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Vom Roten Teppich für Trump bis zu Xis DNA: Die vielen Sorgen des Protokolls

Hunderte chinesische und amerikanische Mitarbeiter regeln in monatelanger Vorbereitung beim Treffen jedes kleinste Detail. Schiefgehen kann trotzdem einiges.
Donald Trump und Xi Jinping schütteln sich vor den Flaggen der USA und Chinas die Hände.

Ob Chinas Präsident Xi Jinping beim Staatsbankett mit den Tellern seiner Gäste ebenso verfahren lässt wie mit seinen eigenen, ist nicht bekannt. Tatsache aber ist: Beendet Xi einen Gang des Menüs, treten nicht sofort Kellner, sondern zunächst seine Sicherheitsbeamten in Aktion. 

Ihr Auftrag: sicherstellen, dass keine DNA-Spuren des Staatschefs in fremde Hände gelangen. So werden Teller und Besteck mit einer Flüssigkeit besprüht, sorgsam gesäubert und erst dann zum Abservieren weitergereicht.

Wer am Donnerstag beim großen Bankett neben wem sitzt, wann Xi Jinping spricht oder wo er Donald Trump auf wie viele Meter spazierend begleiten wird – jedes noch so kleine Detail des amerikanischen Staatsbesuchs in Peking wird seit Monaten von Heerscharen amerikanischer und chinesischer Beamten vorbereitet. 

Jeder Fauxpas muss vermieden werden

Denn in der Arena der Großmachtdiplomatie kann jeder Fauxpas eine mittlere Krise auslösen. Den unverzichtbar rettenden Rahmen jedes Politikerbesuchs liefert daher das Protokoll. Nicht umsonst nannte der französische Spitzendiplomat Hervé Alphand einst das Protokoll „den Stoßdämpfer der Weltpolitik“.

US-TRUMP-POLITICS

Die schwer gepanzerte Präsidentenlimousine - The Beast - ist bereits vor Tagen nach Peking geflogen worden

Schon lange vor US-Präsident Trump ist seine schwer gepanzerte Limousine – „the Beast“ – in Peking eingetroffen. Dann folgten die Flugzeuge für eine sichere Kommunikation, dann die Agenten des Secret Service, die alle Treffpunkte in Peking vorab untersuchen. Und noch viele Wochen davor hatten die US-Beamten aushandeln müssen, wie viele Kopfhörer, Waffen und Funkgeräte nach China eingeführt werden dürfen. Für jedes einzelne Gerät musste eine Genehmigung eingeholt werden.

Erst zum Schluss, wenn alles bis zur Nachspeise im Speiseplan ausverhandelt ist, und die Protokollbeamten dem Nervenzusammenbruch nahe sind, fliegen die Staatsgäste ein. Und dann kann noch immer so einiges schiefgehen.

Ohne Roten Teppich

Für US-Präsident Barack Obama gab es 2016 beim Besuch in Peking keinen Roten Teppich, als er aus der Air Force One stieg. In den USA nahm man dies sehr verschnupft auf. Bei Trumps letztem Staatsbesuch in China, 2017, prügelten sich seine Sicherheitskräfte mit denen des chinesischen Präsidenten in einem Nebengang der Großen Halle des Volkes.

Immerhin haben Chinas Protokollbeamte mit den amerikanischen Staatsgästen – einige Dutzend – weniger zu tun als mit dem bislang letzten Staatsbesuch aus Österreich: 2018 reisten im Schlepptau von Bundespräsident Van der Bellen 281 Personen an – der größte Staatsbesuch Österreichs in der Geschichte der Zweiten Republik.

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