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Politik Ausland
11/15/2019

Soros in Wien: "Orbán war entschlossen, die CEU zu zerstören"

Der Orbán-Intimfeind bedankte sich bei den CEU-Mitarbeitern für ihre Energie gegen die "ständigen Attacken" des Premiers.

von Karoline Krause-Sandner

Der ungarischstämmige US-Milliardär George Soros hat die Central European University 1991 in Budapest gegründet. Die „CEU“ wird von Freunden, aber auch von ausgesprochenen Gegnern des streitbaren 89-Jährigen meist kurz „Soros-Uni“ genannt.

Der Gründer und Geldgeber der CEU ist für die Eröffnung – nach der durch einen Rechtsstreit mit der ungarischen Regierung erzwungenen Übersiedelung –  der Privatuni nach Wien gekommen. Der Mann, dessen Name von Europa bis in die USA in aller Munde ist, mag zwar kein Lob und lange Einleitungen, wie Rektor Michael Ignatieff bei den Feierlichkeiten am Freitag betonte. Doch in einem Talar sprach er ein paar Sätze zu den Ehrengästen.

 

Soros bedankte sich für den freundlichen Empfang der Bildungseinrichtung in Wien und zeigte sich auch bei Bürgermeister Michael Ludwig und Bildungsministerin Iris Rauskala, die vor ihm Reden hielten, erkenntlich.

Ihre „Großzügigkeit“ und nicht zuletzt die „Energie“ der CEU-Belegschaft rund um Rektor Ignatieff hätten den Umzug erst möglich gemacht. Die von ihm gegründete Universität hätte eine fast 30 Jahre lange Erfolgsgeschichte hinter sich.

George Soros war diese Woche in Wien mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen" ausgezeichnet worden. Auch dort betonte er bereits, dass er sich auf "viele Jahre der Kooperation" mit der Stadt freue.

Warmherziger Empfang

Das „Prinzip der akademischen Freiheit“ habe man erfolgreich gegen die „ständigen AttackenViktor Orbáns verteidigt, der „wild entschlossen“ gewesen sei, die Einrichtung „zu zerstören“. Orbán leite ein „repressives Regime“, der Kampf dagegen sei längst noch nicht vorbei.

Die ungarische Regierung habe die CEU zwar aus Budapest zum Teil vertrieben, und doch sei man „moralisch verpflichtet“ vor Ort eine Dependance zu erhalten, so George Soros in Wien. Nicht zuletzt deshalb, weil Mitarbeiter, Studenten und Unterstützer anderer Universitäten in den vergangenen Jahren für die CEU auf die Straße gegangen seien, um Solidarität zu zeigen.

Das ringt dem Publikum einen langen Applaus ab. Und am Ende belohnt es den Geldgeber, der mehrere Millionen Euro in diese Einrichtung gesteckt hat, mit standing Ovations. "Das sagt wohl alles", sagt Rektor Ignatieff.

Auch Michael Ingatieff bedankte sich in seiner Rede bei der Eröffnung mehrmals bei der Stadt Wien: "Man vergisst nicht, wer in schweren Zeiten zu einem gestanden ist", sagte er bei der Eröffnung und erzählte, wie der Vorgänger von Michael Ludwig, Michael Häupl, wenige Tage nach Aufkommen des politischen Streits mit der ungarischen Regierung angerufen hatte.

Der KURIER traf Ignatieff vor den Feierlichkeiten. Er werde "nicht in Wien sitzen und Viktor Orbán kritisieren", sagte er in einem sehr politischen Interview.