Politik | Ausland
12.04.2018

China-Tagebuch: "Bye,bye, see you in Vienna"

Der Bundespräsident verabschiedet einen Zug von Chengdu nach Wien und stattet den Pandas einen Besuch ab - das China-Tagebuch von KURIER-Politik-Chef Josef Votzi, Tag 6.

Tag 6 des China-Besuchs beginnt so wie Tag 5 ausklang. Beim Staatsbankett der Provinzregierung von Sichuan in der Hauptstadt Chengdu wird ein bunter Vorspeisen-Teller serviert - einer der Appetizer ist als Mini-Panda arrangiert. Zwischenruf zur Orientierung: Sichuan ist nur eine von einem guten Dutzend chinesischer Provinzen. Mit seinem 90 Millionen Einwohnern wäre Sichuan in Europa ein biggest player.

Fast  jedermann  geläufig ist Sichuan allein als Heimat der kuscheligen Tiere. Am letzten Tag der größten offiziellen China-Visite aus Österreich steht heute Nachmittag  ein Besuch bei den Pandas am Programm. Aber davon im Laufe eines neuen langen China-Tages später...

 

Der endlos lange Zug hat Maschinenteile, Haushaltsgeräte, LED-Lampen und Schlafsäcke geladen. Rund 1200 Tonnen sind in über 40 Container gepackt. 

14 Tage braucht der erste ÖBB-Frachtzug von Chengdu bis Wien, per Schiff wären die Container allein von Hafen zu Hafen doppelt so lange unterwegs, aber um die Hälfte billiger. Wenn es schnell gehen soll ist die ÖBB künftig aber unschlagbar, hofft ÖBB-Chef Andrä Matthä.

 

Von Sichuan fuhren letztes Jahr 1000 Züge Richtung Europa - mit Endstation Duisburg oder Budapest. Chengdu ist der größte Hub Chinas für Züge nach Europa. Bis 2020 sollen es 2000 Züge jährlich sein.  Ziel der ÖBB: Einer davon soll täglich in Wien landen. 

Offene Frage: Wie füllt man den Zug am Retourweg abseits  bislang mit  Agrarprodukte und Autoteilen? Denn noch ist die Seidenstraße auch auf Schienen vorwiegend eine Einbahn. 

Das tut der optimistischen Stimmung keinen Abbruch. Van der Bellen verabschiedet den Zug launig so: "Bye, bye, see you in Vienna"

 

 

Herausforderungen für die Damen

China ehrt das Alter, davon profitieren auf der öffentlichen Bühne allein die Männer. Frauen sind beim offiziellen Besuchs-Programm in China so gut wie immer nur in (be)dienender Funktion vertreten. Einzig beim Delegiertengespräch im nationalen Volkskongress saß  Van der Bellen, Kurz und Kneissl  auch eine Frau auf chinesischer Seite gegenüber. 

Weibliche Delegationsmitglieder berichten von einer scheinbaren Kleinigkeit, die schnell lästig werden kann. Auf den öffentlichen Damentoiletten dominiert das zweifelhafte Angebotseine Notdurft in der Hocke zu verrichten.  Scheinbare Kleinigkeiten erzählen gelegentlich mehr über ein Land als große Reden. 

Besuch bei den Pandas

Donnerstag nachmittag war es soweit: Als letzter Programmpunkt stand ein Besuch im Panda-Park unweit von Chengdu an. Hier werden Pandas gezüchtet und beforscht. Dreimal hatte Präsident Xi den vorab deponierten  Wunsch der Österreicher nach einem Panda-Männchen angesprochen.

Ein gutes Zeichen, aber noch lange keine Zusage. Alexander Van der Bellen, seine Frau Doris Schmidauer, Kanzler Sebastian Kurz und Karin Kneissl durften das männliche Panda-Junge Ruji, eineinhalb Jahre alt, bereits in Augenschein nehmen. 

4 slides, created on 12/Apr/2018 - 12:16:36

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