Flammt der Krieg im Nahen Osten wieder auf?
Eine Frau schwenkt die Nationalflagge in Teheran. Das Regime droht mit Gegenangriffen.
Für den US-Präsidenten war die Reise nach China vergangene Woche eine willkommene Auszeit von einem Krieg, den er selbst begonnen hat. Doch kaum hatte Donald Trump am Freitag in Peking die Air Force One bestiegen, lag der Krieg gegen den Iran wieder auf dem Tisch und könnte laut US-Medien demnächst wieder fortgeführt werden.
Laut New York Times hätten Trumps Berater Pläne für eine Wiederaufnahme militärischer Schläge ausgearbeitet, sollte der Präsident beschließen, mit neuen Bomben Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen. Zwar gilt nach wie vor offiziell ein Waffenstillstand, und es wird unter Vermittlung Pakistans versucht, einen Kompromiss auszuhandeln, der eine Öffnung der Straße von Hormus und eine Beschränkung des iranischen Atomprogramms vorsieht.
Doch es könnte auch anders kommen: Nach seiner Abreise aus Peking bekräftigte Trump gegenüber Reportern in der Air Force One, das jüngste Friedensangebot des Iran sei inakzeptabel. Vor seiner Abreise hatte Trump gedroht: "Entweder sie schließen ein Abkommen oder sie werden vernichtet." Auch Israel soll in die Pläne eingebunden sein.
Bodentruppen sollen Uran bergen
"Wir haben einen Plan zur Eskalation, falls nötig", erklärte Verteidigungsminister Pete Hegseth vergangene Woche vor dem Kongress. Zwar ist der größte Flugzeugträger der Welt, die "USS Gerald R. Ford", nach einem Brand und verstopften Sanitäranlagen wieder in die USA zurückgekehrt, doch nach wie vor sind zwei andere Flugzeugträger, 50.000 US-Soldaten, über ein Dutzend Zerstörer der Marine und zahlreiche Kampfflugzeuge im Nahen Osten stationiert.
Neben Angriffen sollen die USA und Israel laut NYT die Eroberung des wichtigen iranischen Ölexportzentrums, der Insel Kharg im Persischen Golf, anstreben. Auch der Einsatz von Bodenkommandos zur Bergung der unter Trümmern vergrabenen, 440 Kilogramm Uran wäre wahrscheinlich, zitiert die NYT zwei Militärbeamte.
Der aktuelle Status quo ist jedenfalls unbequem für Trump: Der Krieg ist auch bei vielen Konservativen unbeliebt; noch schwerer wiegt die durch die Sperre der Meerenge angespannte wirtschaftliche Lage. Trump braucht einen Erfolg vor den Midterms im November.
Die USA und Israel haben am 28. Februar mit Luftangriffen gegen den Iran begonnen. Seit dem 8. April 2026 besteht ein von Pakistan vermittelter Waffenstillstand, er wurde mehrmals verlängert. Beide Seiten werfen einander dennoch Provokationen und Angriffe vor. Verhandlungsrunden brachten bisher keinen Durchbruch.
Angriffe auch aus Golfstaaten möglich
Auch der Iran bereitet sich auf eine Wiederaufnahme der Kämpfe vor: Am Sonntag gab es einen vermeintlich iranischen Drohnenangriff auf das Atomkraftwerk Baraka in den mit den USA Verbündeten VAE, das daraufhin Feuer fing. Die Sicherheit der Anlage sei aber nicht gefährdet.
Die VAE meldeten seit Kriegsbeginn nahezu 3.000 iranische Angriffe; die Golfstaaten wurden seit Beginn des Krieges als unfreiwillige Kriegsteilnehmer gesehen.
Doch die Deutsche Presse-Agentur berichtete nun mit Verweis auf westliche Diplomaten und arabische Sicherheitskreise, es sei bestätigt, dass sich die Emirate und Saudi-Arabien "aktiv" an Angriffen auf den Iran beteiligt hätten. Möglich, dass diese "Beteiligung" bei einem Wiederaufflammen mehr werden könnte. Bis vor Kurzem sei das trotz der historischen Rivalität und des Misstrauens der Golfstaaten gegenüber dem Iran undenkbar gewesen.
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