Politik | Ausland
09.04.2018

China-Tagebuch: Geigen-Wunderkind entzückt Xi

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Kurz bei der größten Bank der Welt und Mozart statt Reblaus - das China-Tagebuch von KURIER-Politik-Chef Josef Votzi, Tag 3.

Tag 3 der Mega-Visite in China: In der Österreich-Delegation klingt immer noch die Stimmung beim Staatsbankett mit Präsident Xi Jinping nach. Der nicht zur Romantik neigende Bundespräsident schwärmt zum einen von der offenen Gesprächsatmosphäre. Zuvorderst aber davon "wie es im Saal mucksmäuschenstill war und viele zu Tränen gerührt waren". Die siebenjährige Cäcilia Anna Plöß, ein musikalisches Wunderkind aus Salzburg, gab zum Dessert vor der chinesischen Staatsspitze Mozart-Sonaten sowie ein österreichisches und chinesisches Volkslied zum Besten. Das Talent, in der Rolle des ewigen David bei den Goliaths dieser Welt erfolgreich gute Stimmung zu machen, liegt wohl in den Genen. Leopold Figl setzte in Moskau einst auf die Reblaus, Van der Bellen und Co. auf Mozart by Mädchen.

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1,5 Milliarden im Reisegepäck

Präsident, Kanzler, Minister und Wirtschaftskammerpräsident ziehen so zufrieden eine erste Bilanz der Reise: Abgeschlossene Verträge über 1,5 Milliarden an Neugeschäft und Investitionen sind "ein Turbo für Österreichs Wirtschaft”, resümiert Kanzler Kurz zufrieden. Elisabeth Köstinger will nach dem Zuwachs von 25 Prozent beim Sommertourismus (900.000 chinesische Gäste) nun Olympia 2022 in Peking nutzen, um auch die Winterreisen der Chinesen nach Österreich anzukurbeln. Margarete Schramböck wird im November wiederkommen, um bei der ersten Chefeinkäufer-Messe in China, wo 150.000 Entscheider erwartet werden, heimische Unternehmen als Lieferanten für Olympia & Co. neu in Stellung zu bringen.

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Hofer singt Loblied auf Van der Bellen 

Was auffällt: Norbert Hofer ist nach Jahrzehnten blauer Oppositionspolitik als Regierungspolitiker mehr als angekommen. Er eröffnet die Präsentation seiner Vertragsabschlüsse mit einem Loblied auf seinen ehemaligen Konkurrenten Van der Bellen und das ÖVP-Urgestein Christoph Leitl: "Der Bundespräsident ist ein echter Türöffner für die Wirtschaft." Und: "Ich möchte mich auch bei Präsident Leitl ausdrücklich bedanken. Er beweist auch hier wieder eine Fitness und ein Durchhaltevermögen, das einmalig ist.

Kurz beim Superbanker

Einen sensiblen Termin absolvierte Kanzler Sebastian Kurz davor noch bei ICBC, der größten Bank der Welt. Die "Industrial und Commercial Bank of China" will seit längerem auch eine Filiale in Wien eröffnen und wartet bislang vergeblich auf grünes Licht der Finanzmarkt-Aufsicht (FMA).

Kurz kam von dem Gespräch mit dem Eindruck zurück, die beidseitig offenen Fragen seien klärbar. Im Gespräch ist nicht mehr allein eine Filiale, sondern die Gründung einer Tochterbank - als Headquarter für Zentral- und Ost-Europa. Kurz: "Mittelfristig ist mit mehreren hundert neuen Arbeitsplätzen zu rechnen."

Wiedersehen mit Xi 

Ab heute teilen sich die Wege. Außenministerin Karin Kneissl ist wegen eines Gesprächs mit ihrem chinesischen Amtskollegen bereits unterwegs. Auch die anderen Minister haben Sondertermine bei Firmen und Politikerkollegen. Köstinger, Hofer und Schramböck sind danach bereits wieder am Heimweg nach Wien.

Für Präsident, Kanzler und Außenminister geht es heute Mittag MESZ vier Flugstunden weiter. Sie nehmen an der Eröffnung des "asiatischen Davos", der BOAO-Konferenz auf der Insel Hainan teil. Dort gibt es bereits ein Wiedersehen mit Xi Jinping. Der chinesische Präsident wird morgen Dienstag eine mit Spannung erwartete neue Erklärung in Sachen Handelskrieg mit Donald Trump abgeben.

 

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Kurz: Klartext für mehr Bürger-Rechte 

Phoenix-TV firmiert als " BBC Chinas". Der in Hongkong beheimatete Sender hat 500 Millionen Zuseher, sendet in Mandarin via Satellit in alle Welt und ist daher auch eine wichtige Informationsquelle für Auslandschinesen. Vor seiner Weiterreise absolviert Sebastian Kurz routiniert noch ein einstündiges Interview - von persönlichen bis politischen Fragen. Überdurchschnittliches Erstaunen erregt im von alten Männern regierten China sein Alter: "Ich darf Ihnen versichern, bei uns sind nicht alle Politiker so jung."

Kurz nutzt die Chance auf chinesischem Boden aber auch für eine klare Botschaft in Sachen Menschenrechte: "Ich war mehrmals in China und bin beeindruckt von der raschen Entwicklung. Ich hoffe, dass die Bürger auch bald mehr Rechte erhalten und dass der Kampf gegen die Korruption weitergeht."

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To be well prepared ist im Politiker-Job das Um und Auf. Ein stummer Begleiter ist bei allen Terminen dabei: Eine Mappe mit den wichtigsten Basis-Infos für jede Terminlage.

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Polizeieskorte

17:15 Uhr (Ortszeit): In 45 Minuten soll die Boeing mit der Österreich-Delegation Richtung Hainan abheben. Die Fahrzeit zum Flughafen ist mit mindestens 30 min veranschlagt. In der Rushhour von Peking ein Himmelfahrtskommando.

Für Van der Bellen & Co. werden am Weg vom Hotel zum Airport einmal mehr die Straßen rigoros gesperrt. Eine eindrucksvolle Polizeieskorte sorgt dafür, dass auch überraschende Hindernisse erst gar nicht mehr aufkommen.

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