JD Vance in Ungarn: Orbán hofft auf Wahlkampfhilfe
Vizepräsident JD Vance bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend.
Zusammenfassung
- US-Vizepräsident JD Vance besucht Budapest und hält mit Orban eine Rede zur bilateralen Partnerschaft.
- Orban erhofft sich durch Vances Besuch und Trumps Unterstützung Vorteile für die bevorstehende Parlamentswahl.
- Trotz enger Beziehungen zwischen Orban und Trump zweifeln Beobachter an der wahlentscheidenden Wirkung des Besuchs.
Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Ungarn erwartet Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban den US-Vizepräsidenten JD Vance in Budapest. Der Gast aus Washington will heute Abend bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Orbán in einem Budapester Sportzentrum eine Rede halten, deren Thema nach Angaben des Weißen Hauses die "reichhaltige" bilaterale Partnerschaft sein soll. Vor dem gemeinsamen Auftritt wollen Vance und Orbán bilaterale Gespräche führen.
Von Vances Besuch erhofft Orbán sich höhere Chancen für einen Wahlsieg. Umfragen signalisieren seit Monaten, dass der Rechtspopulist die Wahl am kommenden Sonntag verlieren könnte.
Es wird erwartet, dass Vance seinem Gastgeber im Namen von US-Präsident Donald Trump Unterstützung bekundet. Denn Orbán pflegt seit langem gute Beziehungen zu Trump. Beobachter zweifeln allerdings daran, dass dieser Auftritt wahlentscheidend sein könnte.
Trump hofft, dass Orbán die Wahl gewinnt
Zuletzt hatte Trump im März dieses Jahres seine Unterstützung für Orbán bekundet: "Er (Orbán) hat meine völlige und totale Zustimmung", sagte Trump in einer Video-Botschaft an eine Konferenz in Budapest, an der auch Orbán teilnahm. "Ich hoffe, dass er (die Wahl) gewinnt, und zwar haushoch", sagte Trump weiter. Orbán sei ein "starker Führer".
Bereits vor Trumps Wiederwahl zum US-Präsidenten hatten sich seine Kontakte mit Orbán verstärkt. Zweimal besuchte der Ungar Trump 2024 in dessen privater Residenz in Mar-a-Lago in Florida: Im März rühmte Orbán seinen Gastgeber als "Präsident des Friedens", der ein baldiges Ende des russischen Kriegs gegen die Ukraine herbeiführen werde.
Nur wenige Monate später, im Juli 2024, läutete Orbán mit einem weiteren Besuch bei Trump die damals beginnende turnusmäßige EU-Ratspräsidentschaft seines Landes ein - nur eine Woche nach einem Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Erneut rühmte Orbán dabei Trump als Friedensstifter.
Orbán trotz Misstönen Gefolgsmann Trumps
Einen kleinen Misston brachte allerdings Orbáns Visite bei Trump im Weißen Haus im November 2025. Anschließend hatte der ungarische Regierungschef seiner Delegation gesagt, dass sein Land nun im Falle eines "spekulativen oder politischen Angriffs" aus dem Ausland auf "einen amerikanischen Finanzschutzschild zählen" könne, wie regierungsnahe ungarische Medien damals berichteten. Tage später nannte Orbán in einem Interview auch die Summen, die er aus den USA erhoffe: 10 bis 20 Milliarden US-Dollar oder Euro. Trump erklärte später, dass er keine Finanzmittel in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar zugesagt habe. "Nein, ich habe ihm das nicht versprochen, aber er hat sicherlich danach gefragt", sagte er dem Nachrichtenportal "Politico".
Dennoch zeigte sich Orbán weiter als Gefolgsmann des US-Präsidenten: Als einziger EU-Regierungschef nahm er als Vollmitglied an der ersten Sitzung von Trumps umstrittenem "Friedensrat" (Board of Peace) teil.
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