Der "Geist von Qassam" ist tot: Israel eliminierte Hamas-Kommandanten
Im Küstenstreifen nannten sie ihn den "Geist" der Qassam-Brigaden, dem militärischen Flügel der islamistischen Hamas. Izz al-Din al-Haddad schloss sich bereits kurz nach der Gründung 1987 der Terrororganisation als einfaches Mitglied an, stieg bald zum Bataillonsführer auf. 2021 wurde er zum Chef der Brigaden ernannt, bis er im Vorjahr nach der Tötung von Hamas-Chef Mohammad Sinwar zum Militärchef ernannt wurde.
Schon lange hatten ihn die israelischen Streitkräfte am Schirm, bisher ist ihm immer die Flucht gelungen – was ihm auch den Spitznamen einbrachte. Israel hatte zuletzt ein Kopfgeld von 750.000 US-Dollar auf den 56-Jährigen ausgesetzt. Mindestens sechs Attentaten soll er, im Gegensatz zu seinen Söhnen, seit 2008 entgangen sein. Bis ihn die Israelis am Freitag bei einem Angriff in Gaza-Stadt eliminierten. Die Hamas hat die Tötung offiziell nicht bestätigt, doch fand am Samstag in einer Moschee in Deir al-Balah eine Trauerfeier statt.
Es ist der ranghöchste und einflussreichste Hamas-Funktionär, der seit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens im Oktober von Israel getötet wurde. Haddad war weit mehr als "nur“ Militärchef – Israel sah ihn als strategischen Kopf hinter dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023.
Palästinenser tragen das Bild des getöteten Hamas-Chefs auf den Straßen von Gaza-Stadt.
"Er hat unsere Geiseln in brutaler Gefangenschaft gehalten, hat Terroranschläge auf unsere Streitkräfte organisiert und sich geweigert, die von US-Präsident Donald Trump vorgelegte Vereinbarung für eine Entwaffnung der Hamas und eine Entmilitarisierung des Gazastreifens umzusetzen", ließ das israelische Verteidigungsministerium am Samstag vermelden.
In einem Interview mit dem katarischen Sender Al Jazeera schilderte er im Jänner 2025 seine Rolle bei der Planung des Angriffs vom 7. Oktober. Im Vorjahr hatten israelische Medien berichtet, Haddad habe erst in der Nacht vor dem Massaker die Brigaden über den geplanten Angriff sowie den Plan, so viele Israelis wie möglich als Geiseln zu nehmen, informiert. Aussagen zurückgekehrter israelischer Geiseln zufolge sprach Haddad auch fließend Hebräisch. Haddad soll zum Schluss nur noch einem engen Kreis vertraut, seinen Aufenthaltsort ständig gewechselt haben.
Israel besetzt seit dem Waffenstillstand eine Pufferzone in Gaza in der Größe der Hälfte des Küstenstreifens. Experten schätzen, dass sich allein in Gaza-Stadt noch bis zu 15.000 Mitglieder der Kassam-Brigaden aufhalten. Israel fürchtet eine Wiederaufrüstung – die Hamas fertigt unter anderem aus Blindgänger der Armee neue Sprengladungen. Nach wie vor soll ein großer Teil des Tunnelsystems intakt sein.
Stockender Friedensplan
Nach dem zwei Jahre andauernden Krieg in Gaza ist die Terrororganisation zwar geschwächt, trotzdem bleibt sie die dominierende Kraft im Küstenstreifen – militärisch, politisch, organisatorisch. Immer wieder kommt es zu Kämpfen mit rivalisierenden islamistischen Gruppen. Experten schätzen, dass die Hamas nach wie vor bis zu 30.000 Kämpfer hat – ähnlich viele wie vor dem Krieg. Darunter findet sich auch eine Nachfolge für Haddad.
Trotz des offiziell geltenden Waffenstillstands gehen die Angriffe Israels auf Gaza im Schatten des Krieges gegen den Iran weiter. Laut Konfliktbeobachtungsorganisation sollen sie zuletzt wieder intensiviert worden sein. Dem Gesundheitsministerium in Gaza zufolge wurden seit dem vorübergehenden Waffenstillstand am 8. April zwischen den USA und dem Iran 120 Palästinenser in Gaza getötet. Und Donald Trumps Nachkriegsplan für den Küstenstreifen steckt aktuell sowieso in einer Sackgasse.
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