© Konrad Kramar

US-Wahl
11/03/2020

Demokraten/Republikaner: Ein Riss mitten durch die Familien

Streit über Trump, Misstrauen gegenüber Fake News, Wut auf die Politik: Die tiefe Spaltung Amerikas bleibt nach der Wahl weiter bestehen.

von Konrad Kramar

Wenn sie einmal loslegen, dann aber richtig. Beira und Dennis aus Cleveland, Ohio, sind eigentlich nicht das Paar, das sich bei jeder Gelegenheit angiftet. Wenn es aber um Politik geht, gibt keiner mehr gerne nach. Die Latina ist ohnehin überzeugte Demokratin, und Trump hat sie in den vergangenen vier Jahren leidenschaftlich hassen gelernt.

Da geht es fürs Erste um die Heimat ihrer Eltern, Puerto Rico. Als die Insel vor zwei Jahren von einem Hurrikan verwüstet wurde, winkte Trump beim Ruf nach rascher und großzügiger Hilfe zuerst einmal ab. Das Geld würde doch ohnehin nur von der dort grassierenden Korruption verschluckt. Genau das sei doch immer Trumps Haltung gegenüber den Latinos gewesen – „und dann hat er um unsere Stimmen gebuhlt“.

Als weiteres Argument hat die Eventmanagerin sofort ein Video auf ihrem Mobiltelefon bei der Hand. Es zeigt Trump bei einem Auftritt auf der Insel nach dem Hurrikan. Mit salopper Geste wirft der Präsident Papiertaschentücher ins Publikum. „Damit wir den Schlamm und die Trümmer wegwischen?“, kocht bei Beira jetzt richtig persönliche Gekränktheit hoch: „Wie kann man als Politiker nur so zynisch und menschenverachtend sein!“

Republikaner wählen - trotz Trump

Dennis merkt man an, dass er das Video nicht zum ersten Mal sieht – und dass er eigentlich nicht mehr darüber reden möchte. Viel wichtiger ist es ihm, sich jetzt selbst einmal zu rechtfertigen: für seine Familie, die eisern an Trump festhält, aber auch für seine persönliche Haltung. Der Finanzmanager ist zwar ein Liberaler und kann mit Trumps großspuriger Art nichts anfangen.

Trotzdem aber habe der Mann einiges richtig gemacht, wirft er betont vorsichtig in die Debatte ein: die Steuersenkungen etwa und viele Erleichterungen bei dem ganzen bürokratischen Kram für Firmen.

Dennis’ Familie kommt aus Missouri, einem dieser Staaten im Herzen der USA, die vor allem aus Ebene von Horizont zu Horizont bestehen. Geschäftsleute, Kleinunternehmer, wie er betont, „genau die Menschen, die sich immer schon von den Eliten aus den großen Städten übersehen gefühlt haben“. Religiös zu sein und konservativ, erzählt er, das sei für die zu Hause ganz einfach normal – „und natürlich, die Republikaner zu wählen – viele eben trotz Trump.“

Es gibt viele amerikanische Ehepaare wie Beira und Dennis. Man kommt aus völlig verschiedenen Welten, hat sich zusammengefunden und auch gelernt, miteinander zu streiten.

Unversöhnliche Familie

Wirklich schwierig aber wird es erst, wenn die Familien ins Spiel kommen. Ein Grund für viele, den Debatten über Politik zu „Thanksgiving“ oder zu Weihnachten, wenn Familien in den USA zusammenkommen, großräumig auszuweichen. „Keine Politik und keine Religion am großen Wohnzimmertisch“, nennt Daniela Jauk ihre Grundregel für alle Familienzusammenkünfte. Sie schätze ihren Schwiegervater viel zu sehr, um es sich nachhaltig mit ihm zu verscherzen. „Ich muss ihn ja nicht darauf ansprechen, dass er ein Trump-Bild in der Küche hängen hat.“

Die Soziologin hat es vor vielen Jahren aus der Steiermark in die USA, nach Ohio, verschlagen. Sie arbeitet an der Universität, ihr Mann Steve betreibt einen Pizzaladen in der Vorstadt. Sie ist eigentlich überzeugte Linke, Steve ein sogenannter „Steuer-Republikaner“: Er zahlt also nicht gerne zu viel an den Staat. „Hätte nie gedacht, dass ich mit jemandem leben könnte, mit dem ich so wenig politische Schnittmenge habe“, lacht die Österreicherin und erzählt über die heftigen Debatten, die man daheim oft führe: Zu zweit, wohlgemerkt, und fernab von Steves Verwandtschaft. „Wir lösen das mit Humor“, schildert die Soziologin den Umgang mit Trump&Co., „und beim Rest der Familie lass ich es einfach bleiben“.

Demokraten gegen Republikaner, Trump-Fans gegen Trump-Hasser, meine Wahrheiten gegen deine.

Keine Debattenkultur

Trump selbst habe durch sein ständiges Wüten über die verlogenen Medien und deren „Fake News“ das Vertrauen vieler Amerikaner auf Fakten nachhaltig untergraben, schildert etwa Lee McIntyre von der Universität Boston gegenüber der New York Times die Stimmung im Land. Der Philosoph hat sich in seinem Buch „Post Truth“ mit den Auswirkungen dieser vier Jahre beschäftigt: „Man kann diesen Schaden vielleicht begrenzen, aber das wird nie wieder so werden wie vorher. Das ist, glaube ich, Trumps Erbe. Die Art, wie wir als Gesellschaft versuchen, Fakten zu beurteilen und die Wahrheit zu finden, ist für Jahrzehnte beschädigt. Die Menschen werden einfach sagen, dass etwas Fake News ist.“

Glücklich macht das – auch in ganz privaten Gesprächen – wenige Amerikaner. So leidenschaftlich die Demokratin Beira über Trump wüten kann, so sehr wünscht sie sich wieder vernünftige Auseinandersetzungen in der Familie, und mit Freunden und Kollegen. Schade, findet sie, dass das nicht mehr geht: „Damals, als George W. Bush seine Kriege angezettelt hat, da haben wir endlos debattiert, ohne nachher verfeindet zu sein. Hätte nicht gedacht, dass ich den einmal vermissen werde.“

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