedereien das Risiko nicht eingehen, könne Prokopiou rund viermal so viel wie vor dem Angriff auf den Iran verlangen. Für einen Rohöltanker, der durch die Meerenge nach China fährt, könne er bis zu 500.000 Dollar einnehmen – pro Tag.
Die Frage ist nur: Welche Matrosen lassen sich auf die Fahrt ein? In verschiedenen Medienberichten heißt es, die Rekrutierung geschehe auf freiwilliger Basis – allerdings würden Prokopious Reedereien hohe Prämien zahlen. Von Freiwilligkeit könne da nur wenig Rede sein, kritisiert der globale Dachverband der Transportgewerkschaften. Zumal die Straße von Hormus unlängst Meerenge zum Kriegsgebiet erklärt wurde, um den Schutz von Schiffsbesatzungen zu verbessern. Seitdem erhalten Matrosen bei Verwundung oder gar Tod zusätzlich hohe Entschädigungen.
Der 79-jährige Prokopiou gibt sich zu all den Berichten zurückhaltend. Dem griechischen Nachrichtenportal mononews hat er auf Anfrage gesagt: "Menschen auf unseren Schiffen sind in Gefahr. Wir müssen sie schützen. Veröffentlichungen richten nur Schaden an. Wenn die Geschichte vorbei ist, werden wir sprechen."
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