Der Iran kassiert für jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchfährt

Teheran plant offenbar, die Meerenge langfristig zu einer Art maritimen Mautstraße zu machen.
FILE PHOTO: An aerial view of the island of Qeshm, separated from the Iranian mainland by the Clarence Strait

Der Krieg tobt weiterhin, täglich fliegen Kampfjets, Drohnen und Raketen über den Himmel am Persischen Golf – und doch bleibt auf dem Meer noch Zeit für Bürokratie. Zumindest beschreiben jene Besatzungsmitglieder, die mit ihren Schiffen in den vergangenen Wochen die Straße von Hormus durchfahren durften, die Reise als äußerst geordneten Prozess.

Das internationale Schifffahrt-Magazin Lloyd’s List berichtete unter Berufung auf Dutzende Gespräche mit Öltanker-Matrosen, der Iran habe inzwischen eine Art Mautsystem für die Meerenge eingeführt. 

Schiffe, denen das Militär die Durchfahrt gewährt, müssen offenbar Unterlagen über die Kennungsnummer, die Eigentumsverhältnisse und das Ladungsverzeichnis des Schiffes an nicht näher genannte Vermittler übermitteln. Dann erhalten sie einen Freigabecode. Während der Durchfahrt wird die Besatzung dann von den Revolutionsgarden angefunkt und muss den richtigen Code nennen, um passieren zu dürfen.

Mindestens zwei der befragten Besatzungsmitglieder berichteten, sie hätten für die Durchfahrtserlaubnis eine Gebühr in chinesischen Yuan (RMB) bezahlen müssen – also außerhalb des klassischen Dollar-Zahlungsverkehrs.

Das deckt sich mit Medienberichten zum Forderungskatalog, den die iranische Führung offenbar in dieser Woche an die US-Regierung übermittelt hat. Neben vielen anderen Punkten findet sich darin die Ankündigung, der Iran werde im Falle eines Friedens eine Gebühr in Höhe von zwei Millionen Dollar für die sichere Passage durch den Persischen Golf verlangen.

Trump mahnt sanft

Auch Donald Trump hatte am Donnerstag gemahnt, der Iran kassiere Mautzahlungen, „obwohl sie das eigentlich nicht dürfen.“ Trotzdem war der US-Präsident offensichtlich guter Dinge, dass die Gespräche über ein mögliches Kriegsende vorankommen.

Seine bereits einmal verlängerte Frist – der Iran müsse die Straße von Hormus bis Samstag, 01.44 Uhr, vollständig öffnen, ansonsten würden die USA die Energieinfrastruktur des Landes bombardieren – verschob er am Freitag ein weiteres Mal nach hinten. Diesmal gilt sie bis zum 6. April

Als Grund führte Trump eine iranische Geste des guten Willens an: Zehn Öltanker hatten die Straße von Hormus am Donnerstag kostenlos durchqueren dürfen. Das sei ein „Geschenk“ des Iran gewesen. Wobei laut iranischen Angaben ohnehin längst alle „nicht-feindlichen“ Schiffe passieren dürfen – offenbar vorausgesetzt, sie zahlen.

Wie viele Schiffe die Straße von Hormus aktuell durchfahren, ist unklar. Laut Lloyd’s List waren es alleine vom 13. bis 15. März 26 Tanker, in den letzten zwei Wochen konnten jedoch anhand von frei zugänglichen Echtzeit-Schiffsdaten keine Durchfahrten mehr erfasst werden. 

Das liegt wohl daran, dass die Schiffe ihre Transponder ausschalten, Radar- und Satellitensysteme erkennen sie aber weiterhin. Es ist davon auszugehen, dass täglich mehrere Tanker den Golf passieren – und damit das iranische Regime finanziell stärken.

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