Warum sich Trump jetzt mit einem zweiten Taktgeber abstimmen muss
Donald Trump und Xi Jinping im Gespräch
Fast hätte man sich fragen können, als Donald Trump am Freitag in Peking die Air Force One für den Rückflug in die USA bestieg: War das wirklich der echte US-Präsident? Keine Beleidigungen, keine peinlichen nächtlichen Postings, keine diplomatischen Fehltritte während seines Staatsbesuches in China. Nur die üblichen Jubelmeldungen über „fantastische Handelsabkommen“, die er und Chinas Staatschef Xi Jinping geschlossen hätten, erinnerten an den gewohnten Donald Trump.
Dass der 47. Präsident der USA plötzlich Demut erlernt haben könnte, kann getrost ausgeschlossen werden. Vielmehr dürfte er endgültig auf dem Boden der politischen Realität aufgeschlagen sein, zumindest, was China betrifft. Mit Konsequenzen, die auch die größten China-Gegner in den Vereinigten Staaten zur Kenntnis nehmen müssen:
Am Wiederaufstieg des Reichs der Mitte zur ökonomischen und politischen Großmacht ist nicht mehr zu rütteln. Peking ist der bedrohliche Konkurrent der USA – und alle Bemühungen Washingtons, die aufstrebende Volksrepublik möglichst klein zu halten, sind gescheitert.
Der Schuss ging nach hinten los
Als Trump im Vorjahr versucht hatte, Peking mit gigantischen Zollmauern in die Knie zu zwingen, ging der Schuss nach hinten los. China drohte mit einem Stopp der für die USA extrem wichtigen Seltenen Erden.
Trump und Co. mussten ihr Lehrgeld für die arrogante Annahme zahlen, sie hätten nach wie vor einen Staat vor sich, mit dem sie nach Belieben Schlitten fahren könnten. Eine Kehrtwende wurde vollzogen.
Anders als bisher konfrontativ, kommt Trump seinem Gegenüber Xi nun geradezu freundlich, wenn nicht sogar bittstellerisch entgegen. Das mag Präsident Xi mit heimlicher Genugtuung erfüllen. Weit entfernt davon, dies auch öffentlich zu zeigen, demonstrierte der chinesische Staatschef dennoch politische und diplomatische Stärke, indem er den USA in Bezug auf Taiwan indirekt so massiv drohte wie nie zuvor.
Auch beim Thema Iran, wo Trump auf die Unterstützung Chinas gehofft hatte, ließ Präsident Xi seinen Staatsgast gleichsam im Regen stehen: keine Rede davon, dass Peking versuchen würde, den Iran zu zügeln. Vielmehr, so geißelte es später Chinas Außenminister, „hätte dieser Krieg nie begonnen werden dürfen“.
Fazit dieses US-Staatsbesuches in Peking: Die USA sind längst nicht mehr der alleinige Taktgeber der Weltpolitik. China gibt mit seinem Taktstock seinen eigenen Rhythmus vor. Was dieser Gipfel in Peking aber nun auch zeigte – und das lässt immerhin auf ein paar harmonischere Töne hoffen: Beide Seiten peilen eine „konstruktive strategische Stabilität“ an. Das Ziel wäre also, sich auf gemeinsame Klänge einzustimmen – statt Disharmonie, wo der Lautere sich mit aller Gewalt Gehör verschafft.
Kommentare