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Politik Ausland
10/07/2020

Söders Vorstoß für E-Autos: Mit Vollgas Richtung Grüne

Der bayerische Ministerpräsident und mögliche Kanzlerkandidat der Union spricht sich für ein Verbot von Verbrennungsmotoren aus.

Lederhosen und Laptop lautete früher das Motto in Bayern, sprich Traditionsbewahrung bei gleichzeitiger Modernisierung und Digitalisierung. Beide Utensilien haben unsere Nachbar jetzt bereits. Also gab nun der aktuelle Landeschef und CSU-Vorsitzende Markus Söder die neue Devise aus: Lederhosen und E-Autos. Er will den Verkauf von Verbrennungsmotoren spätestens ab 2035 verbieten. Und für diese Volte erhält er viel Zu-, aber auch Widerspruch.

Signal für Nach-Merkel-Ära

Sein Vorstoß ist bemerkenswert und könnte weit reichende Konsequenzen nach sich ziehen. Denn Söder ist nicht nur unumstrittener Ministerpräsident im BMW-Land, sondern auch heiße Aktie im Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union (CDU/CSU) im kommenden Jahr. Viele Beobachter werten die grüne Initiative des Blau-Weißen als Signal an eine schwarz-grüne Koalition in der Nach-Merkel-Ära.

Dementsprechend erhielt der 53-Jährige umgehend lautstarken Applaus von Vertretern der Öko-Partei und von Lobby-Organisationen wie Greenpeace und auch vom Umweltbundesamt. Kritik gab es unter anderem von den Ministerpräsidenten der anderen "Autoländer" Niedersachen (VW) und Baden-Württemberg (Mercedes). In Letzterem ist ausgerechnet der Grüne Wienfried Kretschmann Ministerpräsident.

Mehrheit der Deutschen dagegen

Söders Grün-Blinken ist freilich ein riskantes Manöver. Zwar ist die Mehrheit der Stadtbewohner für diese Maßnahme, die Mehrheit aller Deutschen lehnt sie aber ab. Konkret: Laut einer von der Fachzeitschrift "Automobilwoche" in Auftrag gegebenen Umfrage stehen 53 Prozent auf der Bremse, was ein Verbot von Benzinern und Diesel-Fahrzeugen betrifft, 36 Prozent wollen in absehbarer Zukunft aber nur noch mit E-Pkw Gas geben.

Junge dafür

Die "Automobilwoche" hält fest: "Städter sind mehrheitlich für einen Bann von Verbrennungsmotoren. Hier zeigt sich erneut, dass Menschen aus urbanen Regionen weniger auf das Auto angewiesen sind. Bei der Auswertung nach Parteipräferenz gibt es wenig Überraschendes. Drei von vier Grünen-Wählern sind für den Vorschlag."

Auch bei den Jüngeren zeigte sich tendenziell eher eine Zustimmung zum Verbrenner-Verbot. "In der Gruppe der 18- bis 39-Jährigen ist eine Mehrheit für ein Verbot", so die "Automobilwoche". Allerdings stellt sich die Frage, ob das derzeit Relevanz für die Strategie der Autohersteller haben wird. Denn junge Leute kaufen seltener Autos, entweder weil sie in der Stadt keines brauchen oder weil ihnen schlicht die finanziellen Mittel dazu fehlen. Der durchschnittliche Autokäufer in Deutschland ist bei den meisten Automarken deutlich über 50.

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