Die Straße von Hormus ist dicht: Teure Folgen für Österreichs Esstische
Weizenfeld: Für die nächste Aussaat gibt es in Österreich noch weitreichend günstigeren Dünger
Mehr als 2.000 Schiffe sitzen derzeit im Persischen Golf fest - mit fatalen Folgen für die weltweiten Düngemittelpreise und für Millionen Menschen, besonders in Afrika, sogar der Gefahr einer Hungersnot. Selbst für Österreichs Bauern sind die Folgen des US-israelischen Krieges gegen den Iran schon jetzt spürbar: "Der Dieselpreis ist in kürzester Zeit von unter 1,50 Euro auf 2 Euro pro Liter hochgeschossen, und es ist noch nicht absehbar, wie das weitergeht", heißt es von Seiten der Landwirtschaftskammer. Der Betrieb der landwirtschaftlichen Geräte hat sich bereits verteuert, während die Preise für Dünger geradezu explodiert sind. So kostete etwa eine Tonne Stickstoffdünger vor Kriegsbeginn rund 470 Euro, jetzt aber schon 700 Euro - und die Preise steigen weiter.
Die Schockwellen der Sperre der Seestraße von Hormus durch den Iran drohen sich so nicht nur an den Tankstellen, sondern auch auf den Esstischen bemerkbar zu machen: Ein Drittel der weltweit verschifften Düngemittel passierte bisher die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman.
Jeder Tag, der die Blockade anhält, treibt die Weltmarktpreise für Dünger weiter in die Höhe. Mehr noch: Mehrere Energieanlagen in den arabischen Golfstaaten wurden beschädigt oder gar zerstört - dort aber wird in riesigen Mengen der für Düngemittel nötige Stickstoff, ein Nebenprodukt der Gasgewinnung, erzeugt.
Preise werden auch nach Kriegsende länger hoch bleiben
Sollte der Krieg morgen enden, würde es dennoch mehrere Wochen oder Monate dauern, bis alle Rohstoffe wie auch Phosphor, Kalium und Harnstoffe wieder in vollem Umfang auf dem freien Weltmarkt verfügbar sind.
Ein Bauer im indischen Teil von Kaschmir teilt Düngemittel mit der Hand aus
Fazit: Schon jetzt zahlen Landwirte in Asien und Afrika bis zu 30 Prozent mehr für ihre Düngemittel als vor vier Wochen.
Dagegen sieht die Lage für die heimischen Landwirte vorerst noch günstiger aus: "Unsere Bauern haben sich weitestgehend schon im Vorjahr mit Düngemitteln eingedeckt", schilderte eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer dem KURIER.
Der Grund: Seit heuer gilt die von der EU verhängte CO2-Grenzausgleichsabgabe (CBAM), die den Import von Düngemitteln in die Europäische Union verteuert. Zudem kann die Düngemittelfabrik Agrofert in Linz große Mengen von Düngemitteln (aus der Basis von Kalkammonsalpeter) an die österreichischen Landwirte liefern. Nur die wenigen Bauern, die erst jetzt die Düngemittel kaufen, müssen tief in die Tasche greifen.
"Die Alarmglocken schrillen"
Für die nun beginnende laufende Aussaat sei der Bedarf weitestgehend gedeckt, bestätigt Landwirtschaftskammer-Sprecherin Claudia Jung-Leithner, "aber mit Blick auf die nächste Saison schrillen die Alarmglocken." Denn auch wenn Agrofert große Mengen liefern kann, muss das Unternehmen doch Rohstoffe zukaufen, sowie ein Teil der Düngemittel aus dem Ausland importiert werden - und auf dem Weltmarkt treiben die Preise für Rohstoffe und die entstandene Verknappung der Düngemittel steil nach oben.
"Rund 40 Prozent des Düngers werden in Österreich im Schnitt im Sommer gekauft", schildert Martin Grob, Sprecher des Bauernbundes, "ein weiterer Teil erfolgt dann im Herbst". Überdies verwenden die meisten Bauern hierzulande kaum Stickstoffdünger, sondern Dünger auf Basis von Harnstoffen - und diese kämen überwiegend aus Ägypten.
Bleibt der heimischen Landwirtschaft nur die Hoffnung, dass der Krieg in den nächsten Wochen endet. Dann könnten sich die Düngerpreise auch auf dem Weltmarkt bis zu den nächsten Einkäufen wieder stabilisieren. Dann wäre auch bei den Lebensmittelpreisen kaum eine Verteuerung spürbar.
Anders aber sähe die Preisentwicklung aus, wenn der Düngemitteltransport über die Straße von Hormus noch über Monate blockiert bliebe. Teurere Düngemittel, teurerer Agrardiesel hieße in späterer Folge unweigerlich auch teurere Lebensmittel.
Besonders dramatisch wird dies in Südasien und in Subsahara-Afrika zu spüren sein. In Indien mussten erste Düngemittelfabriken schon schließen, weil zu wenig Flüssiggas geliefert wurde. Zu wenig Düngemittel hat wiederum Folgen für die anlaufende Sommersaison für Reis-, Mais- und Baumwollanbau. In Afrika hatte schon die Preisexplosion nach dem Ukraine-Krieg viele Kleinbauern gezwungen, weniger zu düngen - mit spürbaren Ernteverlusten.
Die jetzige Krise könnte aber noch viel schlimmer werden, befürchtet die UNO. "Jetzt ist Frühjahrspflanzzeit, in der Landwirte üblicherweise Düngemittel für die nächste Ernte kaufen", schildert Frida Youssef von der UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD: "Wenn sie nicht genügend Düngemittel beschaffen können oder die Preise zu hoch sind, können die Ernteerträge sinken."
Das Welternährungsprogramm der UNO (WFP) befürchtet deshalb, dass der Irankrieg bald zusätzlich 45 Millionen Menschen in eine akute Hungersnot treiben wird. "Wenn dieser Konflikt andauert, wird er weltweit Schockwellen auslösen, und ausgerechnet jene Familien, die sich ohnehin schon nicht einmal die nächste Mahlzeit leisten können, werden am härtesten getroffen werden", befürchtet Carl Skau, Chief Operating Officer beim WFP.
Kommentare