Politik | Ausland
07.04.2018

China-Tagebuch: Bilderbuchempfang in Peking

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist mit einer hochkarätigen Entourage auf Staatsbesuch in China. KURIER-Politik-Chef Josef Votzi ist vor Ort. Tag 1.

Sonne in Peking, Luftqualität laut Yahoo "gut" 10 Grad. Bis vorgestern lag eine dicke Smogglocke über der Stadt. Wettermäßig also Bilderbuchempfang für Alexander van der Bellen und seine Begleitung zum größten Staatsbesuch aller Zeiten in China. Ein Teil der Wirtschaftsdelegation ist schon in der Stadt. Kanzler Sebastian Kurz wird wegen Wahlkampfterminen in Salzburg erst Sonntag früh erwartet.

Am Tag 1 stehen daher Aufwärmtermine am Programm: Briefing durch Botschafter und Wirtschaftsdelegierten. Besuch der verbotenen Stadt; ein Rundgang durch eines der letzten alten Hutong-Viertel Pekings. Die alten Bauten in engen Gassen sind fast überall modernen Wohnbauten und Hochhäusern gewichen.

Sechs Cobra-Beamte waren bereits beim AUA-Direktflug mit an Bord. Ihre Aufmerksamkeit gilt vor Ort primär drei der sechs Spitzenpolitiker: Bundespräsident Alexander van der Bellen, Kanzler Sebastian Kurz und Außenministerin Karin Kneissl.

Das Innenministerium hat wie bei allen Staatsbesuchen außerhalb Europas auch ein Ärztin für medizinische Notfälle entsandt. Seit der Ära Klestil, der bald nach Beginn seiner Amtszeit gesundheitlich angeschlagen war, reist ein Arzt mit. Bislang gab es gottlob nur Bedarf nach einer Kopfwehtablette für eines der Delegationsmitglieder.

Jüngstes Delegationsmitglied geigt auf

Das jüngste Delegationsmitglied ist zarte sieben Jahre alt. Anna Cäcilia Pföß wird morgen Sonntag Nachmittag beim Staatsbankett im Goldenen Saal der Großen Halle des Volkes als musikalische Botschafterin Österreichs auftreten. Auf der Mozartgeige wird sie samt Klavierbegleitung zum Tee und Dessert mit folgenden Musikstücken aufhorchen lassen: Zwei Menuetten einer frühen Mozart-Sonate, dem Glockenspiel aus der Zauberflöte sowie einem chinesischen und einem österreichisches Volksmusikstück ("Schleuniger" aus dem Salzburger Land).

Die Augen sind bei vielen beim vormittäglichen (Ortszeit, plus sechs Stunden zu MESZ) Briefing noch verquollen vom neunstündigen Nachtflug. Botschafter Fritz Stift gibt einen kurzweiligen Überblick über China - ohne diplomatische Floskeln (mehr darüber im Sonntag-KURIER und hier online).

Hofer geht in der Verbotenen Stadt verloren

Am Nachmittag geht es im Blitztempo durch die Verbotene Stadt, weitläufiges Denkmal der Allmacht des Kaisers und der Unterwürfigkeit. Eine Stunde ist dafür veranschlagt. Beim obligaten Gruppenbild von Präsident und Ministern ertönen mehrfach Rufe der Fotografen nach Norbert Hofer. Der Infrastruktur-Minister war offenbar derart von den Prachtpalästen fasziniert, dass er kurzzeitig den Anschluss an die Österreicher-Gruppe verlor.

Der auffällig unauffällige Notfallkoffer

Von der Ärztin, die mit der Präsidentendelegation mitreist, war hier schon die Rede. Beim Gang durch die Verbotene Stadt sticht für scharfe Beobachter ein schwarzer Koffer ins Auge, der immer dort halt macht, wo auch VdB & Co kurz verweilen. Der auffällig unauffällige Trolley ist der medizinische Notfallkoffer, der gemeinsam mit der Ärztin die Delegation für den Fall der Fälle diskret begleitet.