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Politik Ausland
02/10/2021

Lockdown bis 7. März - Merkel warnt: "Wir werden mit einem neuen Virus leben"

Nach langem Lockdown gehen die Infektionszahlen zurück, doch aus Sorge vor Mutationen werden die Maßnahmen bis 7. März verlängert.

von Sandra Lumetsberger

Ein neuer Haarschnitt oder einfach ausgiebig shoppen – darauf werden die Menschen in Deutschland noch etwas warten müssen. Trotz der vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen (die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 68 pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, in Österreich bei 100) wird anders als nach der ersten Welle im Sommer nicht wieder geöffnet, sondern weiter auf die Bremse gedrückt. Der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wollen Bund und Länder bis 7. März verlängern.

"Werden mit einem neuen Virus leben"

Das hat einen guten Grund, wie Kanzlerin Angela Merkel nach den Beratungen mit den Ministerpräsidenten erklärte. Die bisher verhängten Maßnahmen zeigen Wirkung. Es gebe aber die Virusvarianten und es deute sich eine dritte Welle an, die bekämpft werden müsse. Dies könne um so besser geschehen, je mehr die Infektionszahlen heruntergingen und man in der Lage sei, Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen, erklärte sie gewohnt nüchtern und trocken. Und ließ dann doch durchblicken, was sie besorgt. Die Mutation werde die Oberhand gewinnen, so Merkel. "Das alte Virus wird verschwinden. Wir werden mit einem neuen Virus leben. Und dieses neue Virus und sein Verhalten können wir noch nicht einschätzen."

Eine Frage von Wochen

Ähnlich warnen Experten wie Melanie Brinkmann, Virologin vom Helmholtz Zentrum. Es sei nur noch eine Frage "von wenigen Wochen", bis die Mutationen sich auch hierzulande durchsetzen würden, sagte sie jüngst im Interview mit dem Spiegel. Sie gehört zu den Wissenschaftlern, die die Regierung  beraten. Und vertritt eine besonders strikte Linie. Aus ihrer Sicht müssten die Zahlen auf "Null" gesenkt werden. Man würde nach einer Lockerung nur regionale Ausbrüche haben, die einfacher einzudämmen wären.

Eine Strategie, die im Kanzleramt bekannt ist, ebenso die Tatsache, wie schwer sie zu vermitteln ist. Denn mit den sinkenden Zahlen wächst die Ungeduld – vor allem bei der Wirtschaft und im Handel. Je länger das Land im Lockdown feststeckt, desto größer könnten die Folgen sein. Auf der anderen Seite kann eine Lockerung wieder dazu führen, dass alles heruntergefahren wird.

Wie sich das alles in der Bevölkerung niederschlägt? Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa vor drei Wochen zeigte, dass eine knappe Mehrheit die Maßnahmen angemessen findet. Einem Viertel gehen sie zu weit. Die Lockdown-Verlängerung dürfte nur wenige überrascht haben: Bei der Befragung rechneten 70 Prozent mit Maßnahmen über den 14. Februar hinaus.

Öffnungen ab 35er-Wert

Die nächsten Öffnungsschritte können laut Merkel "bei einer stabilen deutschlandweiten 7-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner durch die Länder erfolgen". Offen blieb dabei, wie es für Gastronomie, Amateursport und Kultur weitergeht.

Einzig für Friseure wird es früher eine Ausnahme geben: Wegen ihrer Bedeutung für die Körperhygiene sollen sie unter Auflagen ab 1. März aufsperren dürfen. Ein Startdatum, das sich Merkel auch für Schulen und Kitas gewünscht hätte. Doch im föderalistisch geprägten Deutschland ist dies Ländersache. Und so wie es manch Länderchef vorab ankündigte, ist es sehr wahrscheinlich, dass  die Ersten demnächst wieder in den Klassenzimmern sitzen. Für alle anderen heißt es wohl noch etwas länger durchhalten.

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