Politik | Ausland
10.04.2018

China-Tagebuch: VdB darf nach Xi und vor Duterte reden

Bundespräsident als Eröffnungs-Redner beim asiatischen Davos im chinesischen Hainan - das China-Tagebuch von KURIER-Politik-Chef Josef Votzi, Tag 4.

Noch einmal großer Bahnhof für Alexander van der Bellen in Peking.

Am Rollfeld haben Soldaten  Aufstellung genommen. Der österreichische Bundespräsident wird auch mit militärischem Pomp verabschiedet. Von einer Polizeieskorte wird die Österreich-Delegation direkt vors Rollfeld gefahren und schlendert Richtung Gangways. Die vordere ist mit einem roten Teppich drapiert.

Geflogen wird nicht wie üblich mit ordinären Airbus 320, sondern einem funkelnagelneuen Dreamliner, der Boeing 787, dem auch in China beliebten Verkaufsschlager der US-Flugzeugherstellers. Eine Referenz an das österreichische Staatsoberhaupt und an den Flughafen Wien. Hainan Airlines eröffnet im Oktober eine neue Direktverbindung: Shenzen-Wien

Komplett zivil ist dann nur der Empfang am Airport. Die Insel Hainan, südwestlich von Hongkong auf der Höhe von Vietnam, hat eine Gruppe von Kindern aufgeboten.

Ein Teil der Straßen ist komplett gesperrt. An Kreuzungen und vor den Hotels Checkpoints, Soldaten mit Maschinengewehren. Boao, den Rest des Jahres ein Badeort für Mittelstandsfamilien an der Südost-Küste der Insel, ist seit Tagen Hochsicherheitszone. Zur heute beginnenden Boao-Konferenz ist der Polit- und Wirtschaftsadel Asiens aber auch internationale Prominenz angesagt: Vom Regierungschef Singapurs bis zum philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte.

Asiatisches Davos

Chinas Präsident Xi Jinping setzt seit fünf Jahren alles daran, das Boao-Forum als asiatisches Davos zu inszenieren. Bei Österreichs letzter großer China-Visite 2015 machte auch der damalige Präsident Heinz Fischer einen Abstecher nach Hainan. Der Aufwand bei Sicherheit und Kontrolle hat binnen drei Jahren noch zugenommen.

Big Brother gibt Weg frei

Hier lässt sich erahnen, was in China bald Alltag ist. Die Sicherheitscheck am Eingang zum Tagungsgebäude kennt man von Flughäfen. Neu ist: Sobald man sich mit seinem Spezialausweis endgültig dem Tagungsgebäude nähern darf, leuchtet auf einer großen Tafel das eigene Passbild samt Namen auf. Händische Ausweiskontrolle war gestern: Erst wenn Big Brother den Weg frei gibt, kann man passieren.

Trump kommt in Xis Rede gar nicht vor

Als Chinas neuerdings allmächtiger Präsident Xi Jinping den Konferenzsaal betritt, erklingen weiche chinesische Melodien. Es erhebt sich das ganze Auditorium zum Applaus.

Seine Rede wurde als Antwort in Sachen Handelskrieg mit Spannung erwartet. In der gut halbstündigen Rede kommt der Name Donald Trump nicht einmal vor, aber Dutzende Male das Wort: Offenheit. Xis Rede ist ein einziges Plädoyer für mehr Öffnung statt mehr Handelsschranken.

Die einzig konkrete Ankündigung: "Wir werden die Einfuhrzölle für Autos senken."

Das wird beim wachsenden chinesischen Mittelstand und Autofirmen von Europa bis in den USA nachhaltige Freude auslösen.

 

 

Es gilt das Olympische Prinzip

Alexander van der Bellen darf gleich nach Xi ans Rednerpult. Er bekräftigt Xis Plädoyer für Offenheit. Im zweiten Teil seines knapp zehnminütigen Auftritts wirbt VdB für nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz. 

Auch bei internationalen Konferenzen gilt das Olympische Prinzip: Dabei sein ist alles.

 

 

 

Für globale Foren braucht man politisch auch einen guten Magen. Unmittelbar nach dem Präsidenten mit grünen Wurzeln steht der skrupellose Philippine, Rodrigo Duterte, am Podium. Vier Redner nach VdB ist der holländische Premier dran. Mark Rutte ist nach dem österreichischen Staatsoberhaupt heuer der einzige europäische Regierungschef, der hier als Eröffnungsredner auftritt.