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25.09.2017

AfD-Zerwürfnis: Petry will aus Fraktion austreten

Petry lässt nach dem Wahlerfolg der Rechtspartei auf offener Bühne ihre Kollegen stehen - wen sie aus der Partei mitnimmt, ist noch offen. Weidel fordert Petry auf, auch die Partei zu verlassen.

Es hat gerade mal 13 Minuten gebraucht, bis sie die Bombe platzen ließ: Frauke Petry, geschasste AfD-Chefin, kündigte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihren Parteikollegen Alexander Gauland, Alice Weidel und Jörg Meuthen am Montag nach der Bundestagswahl in Deutschland an, nicht der Fraktion ihrer Partei angehören zu wollen. Sie werde "vorerst als Einzelabgeordnete in diesem Bundestag sitzen“, sagte Petry am Montag in Berlin.

Einen wirklichen Grund dafür nannte sie nicht, vielmehr ging sie auf den grundsätzlich gespaltenen Kurs der Partei ein: Sie plädiere für eine "Regierungsübernahme im Jahr 2021", denn die 13 Prozent seien noch keine Trendwende; das kann aber auch als Attacke gegen den Rechtskurs der beiden Spitzenkandidaten verstanden werden. Sie wolle alles dafür tun, dass "das, was an vernünftigen AfD-Ideen seit 2013 erarbeitet wurde, auch tatsächlich politische Realität wird".

Folgen offen

Schon im Vorfeld war darüber spekuliert worden, dass Petry dies nach der Wahl vorhabe - sie hat am Parteitag im Frühling bereits den Kampf um die Spitzenkandidatur verloren, da sie für einen Regierungskurs plädiert; der Rest der Parteiführung steht für eine harte Opposition.

Ob und wie viele der 94 Mandatare Petry mitnehmen kann und wird, ist noch offen; ebenso, ob sie Parteichefin bleiben wird. Geschätzt wird, dass etwa ein Drittel der Fraktion hinter Petry steht, der Rest wird sich den Spitzenkandidaten Weidel und Gauland anschließen.

"Obergärig geworden"

Die beiden nahmen Petrys Abschied relativ gelassen hin - sie scheinen damit gerechnet zu haben. "Unser Partei ist ein gäriger Haufen, jetzt ist halt jemand obergärig geworden", sagte Gauland. "Ich hätte mir gewünscht, dass Frau Petry mit uns gesprochen hätte", so Weidel. Sie betonten wieder und wieder, dass das Ganze Petrys Angelegenheit sei. Ob es darum zu einer Spaltung komme? Er glaube das nicht, sagte Gauland, man werde aber sehen.

Gauland und Weidel sprachen lieber über ihre Pläne: Gauland wiederholte seine Aussage vom gestrigen Abend, er wolle die " Regierung jagen, verteidigte diese Wortwahl. "Debatten müssen hart geführt werden", sagte er. Zum Vorwurf der SPD, in der AfD säßen Nazis, äußerte sich Meuthen ungehalten: Da würden die "Grenzen des Anstands werden vom politischen Gegner überschritten", sagte er; „ungeheuerlich“ sei das. Da werde die "Saat der Gewalt wird vom Gegner gesät".

Petry soll AfD verlassen

AfD-Spitzenkandidatin Weidel kommentierte die Eskalation dann aber doch noch und forderte Parteichefin Frauke Petry dazu auf, die AfD zu verlassen. "Nach dem jüngsten Eklat von Frauke Petry, der an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten war, fordere ich sie hiermit auf, ihren Sprecherposten niederzulegen und die Partei zu verlassen, um nicht weiteren Schaden zu verursachen", sagte Weidel.