Proteste gegen Stephen Bannon

© APA/AFP/DAVID MCNEW

Trump-Berater Stephen Bannon
11/17/2016

Wer die alternativen Rechten sind - und was sie wollen

Mit Donald Trumps Chefberater Stephen Bannon sind die alternativen Rechten ins Weiße Haus eingezogen.

von Thomas Trescher

Viele Posten hat der gewählte Präsident Donald Trump noch nicht vergeben, aber einen Mann hat er umgehend mit einer Stelle belohnt, noch dazu mit der bedeutenden des Chefberaters: Stephen K. Bannon. Vermutlich wird es kaum eine andere Besetzung geben, die einen ähnlichen Unmut hervorruft. Bannon hat am Ende Trumps Wahlkampf geleitet, zuvor war er Chef der Seite breitbart.com, die als Sprachrohr der „Alt-Right“-Bewegung gilt. Aber was ist diese „alternative Rechte“ eigentlich? Die kurze Antwort lieferte der Comedian Stephen Colbert neulich in seiner „Late Show“: „Here’s how to understand the alt-right: think about what’s right, then think about the alternative to that.“ Die lange Antwort ist ein bisschen komplizierter.

„Krieg gegen das Weiße Amerika“

Den Begriff prägte zunächst Richard Spencer, der an die Überlegenheit der Weißen glaubt und einen Blog mit dem Titel „Alternative Right“ betreibt. Der heutige Blogeintrag trägt etwa die Headline: „Ich diskriminiere.“ Laut der NGO „Southern Poverty Law Center“ ruft Spencer zu einer „friedvollen ethnischen Säuberung“ auf und hält Martin Luther King für „degeneriert“ und einen „Betrüger“. Spencer denkt und spricht radikal, aber immer ruhig, bedacht und mit einem akademischen Anstrich. Er ist Präsident des Think Tanks „National Policy Institute“, der von einem „Krieg gegen das Weiße Amerika“ spricht.

Die Ideologie der „Alt-Right“-Bewegung ist nicht genau festzumachen, schreibt die Nachrichtenagentur Associated Press, aber neben dem Versuch, eine „weiße Identität“ zu bewahren, sind die Ablehnung von kultureller Vielfalt und die Verteidigung westlicher Werte ihre Ziele. Vor allem aber sind die alternativen Rechten dagegen: Gegen Immigration, gegen Political Correctness, gegen Feminismus, gegen die Mainstream-Medien. Ihr Kampf findet vor allem online statt; in Foren, Blogs und alternativen Medien. Die alternative Rechte sieht sich als radikalere, aber auch jüngere Alternative zum konventionellen Konservatismus der Republikaner.

„Alt-Right“-Held Donald Trump

Donald Trump ist ihr Held, und das hat vor allem zwei Gründe: Einerseits ist er auch kein klassischer Konservativer, hat er die Nominierung gegen Widerstände in der republikanischen Partei erkämpft. Andererseits ist er selbst eine Art Internet-Troll. Als er im Wahlkampf ein Foto Clintons vor einem Berg Geld und mit einem an einen Davidstern erinnernden Button twitterte, und mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert war, fand ein Journalist der Seite mic.com heraus, dass das Foto aus einem „Alt-Right“-Forum stammte.

Im August warnte die gescheiterte Kandidatin Hillary Clinton bei einer Rede in Reno, Nevada vor der „Alt-Right“-Bewegung und ihren Kontakten zu Donald Trump – und brachte die Bewegung damit auf die nationale Bühne. Zur großen Freude der führenden Köpfe der „Alt-Right“—Bewegung. „Morgen wird uns jeder googeln“, sagte damals Mike Cernovich zum New Yorker. „Wir haben die Mainstreammedien verloren, aber wir können auf Twitter das Narrativ kontrollieren.“ Cernovich war einer jener, die verbreiteten, dass Clinton schwer krank sei und überschwemmte das Netz mit Gerüchten dazu. Ihre Rede sei „das Dümmste gewesen, das sie tun hätte können“.

Der „gefährlichste politische Agent Amerikas“

Die Clinton-Rede sei „ein drive-by-shooting mit einer Wasserpistole“ gewesen, schrieb auch Milo Yanniopoulis am nächsten Tag auf breitbart.com. Die Seite sei „eine Plattform der Alt-Right-Bewegung“, sagte der damalige Chef Stephen Bannon im Sommer. Headlines auf breitbart.com waren unter anderem: „Hisst sie hoch und stolz: Die Konföderierten-Flagge ist eine glorreiches Kulturgut“, „Die Pille macht Frauen unattraktiv und verrückt“, „Bill Kristol: Republikanischer Spielverderber, abtrünniger Jude“, „Homosexuellenrechte haben uns dümmer gemacht“ oder „Wäre es Ihnen lieber, dass Ihr Kind Feminismus oder Krebs hat?“. All das wurde publiziert unter der Ägide von Bannon, der nun eben Trumps wichtigster Berater ist. Er sei „der gefährlichste politische Agent Amerikas“ war die Conclusio eines Porträts bei Bloomberg. 16 Millionen Unique User erreicht Breitbart pro Monat, aber noch viel wichtiger ist, wie sehr sich die Inhalte in den sozialen Medien verteilen. Die Interaktionsraten auf Facebook waren laut spiegel.de in der Wahlnacht höher als jene von CNN oder der New York Times.

Der „Alt-Right“-Nationalismus spricht vor allem junge Menschen an; und zwar solche, die man nicht sofort als Rechtsradikale identifizieren würde. Und das klingt nicht zufällig nach den Identitären, die in Österreich in den vergangenen Monaten immer wieder für Aufregung sorgten. Richard Spencer sieht sich als Identitärer. Und Breitbart fand immer wieder lobende Worte für die identitäre Bewegung in Europa. Der Economist veröffentlichte in der aktuellen Ausgabe einen mit „Rassisten in Skinny Jeans“ überschriebenen Artikel, der sich unter anderem mit dem Anführer der Identitären in Österreich, Martin Sellner, beschäftigt und die Identitären als Antwort auf die „Alt-Right“-Bewegung in den USA sieht. Die Ideologie sei dieselbe, schreibt der Economist, „von Indianapolis bis Innsbruck“.

Dieses Potential hat auch Breitbart erkannt: Kurz nach dem Wahlsieg Trumps verkündete das Portal, nach Paris und Berlin expandieren zu wollen. In London hat Breitbart schon ein Büro, dort trommelte es für den Brexit - und war bekanntlich auch damit erfolgreich.

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