Impftermine sind mittlerweile für alle Altersgruppen freigeschalten

© APA/dpa/Daniel Karmann

Politik Ausland
07/04/2021

Deutschland: Geldstrafen für Impfschwänzer?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und andere möchten Bürger, die ihre Impftermine nicht wahrnehmen, zur Kasse bitten.

von Josef Siffert

Aktuell ist die Corona-Lage in Österreich für Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein "sehr gut". Aber: Die Delta-Variante sei auf dem Vormarsch, mahnte Mückstein in der ZiB2 zu Vorsicht. In wenigen Wochen werde sie die "dominante" Variante sein. 

Impfen sei das Rezept der Wahl gegen die deutlich ansteckendere Variante. Das sei "ein Wettlauf gegen die Zeit", sagt der grüne Gesundheitsminister. "Wenn sich 100 Prozent der Menschen impfen lassen, die das können, werden wir einen sehr ruhigen Sommer und Herbst haben. Bei 75 Prozent schaut das schon anders aus."

Entsprechend versuchen Regierung wie Bundesländer, die Menschen mit Werbekampagnen und Aktionen wie Pop-Up-Impfstationen für Junge, Impfpartys oder Impfen ohne Voranmeldung zur Immunisierung zu motivieren. Waren die Impf-Wartelisten vor wenigen Wochen noch gut gefüllt, gibt es mittlerweile mehr Impfstoff als -willige. 

Auch appellieren die Länder an ihre Bürger, beide Impftermine wahrzunehmen.  "Nehmen Sie unbedingt Ihre Impftermine wahr und vernachlässigen Sie nicht ihre Termine für den Zweitstich", formuliert es Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. "Wenn wir jetzt nicht aufpassen, werden die Infektionszahlen auch bei uns bald wieder steigen."

Nur in dringlichsten Fällen solle man einen Impftermin verschieben bzw. absagen - etwa bei Krankheit. Ein Urlaub zähle da nicht dazu. Terminumbuchungen sind administrativ ein hoher Aufwand und erschweren die Planung: Impfstraßen sowie Hausärzte müssen rechtzeitig mit ausreichend Impfstoff versorgt werden. Das ist gerade in dünner besiedeltem Gebiet eine Herausforderung.

Nimmt man seinen Impftermin in Österreich nicht wahr, bleibt das ohne große Folgen. In manchen Bundesländern wird man bei Nichtantritt seines Termins nach hinten gereiht bzw. kommt auf die Warteliste, was in Anbetracht der aktuellen Situation (mehr Impfstoff als Impfwillige) kaum Auswirkungen haben dürfte.

Deutschland: Geldstrafe für Schwänzer

In Deutschland werden nun Stimmen laut, dass Bürger, die ohne Absage ihre Impftermine nicht wahrnehmen, dafür zahlen sollen.

"Es wäre richtig, wenn es eine Strafe gäbe für diejenigen, die nicht einmal ihren Termin absagen", forderte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der Bild am Sonntag einem Vorabbericht zufolge. "Denn diese Terminausfälle führen dazu, dass wir langsamer impfen, als wir könnten, und dass wir Impfstoff wegwerfen müssen."

Auch in einem Gespräch mit dem WDR forderte Lauterbach, Impfschwänzer zur Kasse zu bitten. "Menschen, die ihre Impftermine verfallen lassen, ohne sich vorher abzumelden, machen etwas, was die Impfkampagne beschädigt und auch manchmal dazu führt, dass wir Impfstoff wegschmeißen müssen", sagte Lauterbach.

In Anbetracht der Knappheit des Impfstoffs sollte "eine Strafe üblich sein". 

Auch der Präsident des Berliner Roten Kreuzes, sprach sich im Interview mit dem RBB für Geldstrafen aus. Wer seinen Termin für die Zweitimpfung ohne Absage verstreichen lasse, könne mit einer Strafzahlung von 25 bis 30 Euro belegt werden, schlug Mario Czaja vor. Das sei teilweise auch bei niedergelassenen Ärzten gängige Praxis.

"Wir erleben leider seit einigen Wochen, dass zunehmend Menschen sich nicht abmelden, obwohl sie einen Termin in den Impfzentren haben. Das ist ziemlich unsolidarisch denen gegenüber, die schneller einen Termin haben wollen", so Czaja. Fünf bis zehn Prozent der Termine würden derzeit nicht wahrgenommen.

Der Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), forderte: "Wer nur zu bequem ist, zum Hörer zu greifen oder mit wenigen Klicks einen Termin abzusagen, sollte für die angefallenen Ausfallkosten aufkommen müssen."

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