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USA
11/22/2016

"Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg Heil!"

Ein Treffen der "Alt Right"-Bewegung, die Donald Trump im US-Wahlkampf unterstützt hat, sorgt für Aufregung. Ihr Anführer Richard Spencer schwor die "weiße Rasse" auf den Sieg des Milliardärs ein.

von Jürgen Klatzer

"Heil unserem Volk! Sieg Heil!" Die Menge tobt, es wird gejubelt und geklatscht. Menschen reißen ihre rechten Arme in die Höhe und rufen "Heil!".

Die Szene verstört. Erinnerungen an den Nationalsozialismus werden wach. Doch am Podium steht nicht Adolf Hitler, sondern ein lächelnder Richard Spencer, Chef des US-amerikanischen Thinktanks National Policy Institute und ein Anführer der nationalistischen "Alt Right"-Bewegung, die im US-Wahlkampf den designierten Präsidenten Donald Trump unterstützt hat (Mehr dazu lesen Sie hier).

Treffen der Ultrarechten

Vor drei Tagen hielt Richard Spencer bei einem Treffen Ultrarechter in Washington eine Lobrede auf Donald Trump. Gastgeber war das National Policy Institute, laut eigener Beschreibung eine "unabhängige Organisation", die sich "dem Kulturerbe, der Identität und Zukunft Menschen europäischer Abstammung in den Vereinigten Staaten" einsetzt. Wie genau diese besagte Zukunft aussehen könnte, offenbart eine dreiminütige Videoaufzeichnung, die das US-Magazin The Atlantic am Montagabend veröffentlicht hat.

Hinter dem Rednerpult steht Spencer, soigniert, streng gekämmter Scheitel, grauer Anzug, weißes Hemd, gestreifte Krawatte. Seine Hände stützt er ab, man sieht sie nur, wenn er Passagen aus seinem Text akzentuieren möchte. Wenn er zum Beispiel "Heil Trump!" schreit, Medien als "Lügenpresse" attackiert, wie es die Nazis getan haben ("original Deutsch"), oder Juden herabwürdigt ("Man fragt sich, ob diese Leute überhaupt Menschen sind“), oder von der "Überlegenheit der weißen Rasse" spricht.

"Weiß zu sein bedeutet, ein Streber zu sein, ein Kreuzritter zu sein und etwas zu erobern", hört man den "Alt Right"-Anführer schwadronieren. "Niemand ehrt uns, wenn wir mit Würde verlieren. Niemand beklagt die großen Verbrechen gegen uns. Für uns heißt es, besiegen oder sterben." Die Weißen würden nichts von den "anderen Gruppen" brauchen, "sie brauchen uns".

Stille kennt man im Raum nicht. Kaum legt Spencer eine kurze Pause ein, folgt tosender Applaus von den rund 200 anwesenden Gästen.

Sprachrohr der Ultrarechten

Ja, die Rede provoziert (mehr zur Rhetorik der Rechten finden sie hier), vermittelt aber zugleich, wie die "Alt Right" tickt. Sie beklagt das angebliche Leid der "weißen Rasse", und räsoniert über alles, was nicht in ihr Schema passt. Neben dem Versuch, eine "weiße Identität" und westliche Werte zu bewahren, lehnen die Mitglieder kulturelle Vielfalt ab. Wie die Identitäre Bewegungen in Europa (hier dazu mehr) ist das US-amerikanische Pendant gegen Immigration, gegen Political Correctness, gegen Feminismus, gegen die Mainstream-Medien. Ihr Kampf findet vor allem online statt; in Foren, Blogs und alternativen Medien.

So zum Beispiel auf der rechten Nachrichtenseite Breitbart News, das Sprachrohr der "Alt Right"-Bewegung. Im Wahlkampf Donald Trumps spielte das Hass-Sammelbecken der Ultrarechten eine zentrale Rolle. Stephen K. Bannon, Chefberater des künftigen Präsidenten, war vor seinem Wechsel ins Trump-Team Chef von Breitbart News. "Trumps Gehirn", wie Bannon auch genannt wird, übernahm die Plattform 2012 als geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender der Breitbart News LLC, nach dem plötzlichen Tod ihres Gründers, Andrew Breitbart. Seitdem sind die Zugriffe rasant gestiegen, immer mehr Menschen informieren sich auf dem Portal der Rechten über das "Weltgeschehen".

Im US-Wahlkampf hatte der Feind ein Gesicht: Hillary Clinton. Heute ist es das Andere, das Fremde.

Spencer: "Friedliche ethnische Säuberung"

Auch der Mann auf dem Podium, Richard Spencer, ist bekannt für seine militante Rhetorik. Das 1971 gegründete Southern Poverty Law Center - vergleichbar mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) – bezeichnet Spencer als "akademischen Rassisten" und "radikalen weißen Separatisten, dessen Ziel die Etablierung eines weißen Ethno-Staates in Nordamerika ist. In seinen Schriften und Reden verteidigt er die weiße und eurozentrische Kultur." Nach seiner Ansicht wurden weiße Menschen durch eine Kombination aus einer "steigenden Geburtenzahl bei Minderheiten, Einwanderung und einer Regierungspolitik, die er verabscheut, enteignet". Der Befürworter von Donald Trump fordert deshalb eine "friedliche ethnische Säuberung".

Am vergangenen Samstag wollte Spencer davon allerdings nichts wissen. In Gesprächen bemühte er sich, jegliche Nähe zum NS-Gedankengut abzustreiten. Er hätte versucht, zu kalmieren, seine Worte, die er in der Vergangenheit gewählt hat, zu beschönigen. So hätten die Teilnehmer über eine angebliche Marginalisierung der Weißen gespochen und die Trennung von Volksgruppen gefordert - auf "friedlichem Wege".

Das alles sei allerdings vor dem Dinner gewesen, schreibt The Atlantic. Denn danach habe es keinen Zweifel mehr gegeben, warum sich die nationalistische Gruppierung hier zusammengefunden hat. Die Hasstiraden nahmen seinen Lauf, das Ende hört sich wie eine Drohung an: "Amerika war bis zu dieser vergangenen Generation ein weißes Land, das für uns und unsere Nachkommenschaft entworfen wurde. Es ist unsere Schöpfung, es ist unser Erbe, und es gehört uns."

Spencers Zuhörer stimmten ihm mit Applaus zu - mit hochgerissenen Armen.

Reaktionen von Trump

Kurz nach der Rede Spencers reagierte das Holocaust Museum in Washington mit Abscheu. "Wir sind von der hasserfüllten Rhetorik der Konferenz zutiefst alarmiert." Der Holocaust, die Vernichtung der europäischen Juden, habe nicht mit Töten begonnen, erklärte das Museum, sondern mit Worten. "Wir rufen alle amerikanischen Bürger, unsere religiösen und zivilen Anführer und die Führung aller Teile der Regierung dazu auf, rassistischem Denken und spalterischer Hetze entgegenzutreten."

Auch ein Sprecher von Trumps Übergangsteam erklärte, dass der künftige US-Präsident "wiederholt jede Art von Rassismus zurückgewiesen" habe und ein Präsident "für jeden Amerikaner" sein werde. Trump hat seinen Wahlkampf mit heftigen Attacken gegen Einwanderer und Mexikaner bestritten (mehr dazu lesen Sie hier).