Politik | Ausland
08.04.2018

China-Tagebuch: Staatsbankett & Militärparade

Kanzler Kurz zum Staatsbesuch in China eingetroffen. Heikle Politikfragen auf der Tagesordnung. KURIER-Politik-Chef Josef Votzi ist vor Ort. Tag 2.

Tag 2 ist der wohl wichtigste Tag der sechstägigen China-Tour. Sonntag spätnachmittags (Ortszeit) sind der Empfang samt Militärparade und das Staatsbankett der Österreich-Delegation bei Chinas mächtigstem Mann, Präsident Xi Jinping.

Sebastian Kurz ist Sonntag früh mit Air China einen Tag nach Van der Bellen in Peking eingetroffen. Der ÖVP-Chef hatte noch Termine im Landtagswahlkampf-Finale in Salzburg. Beim Arbeitsfrühstück um acht Uhr früh (2 Uhr früh MESZ) mit Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl und den mitgereisten Journalisten wirkt der Kanzler auch nach einem strapaziösen Flug putzmunter und wie aus dem Ei gepellt. Zum Auftakt werden Reiseanekdoten von Trips quer durch von Washington über Kiew bis Moskau ausgetauscht.

Um heikle Politikfragen und harte Wirtschaftsfakten wird es den Rest des Tages noch genug gehen. Zwei Stunden danach präsentiert sich angeführt von Van der Bellen, Kurz und Leitl die fast 200-köpfige Manager-Delegation möglichen neuen chinesischen Handelspartnern.

Durchgetaktet

Staatsbesuche sind von der Früh bis spätnachts mit Terminen durchgetaktet und eine besondere Herausforderung für die Protokoll-Leute der Delegation. Von der Wagenfolge bis zum Terminkalender aller Spitzenpolitiker ist hier alles vorab genau vermerkt: Wer wann wo wen in großem Rahmen, im kleinen Kreis oder nur vier Augen trifft ist in einem kleinen dicken Buch im Westentaschenformat festgehalten. Kurzfristige Änderungen gehören zum Alltag der Protokollisten. Da hilft nur rasches Improvisieren.

Bodyguards immer dabei

Im kleinsten Kreis findet auch das wichtigste Pre-Briefing des Tages am späten Vormittag statt. EU-Botschafter Dietmar Schweisgut informiert Van der Bellen, Kurz, Leitl und ein paar handverlesene Mitarbeiter über die aktuellen Untiefen und Seilschaften im chinesischen Machtapparat. Das diskrete Meeting findet einmal mehr gut behütet von gut einem halben Dutzend chinesischer Sicherheitsleute statt.

Fahnen schwenkende Kinder

Aufmarsch von Dutzenden Uniformierten und einheitlich dunkel gekleideten vor der Halle des Volkes. Einmarsch einer Hundertschaft von Kindern: Peking rüstet sich für den offiziellen Empfang der Österreicher durch Staatspräsident Xi Jinping. Die Kinder üben noch einmal das Schwingen der chinesischen und österreichischen Fähnchen.

Beim letzten Besuch von Heinz Fischer wurden ihnen vor dem Auftritt noch vor aller Augen die Brillen abgenommen. Heuer ist kein einziges Kind mit Brille einmarschiert - für das Bild der perfekt gesunder Kinder wurde heuer offenbar schon ohne neugierige Journalistenaugen gesorgt.

17:05 Uhr (Ortszeit): Aufmarsch der Regimenter zur Militärparade für den österreichischen Präsidenten mit grünen Wurzeln.

17:15 Uhr (Ortszeit): Van der Bellen und Xi schreiten die Delegationen aus Wien und Peking zur Begrüßung ab. Die Bundeshymne wird fehlerfrei intoniert.

17:20 Uhr (Ortszeit): Routiniert schreitet der eingefleischte Zivilist Van der Bellen auch die Militärparade ab. Der Kinderchor jubelt fahnenschwenkend wie geübt. Xi ist anzusehen, dass es für ihn Routine ist. Bis zu dreimal pro Woche empfängt er hier mit militärischem Pomp Staatsgäste. Eine Stunde vor dem Konvoi von Van der Bellen fuhr der Konvoi von UNO-Generalsekretär António Guterres hier vor.

17:30 Uhr (Ortszeit): Vor dem Staatsbankett ist für 45 Minuten das große Delegationsgespräch fällig. Fünf Minuten dürfen Journalisten beim ersten Austausch von Höflichkeiten dabei sein. Auch das Staatsbankett geht hinter verschlossenen Türen über die Bühne. Beim Auftritt der kleinen Mozart-Geigerin sind Kameras nicht nur zugelassen, sondern beidseitig erwünscht.

Vorm Staatsbankett werden noch 11 Verträge und "Memorandums of Understanding" unterzeichnet. Ein Foto des in dicken roten Mappen zur Unterschrift bereit liegenden Papier-Konvolut wird nach kurzer Debatte gestattet. Auch nur ein von weitem aufgenommener Foto-Blick auf eines der in chinesischen Schriftzeichen gehaltenen Deckblätter der Verträge wird verwehrt - das könnte vertrauliche Details preisgeben und zu diplomatischen Verwicklungen führen.

18:40 Uhr (Ortszeit): Feierlicher öffentlicher Schlusspunkt am Tag 2 der Mega-Visite Österreichs in China: Vertragsunterzeichnung unter huldvoller Oberaufsicht der beiden Präsidenten durch die Minister Hofer, Kneissl, Köstinger und Schramböck.

Minister Hofer wird "Opfer" seines Großressorts. Er will wiederholt schon vom roten Unterschriftentisch aufstehen und wird unter freundlichen Gelächter zur nächsten Unterschrift zurückkomplimentiert.