Der Oberbefehlshaber: General Min Aung Hlaing

© REUTERS/STRINGER

Politik Ausland
03/30/2021

Freund in blutigen Zeiten: Russland stützt Myanmars Militär

Während viele das brutale Vorgehen gegen das eigene Volk verurteilen, intensiviert Russland die Beziehungen. Nicht ohne Kalkül.

von Philipp Albrechtsberger

Schlachtfeld und Zeremonienort – die Straßen Myanmars waren am vergangenen Wochenende beides. Während das eigene Volk mit Kopfschüssen ermordet wurde, feierte sich nicht unweit davon die Armee selbst. Die jährliche Parade wollte sich das Militär nicht nehmen lassen, dabei markierte der diesjährige „Tag der Streitkräfte“ einen neuen Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des südostasiatischen Landes.

Der UNO-Sondergesandte für Menschenrechte sprach von „Massenmord“, nachdem die großteils friedlichen Proteste der Bevölkerung gegen die Anfang Februar erfolgte Machtübernahme durch das Militär brutal niedergeschlagen worden waren.

Die USA sind „entsetzt über das Blutvergießen“, selbst China, ein enger und wichtiger Verbündeter Myanmars, geht mittlerweile auf Distanz. Der ranghöchste Gast bei der Parade kam nicht aus Peking, sondern aus Moskau. Ein „echter Freund“ sei Russland, erklärte der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Min Aung Hlaing.

Die Freundschaft ist zwar nicht neu, aber dennoch gerade jetzt intensiviert worden. Russland ist der zweitwichtigste Waffenlieferant des Landes nach China, zudem auch in der Ausbildung federführend: „Die Streitkräfte Myanmars haben besonderen Zugang zu den russischen Akademien“, sagt Gerhard Mangott zum KURIER.

Für den Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck sind die Bemühungen Moskaus wohl kalkuliert: „Russland ist opportunistisch in der Außenpolitik. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, ergreift man diese einfach“, betont der Russland-Experte. Der Kreml möchte im asiatischen Raum nicht ausschließlich von China abhängig sein, „deshalb gilt es, die Beziehungen zu anderen Staaten in der Region fein auszubalancieren, gleichzeitig aber China nicht damit zu verstimmen“.

Noch Anfang Februar hatten Peking und Moskau gemeinsam darauf bestanden, dass in der Stellungnahme des UN-Sicherheitsrates zur Machtübernahme in Myanmar nicht von einem Putsch gesprochen wird.

Im kürzlich vorgestellten Fünf-Jahres-Plan Chinas will Moskau mehr als nur eine Randnotiz sein. Peking plant bis 2035 eine Verdopplung des Bruttoinlandsprodukts. Dafür nötig sein wird massenhaft Energie, die – so der Kreml-Plan – russische Pipelines liefern sollen. Einer der Hauptkonkurrenten am asiatischen Energiemarkt ist Myanmar, der neue, alte Freund.

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