Politik | Ausland | Deutschland hat die Wahl
25.09.2017

Wer zieht für die AfD in den Bundestag ein?

Die "Alternative für Deutschland" zieht als drittstärkste Kraft in den deutschen Bundestag ein. Eine Auswahl der Politiker, die für die AfD in das Parlament gewählt wurden.

Der Tag nach der Bundestagswahl in Deutschland startete mit einer AfD-Pressekonferenz. Parteichefin Frauke Petry kündigte an, nicht der Bundestagsfraktion der Partei angehören zu wollen. Aber auch ohne Petry wird die AfD, die am Sonntag 12,6 Prozent der Stimmen erhalten hat, zahlreiche Abgeordnete ins Parlament schicken. Eine Auswahl.


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Alice Weidel

Mit Alexander Gauland bildete Alice Weidel das Spitzenduo für die AfD. Die Unternehmensberaterin lebt offiziell am Bodensee auf deutscher Seite, sehr viel Zeit verbringt sie aber auch im Schweizer Biel, wo ihre Lebenspartnerin und ihre beiden Kleinkinder wohnen. Die promovierte Ökonomin arbeitete bei der Investmentbank Goldman-Sachs, zudem war sie sechs Jahre in der Volksrepublik China tätig.

Weidel wird dem Flügel um Parteichefin Frauke Petry zugeordnet. Beobachter registrierten seit Monaten, dass sie ihre Sprache gegen Einwanderung und den Islam verschärft. Zuletzt fiel sie damit auf, dass sie sich gern als Opfer der Medien stilisierte. Beispielsweise verließ sie wenige Tage vor der Wahl publikumswirksam eine ZDF-Talkshow.

Jürgen Pohl

Jürgen Pohl kandidierte als Zweiter auf der Landesliste von Thüringen. In seinem eigenen Wahlkampf gab er sich als Anwalt der kleinen Leute und nennt es seine "biblische Aufgabe, alle illegalen Ausländer" abzuschieben. Er kann zum ultrarechten Flügel der Partei gezählt werden. Auf dem Parteitag in Thüringen rief er: "Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten. (...) Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk. Dann gnade euch Gott!"

Wilhelm von Gottberg

Mit 77 Jahren dürfte der frühere Vize-Präsident des "Bundes der Vertriebenen" der älteste Abgeordnete sein, der in den Bundestag einzieht. Gottberg hält die Massenvernichtung der europäischen Juden durch Nazi-Deutschland für einen Mythos. Den Holocaust bezeichnete er "als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen". Später hat er diese Aussage relativiert.

Beatrix von Storch

Als EU-Abgeordnete stand die Berliner Spitzenkandidatin bisher weniger im Licht der Öffentlichkeit als ihre Kollegen. Trotzdem ist sie einer der bekanntesten Vertreter ihrer Partei. Die Rechtsanwältin gilt als Erzkonservative, die eine multikulturelle Gesellschaft zutiefst ablehnt.

Öffentliche Kritik erhielt sie vor allem für ihre Aussage im Januar 2016, in der sie forderte, Grenzen mit Waffengewalt vor Flüchtlingen zu schützen. Einmal riet sie der deutschen Fußballnationalmannschaft, ein deutsches Team auf den Platz zu schicken - statt eines Teams, in dem auch Nachkommen von Migranten kicken, wie sie damit andeutete.

Armin-Paul Hampel

Als Vorsitzender der AfD Niedersachen steht er ganz oben auf der Landesliste. Der frühere ARD-Journalist gilt als Gegner von Parteichefin Frauke Petry. Politisch kann er dem nationalkonservativen Flügel zugeordnet werden. Obwohl er selbst bislang nicht durch radikale Aussagen aufgefallen ist, unterhält Hampel Verbindungen zu Organisationen am ultrarechten Rand.

Im Herbst hielt er zum Beispiel einen Vortrag beim "Arbeitskreis für deutsche Politik", der vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Parteiintern gab es zuletzt Streit zwischen Hampel und dem Vizebundesschatzmeister Bodo Suhren. Dieser hatte nach finanziellen Unregelmäßigkeiten des Hamburger Landesverbandes Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen Hampel gestellt.

Markus Frohnmaier

Der Jus-Student ist Vorsitzender der "Jungen Alternative für Deutschland" und kandidierte auf Platz vier der Landesliste Baden-Württemberg. Er gehört zum rechten Lager und fiel durch Äußerungen wie diese im Oktober 2015 auf: "Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht."

Er betrachtet "Hassjournalisten" als Gefahr für die Demokratie, wie er twitterte. Den in der Türkei inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel nennt er einen mutmaßlichen Linksterroristen, der in Deutschland schon längst wegen Beleidigung und Volksverhetzung ins Gefängnis gehört hätte. Merkel titulierte er als "Terrorkanzlerin".

Alexander Gauland

Der 76-Jährige sorgte am Wahlabend für Schlagzeilen. "Wir werden sie jagen", drohte Gauland der künftigen Bundesregierung. Die AfD wolle sich "unser Land und unser Volk zurückholen". Der Nationalkonservative dürfte als Fraktionschef nahezu gesetzt sein.

Gauland ist AfD-Gründungsmitglied, seinen politischen Erfahrungsschatz hat er aber bei der CDU erworben. Früher genoss er auch in ideologisch anders gelagerten Milieus einen gewissen Respekt als konservativer Intellektueller. Einige seiner einstigen Weggefährten und Bekannten aus der Zeit als Staatskanzleichef in Hessen und Zeitungsverleger in Potsdam haben sich heute von ihm abgewandt. Gauland gilt als Vertreter der Rechtsnationalen in der AfD.

Gauland ist bekannt für seine umstrittenen Äußerungen. So erklärte er, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, in Anatolien "entsorgen" zu wollen. In dieser Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft im thüringischen Mühlhausen wegen Volksverhetzung gegen ihn. Im Mai 2016 wurde Gauland in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit der Aussage zitiert, "die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Zuletzt forderte er, dass die Deutschen stolz sein dürften auf "die Leistungen deutscher Soldaten" im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Peter Boehringer

Die Nummer zwei auf der Landesliste Bayern gilt als Freund von Verschwörungstheorien. Er glaubt an die Existenz geheimer, global operierender Eliten, die im Hintergrund an einer sogenannten "New World Order" (NWO) arbeiten – einer neuen Weltordnung.

Der 48-Jährige erklärt auf Facebook, in Deutschland steuere die NWO bereits die Bundesregierung, habe aber auch die evangelische Kirche, die Bahn, die CSU, die Grünen in Baden-Württemberg, diverse Hilfsorganisationen sowie die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft infiltriert. Auch die Vereinten Nationen werden laut Boehringer ebenfalls von der NWO gesteuert – dort seien allerdings auch die Freimaurer aktiv.

Dubravko Mandic

Der 37-jährige Rechtsanwalt wurde in Sarajewo geboren. Er sympathisiert mit den rechtsextremen Identitären, schwärmt auf Facebook von einem "entstehenden rechtsradikalen Netzwerk zwischen AfD und identitärer Bewegung". Mandic glaubt, seine Partei unterscheide sich von der NPD "vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte".

Mandic schwadronierte zudem, dass Deutschland seit sieben Jahrzehnten unter "Besatzung durch die USA" stehe. Barack Obama nannte er in Sozialen Medien einen "Quotenneger".