Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
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Iran-Krieg, Tag 26: Widersprüchliche Forderungen, Israel will Südlibanon "übernehmen"
Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
© APA/AFP/-
Eine Straße der libanesischen Hauptstadt Beirut nach israelischen Luftangriffen am Mittwoch.
Seit 28. Februar tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.
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USA
- Forderung für Frieden. Die US-Regierung hat mithilfe Pakistans der iranischen Führung einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges übermittelt. Israelischen und US-Medienberichten zufolge umfasst der Plan unter anderem, dass der Iran die Straße von Hormus vollständig freigibt, sein Atomprogramm beendet, bereits angereichertes Uran freigibt und die Unterstützung von Terrormilizen wie der Hisbollah im Libanon oder den Huthis im Jemen einstellt.
- Feuerpause? Angeblich seien die USA bereit zu einer einmonatigen Feuerpause, um dem Iran Zeit für Verhandlungen zu geben. Pakistan brachte sich bereits als möglicher Austragungsort ins Spiel. Donald Trump zufolge wolle der Iran "unbedingt einen Deal", sein Sondergesandter Steve Wittkoff sprach davon, der Iran hätte in "zentralen Punkten" zugestimmt.
- Warum das wichtig ist: Eine Feuerpause wäre wohl kein reines Angebot, sondern auch im Interesse der USA. Das Militär bekäme so mehrere Wochen Zeit, neues Personal, Gerät und Munition in den Nahen Osten zu verlegen, wodurch der Druck auf den Iran anschließend wieder erhöht werden könnte. Schon in dieser Woche kamen zwischen 2.000 und 3.000 neue US-Soldaten in der Region an.
Iran
- Scharfe Absage. Zumindest öffentlich schlagen iranische Offizielle weiter jegliches Gesprächsangebot der USA aus: "Ihr verhandelt mit euch selbst", sagte Khatam al-Anbiya, Sprecher des zentralen Hauptquartiers der Revolutionsgarden. Die iranische Führung werde "weder jetzt, noch irgendwann sonst" mit den USA verhandeln.
- Eigene Forderungen. Das Wall Street Journal berichtete über beträchtliche iranische Forderungen für einen möglichen Frieden, die bereits im Weißen Haus angekommen sein sollen. Unter anderem müssten die USA all ihre Militärstützpunkte in den Golfstaaten verlassen.
- Israel greift weiter an. Aus Teheran mehrten sich am Mittwoch erneut Berichte über Luftschläge und Explosionen, nachdem Israels Militär eine weitere Angriffswelle angekündigt hatte. Dabei seien zwei Fabriken angegriffen worden, die Anti-Schiffs-Raketen produzieren. Der Iran sprach von Angriffen auf Wohnviertel.
- Warum das wichtig ist: Obwohl der Krieg seit bald einem Monat tobt, ist der Iran weiter in der Lage, Raketen- und Drohnenangriffe auf umliegende Staaten auszuführen - wenn auch nicht mehr in demselben Ausmaß wie vor vier Wochen. Entscheidend für den weiteren Verlauf des Krieges und etwaiger Verhandlungen wird sein, wie umfassend der Iran Schiffe angreifen kann. Angriffe auf Produktionsstätten für Anti-Schiffs-Raketen erhöhen den Druck.
Israel
- Erneute Raketensalven. Als Antwort auf die neuerliche israelische Angriffswelle schlug der Iran am Mittwoch mit Raketenangriffen auf mehrere israelische Städte zurück. Dabei seien isngesamt zehn Menschen in Bnei Brak in Zentralisrael verletzt worden, darunter sechs Kinder, sowie drei weitere Menschen in Givat Schmuel.
- Gebündelte Angriffe. Israels Armeesprecher Effie Defrin erklärte in einer Fernsehansprache die iranische Strategie: Gerade weil auch der Iran inzwischen auf seine Munitionsvorräte achten müsse, seien gebündelte Angriffe mit jeweils ein paar Tagen Pause zu beobachten. Im Schnitt würden inzwischen täglich zehn Raketen auf Israel abgefeuert - deutlich weniger als zu Kriegsbeginn.
- Warum das wichtig ist: Auch US-Generäle wiesen zuletzt auf die deutlich niedrigere Frequenz iranischer Gegenschläge hin. Zwar ist auch die für Drohnen- und Raketenabwehrsysteme nötige Muntition der USA und ihrer Verbündeten wahrscheinlich dezimiert, aber vieles deutet darauf hin, dass das iranische Arsenal ebenfalls zur Neige geht. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten.
Libanon
- Israelische Angriffe. Der staatlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge kamen bei israelischen Luftangriffen insgesamt 18 Menschen ums Leben - neun im äußersten Süden des Landes, vier im Dorf Adlun, drei im Dorf Habbush sowie zwei bei einem Angriff auf eine Wohnung im Flüchtlingslager Mieh Mieh. Israel kündigte indes weitere Angriffe auf die Hauptstadt Beirut an.
- Warum das wichtig ist: Der israelische Vormarsch im benachbarten Libanon findet offensichtlich unabhängig vom Kriegsgeschehen im Iran statt. Am Dienstag hatte Verteidigungsminister Israel Katz erklärt, Israel wolle weite Teile des Südlibanon bis zum Fluss Litani "übernehmen" - also völkerrechtswidrig annektieren. Das hatten zuvor die rechten Koalitionspartner von Benjamin Netanjahu gefordert.
Golfstaaten
- Drohnen über dem Golf. Saudi-Arabien gab bekannt, in der Nacht auf Dienstag mehr als 30 iranische Drohnen abgefangen zu haben. Kuwait meldete sechs abgefangene Drohnen, herabstürzende Trümmerteile lösten jedoch einen Brand auf dem Flughafengelände aus.
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