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Politik Ausland
01/06/2021

"Corona-Rebellen": Uneins, doch gefährlich

Auch wenn die verschiedenen Akteure zerstritten sind, herrscht Sorge vor einer breiteren Bewegung.

von Armin Arbeiter

In Österreich werden sie mittlerweile vom Verfassungsschutz beobachtet, in Deutschland verschafften sie sich bei einer Demonstration Zugang zum Parlament. Die sogenannten „Corona-Rebellen“ sind seit Beginn der Pandemie davon überzeugt, dass Corona und seine Auswirkungen nur ein finsterer Plan böser Mächte sei.

Ob eine drastische Reduktion der Weltbevölkerung, die Einführung eines globalen Kommunismus oder aber die Steuerung aller Menschen durch Mikrochips: So divers wie die Verschwörungstheorien ist auch das Publikum, das seit gut zehn Monaten auf die Straße geht, um gegen die „satanischen Eliten“ aufzubegehren. Von Menschen, die aufgrund der Maßnahmen ihre Lebensgrundlage verloren haben, über linke Esoteriker bis hin zu Rechtsextremen.

Streit zwischen den Lagern

In zahllosen Telegramgruppen teilen sie die neuesten Nachrichten aus dubiosen Kanälen (etwa, dass ein Lockdown bis Juni kommen soll), koordinieren sich für Demonstrationen gegen den gemeinsamen Feind – die Regierung.

Dennoch herrscht dicke Luft in den Lagern der Verschwörungstheoretiker. Was bei den ersten Demonstrationen gegen Corona-Beschränkungen als „bunte Truppe“ gesehen wurde, zersplittert sich mehr und mehr in verschiedene Lager. Kanäle wie jene von Attila Hildmann, den sogenannten „Querdenkern“ oder der QAnon-Bewegung, die aus den USA stammt, zerfleischen einander auf Nachrichtenkanälen wie Telegram. „Q ist der Feind!“, erklärt Hildmann etwa und verweist darauf, dass US-Präsident Donald Trump – die Lichtgestalt der QAnons – selbst einer der größten Zionisten sei. Er wolle den „dritten jüdischen Tempel“ in den USA errichten und sei selbst ein Freimaurer. Beides, Juden und Freimaurer, gehören zu den absoluten Feindbildern der „Corona-Rebellen“.

Wie ist es möglich, dass Gruppierungen, die dieselben Feinde haben und dieselben Verschwörungstheorien glauben, so uneins sind?

„Es mag damit zusammenhängen, dass es unter Verschwörungstheoretikern natürlich immer auch Konkurrenz darüber gibt, wer jetzt derjenige ist, der privilegiert ist, in der Machtposition ist, um quasi seine Thesen verbreiten zu können“, sagt Michael Butter von der Universität Tübingen zum KURIER.

Bei den Demonstrationen selbst seien sie zwar sehr wohl gegen den „gemeinsamen Feind“ verbunden, im Netz gäbe es dann aber wieder Eifersüchteleien unter den verschiedenen Gruppen.

Allianz mit besorgten Bürgern?

Dennoch fürchtet Butter, dass sich die Proteste auf der Straße stärker verbinden könnten: „Es gibt viele Menschen, die die Gefährlichkeit des Virus gar nicht in Frage stellen, aber unzufrieden damit sind, wie die Regierungen die Pandemie gehandhabt haben.“

Dabei könne es zu einer populistischen Bewegung kommen, die aus Verschwörungstheoretikern einerseits und unzufriedenen Bürgern andererseits besteht.

Gespannt ist Butter darauf, wie es QAnon in den USA ergehen wird: Seit Donald Trump die Wahl verloren hat, hat sich der ominöse Internet-User „Q“, der behauptet, zu Trumps engstem Kreis zu gehören, nicht mehr gemeldet. „Zumindest was Deutschland angeht, ist die Bewegung ein Scheinriese. Da hat nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung eine Affinität dazu. In den USA sind es laut Erhebungen fünf Prozent, doch das ist in den vergangenen zwei Jahren konstant geblieben. Durch die Corona-Krise ist die Bewegung in der öffentlichen Wahrnehmung aufgeblasen worden.“

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