Strache vergleicht AfD mit FPÖ-Vorgängerpar­tei

NR-WAHL: PK FPÖ "PRÄSENTATION DER ZWEITEN PLAKATWE
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER FP-Obmann Heinz-Christian Strache mit dem neuen Plakat

Angesichts der drohenden Parteispaltung in der AfD nach dem Erfolg bei der Bundesagswahl spricht der FPÖ-Chef von Geburtswehen und zieht Parallelen zum Jahr 1949.

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache sieht die rechtspopulistische AfD in Deutschland in einer ähnlichen Situation wie die Vorgängerpartei der Freiheitlichen, dem VdU, im Jahr 1949. "Die Alternative für Deutschland ist ja eine Partei, die sich in den Geburtswehen befindet", sagte er am Montag in einer Pressekonferenz in Wien. Dort wurde auch ein neues FPÖ-Plakat für die Nationalratswahl präsentiert (siehe unten).

Die AfD erzielte bei der Bundestagswahl am Sonntag 13 Prozent und zieht damit als drittstärkste Partei in den Bundestag ein. Allerdings gab Frauke Petry am Tag darauf bekannt. der Fraktion nicht angehören zu wollen. Ob und wie viele der 94 Mandatare Petry mitnehmen kann und wird, ist noch offen.

"Das heißt, sie hat noch viel an Entwicklung vor sich, auch noch viel an interner Bereinigung und Geschlossenheit vor sich", so Strache wörtlich weiter: "Also ich sage, da müssten Sie jetzt in das Jahr 1949 bei der FPÖ oder beim VdU zurückgehen. Also die Geschichtebeurteilung, die sollten Sie selbst nachlesen."

VDU: Sammelbecken für  ehemalige Nazis

Zur Einordnung: Der VdU ("Verband der Unabhängigen") war in Österreich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Als wirtschaftsliberale Partei des sogenannten Dritten Lagers sprach sie vor allem ehemalige Nazis an, grenzte sich formal aber vom Nationalsozialismus ab. Sie schaffte 1949 auf Anhieb 11,7 Prozent, als erstmals die mittlerweile Entnazifizierten wieder an die Urnen durften. 1955 ging aus ihr die FPÖ hervor.

PK FPÖ UND AFD AUF DER ZUGSPITZE: STRACHE / PETRY Foto: APA/ZEITUNGSFOTO.AT Zu den aktuellen Parallelen seiner Partei zur AfD sagte Strache, dass man in den Problemanalysen durchaus übereinstimme, aber nicht in den Lösungen. Die Partei habe bei der Bundestagswahl einen großen Erfolg gefeiert, weil die Menschen mit den Entwicklungen unter der schwarz-roten Bundesregierung in Deutschland nicht einverstanden gewesen seien, meinte der FPÖ-Chef vor allem in Hinblick auf die Flüchtlingspolitik.

Häupl würde bei 13 Prozent für FPÖ Spritzer trinken

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zeigte sich wenig beeindruckt vom Wahlerfolg der AfD. Das Resultat von knapp 13 Prozent bei der Bundestagswahl ist für Häupl jedenfalls kein Grund zur Sorge. Wenn die FPÖ bei einer Wahl in Österreich lediglich 13 Prozent erhielte, würde er sich freuen und "am Abend einen Spritzer trinken", wie er im Gespräch mit Journalisten bekundete.

Neue Plakate zeigen Strache als "Vord_enker"

Die FPÖ hat am Montag ihre dritte Plakatwelle präsentiert. Sie stellt Parteichef Heinz-Christian Strache in den Mittelpunkt, dessen Konterfei in einem der Sujets von den Wortteilen "Vord" und "enker" eingerahmt wird; gemünzt gegen den - aus FP-Sicht - zuwanderungspolitischen "Spätzünder" Sebastian Kurz (ÖVP). Das Thema "Fairness für Österreicher" ziert das zweite Sujet.

NR-WAHL: PK FPÖ "PRÄSENTATION DER ZWEITEN PLAKATWE Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Strache posierte gern mit Petry Vordenker sei man bei der Flüchtlingskrise, beim Grenzschutz und beim Thema Islamisierung, erklärte Strache in einer Pressekonferenz. ÖVP-Spitzenkandidat Kurz habe hier in seinen sieben Jahren als Regierungsmitglied kläglich versagt, die Probleme ignoriert bzw. schöngeredet und die "Willkommenskultur" gegenüber Flüchtlingen verteidigt.

Fortgesetzte Kritik an Kurz

Auch die Balkanroute habe Kurz nicht geschlossen, seien doch im ersten Halbjahr 2017 20.000 Menschen auf diesem Weg nach Österreich gekommen. Islamkindergärten habe er in Wien als ÖVP-Gemeinderat mitbeschlossen, und als Außenminister die EU-Agentur Frontex im Mittelmeer mit "Schlepperaufgaben" bedacht.

"Kurz hat nicht einmal versagt, nicht zweimal versagt, er hat laufend und dauernd versagt", sagte Strache: "Spätzünder braucht das Land nicht. Es braucht Macher, nicht Nachmacher." Wer etwas nachhaltig ändern wolle und gegen eine Wiederauflage der Koalition von SPÖ und ÖVP sei, müsse am 15. Oktober für die FPÖ stimmen.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl beklagte die "soziale Kälte gegenüber Österreichern". Er unterstützte damit Strache, der bei der Versorgung von Asylwerbern Sach- statt Geldleistungen forderte. Für anerkannte Flüchtlinge dürfe es einen Anspruch auf Mindestsicherung erst nach einigen Jahren Arbeit geben.

(APA / tem) Erstellt am
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