Erstmals größere Straßenmärsche gegen Chinas Null-Covid-Strategie

Erstmals größere Straßenmärsche gegen Chinas Null-Covid-Strategie
Videos zeigen, wie Menschen gegen den bevorstehenden Lockdown in der Wirtschaftsmetropole Guangzhou protestieren und sogar Barrikaden stürmen.

Aufgrund der harschen Null-Covid-Strategie der chinesischen Regierung dürfen Chinesen in fast allen wichtigen Großstädten des Landes ihr Zuhause nicht mehr verlassen. Besonders schwer getroffen zeigt sich aktuell die südchinesische Wirtschaftsmetropole Guangzhou, wo die Angst vor einem stadtweiten Lockdown wie zuletzt im Mai in Chinas größter Stadt Shanghai angesichts steigender Corona-Fallzahlen wächst.

Erstmals seit Beginn der Pandemie kam es in der 19-Millionen-Einwohner-Metropole Guangzhou nun zu Straßenprotesten der Bevölkerung. Das legen mehrere Videos nahe, die sich im Verlauf der Woche in den sozialen Medien verbreiteten.

Darin ist zu sehen, wie Menschen im Stadtteil Haizhu bei Protestmärschen Barrikaden der Gesundheitsbehörden durchbrachen und teilweise sogar gemeinsam mit Beamten in weißen Schutzanzügen durch die Straßen stürmten. Auch die britische Nachrichtenagentur Reuters teilte ein solches Video:

Am Donnerstag verbreiteten sich dann Videos, in denen die Gesundheitsbehörden hart gegen die Protestierenden vorgehen. In einem Video, das unter anderem von Josef Dollinger, ORF-Korrespondent in Peking, geteilt wurde, werden zwei Frauen gegen ihren Willen gefesselt:

Zuvor waren schon ähnlich dystopische Bilder wie beim chaotischen Lockdown in Shanghai im Sommer verbreitet worden: Aufrufe zur Selbstisolation, die mithilfe von an Drohnen fixierten Lautsprechern über den Dächern der Stadt verkündet wurden:

Die Authentizität des verbreiteten Bildmaterials kann aufgrund der schwierigen Informationslage nicht endgültig bestätigt werden, auch weil im größten chinesischen sozialen Netzwerk Weibo entsprechende Beiträge nach kurzer Zeit zensiert werden. Mehrere Hashtags zum Thema "Unruhen" lieferten auch am Donnerstag noch keine Ergebnisse aus der Region. Offizielle Stellungnahmen der Stadtregierung Guangzhou oder der übergeordneten Provinz Guangdong gab es bisher keine.

Studenten und Lehrpersonal in Universität Peking eingeschlossen

In der Hauptstadt Peking setzt die örtliche Gesundheitsbehörde inzwischen auf gegenteilige Maßnahmen. Wie die Universität Peking am Mittwoch mitteilte, dürfen Studierende und Lehrkräfte den Campus nicht mehr verlassen und müssen sich noch vor Ort einem Massentest unterziehen, weil ein einziger Student positiv auf das Coronavirus getestet wurde. In ganz Peking wurden 370 positive Fälle gemeldet.

Schon jetzt nagen die abgeriegelten Großstädte an der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt: Die Weltbank prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von unter drei Prozent, so wenig wie zuletzt 1990. Erstmals seit Jahrzehnten dürfte Chinas Wirtschaft damit prozentuell langsamer wachsen als jene Österreichs (IWF-Prognose: 4,7 %).

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