© REUTERS/TIM BARSOE

Politik Ausland
11/09/2021

In Dänemark rächt sich der Herbst ohne Corona-Maßnahmen

Im Sechs-Millionen-Einwohner-Land schien es zwei Monate lang so, als hätte es die Pandemie nie gegeben. Jetzt muss die Regierung wieder reagieren.

von Johannes Arends

Der Spätsommer 2021 war in Dänemark ein besonderer. Anders in fast allen anderen europäischen Ländern machten die Dänen eine Art Zeitreise durch: Keinerlei Ausgangs- oder Zugangsbeschränkungen, niemand bat um Impf- oder Testnachweise, nicht einmal eine Maskenpflicht galt mehr, auch nicht in Innenräumen. Ein Leben wie aus präpandemischen Zeiten.

Doch mit der gelebten Freiheit ist es inzwischen vorbei. Dänemark verzeichnet seit Oktober wieder stark steigende Infektionszahlen, im Schnitt mehr als 2.300 in der vergangenen Woche. Auch die Zahl der Intensivpatienten ist so hoch wie zuletzt im Februar. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen gab deshalb bei einer Pressekonferenz am Montagabend bekannt, das öffentliche Leben wieder einschränken zu wollen. Ist das Experiment gescheitert - oder hatte man mit einem Wiederanstieg der Zahlen gerechnet?

Noch Anfang Juni begann die Kurve der Neuinfektionen im Königreich stark zu sinken, trotz zwischenzeitlicher Wellenbewegungen blieben die Zahlen im niedrigen dreistelligen Bereich. Die dänische Regierung ließ deshalb am 10. September alle bisher verhängten Maßnahmen aufheben, auch weil die Durchimpfungsrate stets hoch war im europäischen Vergleich. Aktuell sind mehr als 75 Prozent der Dänen doppelt geimpft.

Die Folge war ein Herbst wie vor zwei Jahren: Im Grunde trug niemand mehr Maske, auch in vollen Bars, im Fußballstadion oder bei Konzerten nicht. Von Abstandhalten in Aufzügen oder Öffis keine Spur, auch das eifrige Händeschütteln erlebte ein sorgenfreies Comeback. Einzig die meist unbenutzten Desinfektionsmittel-Spender ließen Erinnerungen an die Pandemie aufkommen.

Die 3-G-Regel ist zurück

Dass die Zahlen in weiterer Folge wieder ansteigen würden, hatte man im Königreich erwartet. Gesundheitsminister Magnus Heunicke sprach stets davon, die Infektionskurve "ganz genau beobachten" zu wollen. Von Expertinnen und Experten hat es aber immer wieder Kritik an den stark gelockerten Zügeln der Regierung gegeben.

Nun scheint also ein Punkt erreicht, an dem man sich zu einer Reaktion gezwungen sieht: Der sogenannte Corona-Pass soll wieder eingeführt werden, im Grunde die dänische Variante der 3-G-Regel: Mit ihm können die Bürgerinnen und Bürger nachweisen, ob sie geimpft, genesen oder kürzlich getestet worden sind. Ohne einen solchen Nachweis soll künftig der Besuch von Gastronomie und Veranstaltungen sowie von Krankenhäusern und Pflegezentren nicht mehr möglich sein. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag wird heute dem Epidemieausschuss des dänischen Parlaments unterbreitet.

Zudem soll Covid-19 wieder offiziell als "gesellschaftsbedrohende Krankheit" kategorisiert werden, so Ministerpräsidentin Frederiksen. Dieser Status war zwischenzeitlich ebenfalls aufgehoben worden. Ob mit oder ohne Kategorisierung -  das Virus war nie weg. Auch wenn Dänemark alles dafür tat, so zu tun, als ob.

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