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Dua Lipa auf der Seite der Flamingos

Der größte Popstar Albaniens stellt sich auf die Seite der jungen Protestbewegung, die seit Wochen gegen Kushners Luxusressort und die Regierung auf die Straße geht.
Sängerin Dua Lipa während ihrer Abschlussshow der „Future Nostalgia“-Tour anlässlich des 110. Jahrestags der Unabhängigkeit Albaniens auf dem Skanderbeg-Platz in Tirana, Albanien, am 28. November 2022.

Flamingos auf den Straßen Tiranas: Seit Wochen halten die Demonstrationen, die vor allem von der jungen Bevölkerung getragen werden, gegen das 1,6 Milliarden Euro teure Luxusimmobilienprojekt eines Tochterunternehmens der Private-Equity-Firma von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in Albanien an. Die Flamingos aus Holz und Styropor oder auf Plakate gezeichnet stehen für das Naturschutzgebiet, in dem gebaut werden soll. Selbst Einschüchterungsversuche der Regierung tun den Demos keinen Abbruch: Auf die Behauptung, sie würden von ausländischen Agenten bezahlt, reagierten die Demonstrierenden mit Humor und schrieben auf ihre Plakate: „Wir hassen euch gratis“, es gibt Berichte von plötzlichen Entlassungen, Spitzel sammeln die Daten von Protestierenden, Sicherheitskräfte gehen gewaltsam gegen Demonstrierende. Längst treibt die generelle Wut über das politische System die Menschen auf die Straße, der Ärger richtet sich sowohl gegen die Regierung von Edi Rama als auch die großen Oppositionsparteien.

Großer Protest am 4. Juli in Tirana.

Großer Protest am 4. Juli in Tirana.

In der siebten Woche des Protests bekommen die Menschen Unterstützung von der kosovo-albanischen „inoffiziellen Königin“, wie sie Drilon S. Gashi, Botschafter des Kosovos in Polen, einmal nannte: Dua Lipa. Die 30-Jährige, Tochter kosovo-albanischer Eltern und in London aufgewachsen, ist aktuell eine der erfolgreichsten Pop-Sängerinnen der Welt. „Ich will nicht, dass die Menschen den Kosovo nur als kriegszerrüttetes Land wahrnehmen“, sagte Dua Lipa einmal in einem TIME-Interview, mittlerweile hat sie neben der britischen die albanische und kosovarische Staatsbürgerschaft und hat mit Gratis-Konzerten in ihren Heimatländern am Balkan in viele Herzen gesungen.

Ihre Popularität nutzt die Sängerin auch für politische Äußerungen: Bei den US-Wahlen rief sie auf, nicht für Trump zu stimmen. Den britischen Premier Keir Starmer forderte sie gemeinsam mit anderen bekannten Künstlern und Schauspielern auf, britische Waffenexporte nach Israel zu stoppen und so die „Mitschuld“ an den Gräueln im Gazastreifen zu beenden.

Parlament hat Naturschutz aufgeweicht

In einem Podcast mit der albanischen Politikwissenschaftlerin Lea Ypi sagte Lipa: „Ich finde es so inspirierend zu sehen, wie sehr sich die Menschen wirklich dafür interessieren.“ Und findet kritische Worte an die Regierung von Edi Rama: „Was mich wirklich beunruhigt, ist der Grundsatz, dass die Regierung einfach das Gesetz ändern könnte, um den Umweltschutz ohne jegliche öffentliche Konsultation aufzuheben.“

Lange war das umstrittene Bauprojekt unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit gelaufen, das albanische Parlament hatte im Dezember 2024 – wenige Monate nach Trumps Wahlsieg – eine EU-widrige Gesetzesänderung getroffen, um den Schutz von ökologisch sensiblen Gebieten aufzuweichen und Bauvorhaben in Landschutzgebieten wie auf der stillgelegten Militärinsel Sazan in der Lagune von Zvërnec zu ermöglichen. Im Jänner 2025 wurde der Kauf der Insel vorläufig genehmigt.

Für Furore sorgten dann Ende Mai Stacheldraht und Bulldozer rund um das Naturschutzgebiet. Und Trump-Tochter Ivanka, die vom geplanten Luxusressort schwärmte und öffentlich erzählte, wie sie die verlassene Insel entdeckt habe – vom Boot eines Freundes aus sei sie zur Insel geschwommen, habe diese bloßfüßig erkundet und sich in sie verliebt. Die New York Times schickte unlängst einen Reporter zur Stippvisite auf die Insel, der von wuchernden Brombeersträuchern, alten Minen und steinigen Wegen berichtete und damit Trumps Schwärmerei untergrub: „Sie muss sehr robuste Füße haben.“

Größte Investition im post-kommunistischen Albanien

Bisher hatte Rama das Bauprojekt – die größte Investition, die der ehemalige kommunistische Staat je erlebt hat – als „Segen“ für das Land verteidigt und eine Absprache mit Kushners Firma an der Gesetzesaufweichung abgestritten. Kushner ist bekanntlich in mehrere Großprojekte am Balkan involviert, einige Pläne musste er wegen Protest aber bereits auf Eis legen. Zuletzt wurden neue Umweltverträglichkeitsprüfungen eingeleitet.

Auf den Straßen Tiranas motiviert Lipas Unterstützung viele jüngere Albaner, die sie als Idol verehren. „Wir protestieren nun schon seit 45 Tagen, und es gibt kein Anzeichen dafür, dass die Proteste bald enden werden“, zitiert der britische Guardian einen Protestierenden. Schließlich singt die Sängerin selbst: „Ich werde nicht schweigen, denn zu schweigen ist dasselbe wie zu sterben“ (Swan Song).

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