Israel als Risikofaktor beim amerikanisch-iranischen Kriegsdeal
Israel griff auch nach der amerikanisch-iranischen Übereinkunft im Libanon wieder an
Einst beste Freunde, doch heute fliegen die Fetzen zwischen US-Präsident Donald Trump und Israels Premier Benjamin „Bibi“ Netanyahu. Letzterer brachte den Chef im Weißen Haus in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zur Weißglut. Zuletzt schoss er unmittelbar vor der Übereinkunft zwischen den USA und dem Iran quer – indem er am Sonntag erneut Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardieren ließ, Hochburgen der mit Teheran verbündeten Schiiten-Miliz Hisbollah. Und selbst am Montag ging das Zündeln weiter.
"I was so pissed off"
„Why did Bibi have to do a fucking attack“ (Warum musste Bibi diesen verdammten Angriff ausführen), ging Trump laut dem Nachrichtenportal Axios am Sonntag so richtig in Saft und kriegte sich gar nicht mehr ein: „I was so pissed off“ (Ich war stinkesauer) ... He has noch fucking judgement. I let him know that“ (Er hat absolut kein Urteilsvermögen. Das ließ ich ihn auch wissen).
Netanyahu und Trump sind sich nicht mehr grün
Was den US-Staatschef just an seinem 80. Geburtstag derart in Rage brachte, waren eben die israelischen Angriffe im Libanon, die den amerikanisch-iranischen Deal fast noch scheitern ließen. „Wenn Sie (gemeint war Trump; Anm.) den Willen und die Fähigkeit nicht haben, Ihre Verpflichtungen zu erfüllen, ist es unmöglich, von einer Fortsetzung des Weges zu sprechen“, formulierte der iranische Chefunterhändler Mohammed Bager Qalibaf auf der Plattform X. Denn für Teheran muss eine Waffenruhe auch für den Libanon gelten. Letztlich erzielten die USA und der Iran doch noch die ersehnte Übereinkunft, die weltweit gewürdigt wurde.
Doch Israel bleibt der große Risikofaktor in dem fragilen Gebilde. Laut libanesischen Angaben gab es am Montag erneut israelische Attacken auf den Süden des Zedernstaates. Unter anderem seien bei einem Drohnenangriff mehrere Menschen verletzt worden. Auch die Hisbollah soll Angriffe auf Stellungen israelischer Soldaten im Südlibanon lanciert haben. Diese Basen, das strich Israels Verteidigungsminister Israel Katz hervor, werden man nicht räumen. Um die eigenen Grenzen zu schützen, werde man sich aus diesen besetzten Gebiete ebenso wenig zurückziehen wie aus jenen in Syrien und im Gazastreifen. Dies hätten er und Netanyahu gegenüber Trump deutlich gemacht. Außerdem: Sollte der Iran Israel wegen der Ereignisse im Libanon angreifen, werde das Land Vergeltung üben.
"You’re fucking crazy"
Zwischen Trump und Netanyahu kam es zuletzt immer wieder zu schweren Zerwürfnissen. So soll der US-Präsident den israelischen Regierungschef Anfang des Monats mit den Worten „You’re fucking crazy“ (Du bist völlig verrückt) angeblafft haben, als dieser mit neuen Angriffen auf Beirut gedroht hatte. Doch Netanyahu ließ sich nicht davon abbringen, was Trump in der "New York Times" zu dem ernüchternden Resümee zwang: „Er ist ein sehr schwieriger Typ.“
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