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Politik Ausland
01/06/2022

Haft und Einsicht: Was aus den Stürmern des Kapitols wurde

70 Urteile wurden bis dato gesprochen, teils warten auf Trump-Anhänger mehrere Jahre Gefängnis. Reue zeigen nicht alle.

von Dirk Hautkapp

Rund 10.000 Menschen folgten am 6. Jänner 2020 dem Aufruf "ihres" Präsidenten und zogen nach einer aufpeitschenden Rede Trumps von der Südseite des Weißen Hauses zum Kongress. Die ungezügelte Gewalt gegen die Symbole des Staates sind auf Tausenden Handy-Videos festgehalten, die FBI und Staatsanwaltschaften bis heute auswerten.

Inzwischen sind über 730 Männer und Frauen, die an den Ausschreitungen beteiligt waren, angeklagt worden; 75 davon, weil sie Mitglieder der zahlenmäßig hoffnungslos unterlegenen Kapitolspolizei mit "gefährlichen oder tödlichen Waffen" angegriffen hatten.

Bis dato sind 70 Urteile ergangen, darunter 31 Gefängnisstrafen. Die bisher höchste – fünf Jahre – bekam Robert Scott Palmer, ein 54-Jähriger aus Florida, der einen Polizisten brutal mit einer Stange und einem Feuerlöscher traktiert hatte. Heute bereut Palmer seine Taten. In einem Brief an die für ihn zuständige Richterin erklärte er, von Donald Trump mit der "falschen Erzählung" angestachelt worden zu sein, "gegen die Tyrannei aufzustehen". "Mir war nicht bewusst, dass sie die Tyrannen waren", sagt Palmer über Trump & Co., "die um jeden Preis an der Macht bleiben wollten."

Von Jacob Chansley, der mit seinem markanten Kopfschmuck als "Schamane2 des QAnon-Kults weltweit auf sich aufmerksam machte, ist derlei Einsicht nicht bekannt. Gegen seine Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren hat Chansley Berufung eingelegt.

"Trump soll Ruhe geben"

Hunderte Verfahren stehen noch aus, darunter jene gegen Mitglieder rechtsextremer Gruppierungen wie den "Oath Keepers" und "Proud Boys". Sie waren es, die am 6. Jänner die Aufrührer ins Kongressgebäude lotsten.

Dagegen stehen bislang 60 Urteile, die Trumps Behauptung, ihm sei die Wahl gestohlen worden, widerlegen: Offizielle Nachuntersuchungen in sechs Schlüssel-Bundesstaaten ergaben, dass weniger als 500 Wahlzettel anfechtbar waren. Insgesamt wurden hier 25 Millionen Stimmen abgegeben. "Die Fehlerquote war für das Endergebnis unerheblich", sagen selbst republikanische Wahlverantwortliche, "Biden hat eindeutig gewonnen. Trump soll endlich Ruhe geben."

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